Berlin Works

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Bruch, Max: Kol Nidrei für Cello und Orchester,

Max Bruch (geb. Köln, 6. Januar 1838 - gest. Berlin, 2. Oktober 1920) Kol Nidrei für Cello und Orchester Max Bruch wurde im Jahr 1838 in Köln geboren, einer Stadt mit einem reichen Musikleben. Sein Vater war Beamter, seine Mutter eine vorzügliche Sängerin, die ihrem frühreifen Sohn schon in jungen Jahren Musik-Unterricht erteilte. Mit 14 Jahren hatte er schon über 70 Werke komponiert, darunter eine Sinfonie, die 1852 sogar öffentlich aufgeführt wurde. Bruch machte Karriere als renommierter Komponist, Dirigent und Lehrer; er hielt Positionen in Köln, Koblenz, Sondershausen, Breslau, Liverpool und Berlin inne. Von 1890 bis 1910 lehrte er Komposition an der Berliner Hochschule für Musik; zu seinen Studenten zählten Ottorino Respighi und Ralph Vaughan Williams. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählten die Ehrendoktorwürde der Universitäten Cambridge und Breslau, der Preußische Verdienstorden und die Mitgliedschaft in der Academie Francaise. Seine konservative Tonsprache, geprägt durch die deutsche Romantik nach Mendelssohn, Schumann und Brahms, setzte ihn gegen die neuen musikalischen Strömungen seiner Zeit. Er schrieb mehr als 200 Werke, darunter drei Opern und drei Sinfonien. Heutzutage gründet sich sein Ruf lediglich auf einer Handvoll davon, die regelmäßig aufgeführt werden. Im Zenit seiner Karriere war Bruch für drei Spielzeiten Dirigent der Royal Liverpool Philharmonic Society in England. Zu dieser Zeit beendete er zwei seiner meistgespielten Werke. Eins davon ist Kol Nidrei, das andere die Schottische Fantasie für Violine und Orchester. Bruch war weder Schotte noch Jude, doch setzte er sich intensiv mit der Folklore anderer Länder und Kulturen auseinander und ließ sich durch sie inspirieren. Neben jüdischen und schottischen Melodien verwendete er auch schwedische und russische Volkslieder in manchen seiner Instrumentalwerke. 1884 schrieb er an seinen Verleger: "In der Regel ist ein einziges gutes Volkslied mehr wert als 200 Kunstwerke." Kol Nidrei (Adagio über hebräische Melodien) war ein Auftragswerk für die jüdische Gemeinde Liverpool und wurde unter Leitung des Komponisten mit A. Fischer als Solist am 20. Oktober 1881 uraufgeführt. Kol Nidrei ist ein Gebet zu Beginn des Abendgottesdienstes an Yom Kippur, dem höchsten Fest des jüdischen Kalenders, benannt nach den Anfangsworten ("Alle Gelübde") - in der Tat jedoch ein Gebet, das vorab alle Gelübde für Gott leugnet, als Lossagung von allen abgepressten falschen Zeugnissen. Die zugrunde liegende Melodie stammt offenbar aus der Zeit der spanischen Inquisition, in der viele Juden vorgaben, zu konvertieren, um den Verfolgungen zu entgehen, aber im Geheimen weiterhin den Glauben ihrer Vorväter praktizierten. Bruchs Kol Nidrei besteht aus einer Reihe Variationen über zwei Hauptthemen, deren erstes aus dem Kol Nidre stammt und den Charakter einer Klage trägt. Die zweite Melodie steht im ruhevollen Kontrast dazu. Es ist eine Bearbeitung von O Weep For Those That Wept On 's Stream nach einem Text von Lord Byron in einer Sammlung namens Hebrew Melodies. Max Bruch selbst schrieb über sein Kol Nidrei: "Ich wurde mit dem Kol Nidrei und ein paar anderen Gesängen ( ) in Berlin durch die mir befreundete Familie Lichtenstein bekannt. Wenn ich auch Protestant bin, so empfand ich als Künstler doch die außerordentliche Schönheit dieser Melodien und verteilte sie daher glücklich über meine Bearbeitung. Die erste ist ein altes hebräisches Sühnelied, die zweite (D-Dur) der Mittelteil eines bewegenden, wahrlich großartigen Liedes O weep for those that wept on Babel's stream (Byron), das ebenfalls sehr alt ist. Ich lernte beide Melodien in Berlin kennen, wo ich in der Chorvereinigung viel mit den Kindern Israels zu tun hatte." Übertragung ins Deutsche: Benjamin-Gunnar Cohrs, © 2008 (Kontakt: bruckner9finale@web.de) Stimmen über Bruchs Kol Nidrei "Diese uralte jüdische Melodie, gefiltert durch einen einfühlsamen Protestanten, ist herzzerreißend schön. Gesungen von der vollen Bariton-Stimme des Violoncellos (was sonst?) klingt es noch durch die tiefsten Gewölbe des Orchesters. Es entwickelt sich von reicher Schlichtheit zu lebhafteren Variationen, kehrt jedoch schließlich zur Einfachheit des Beginns zurück, tönend von einer zeitlosen Feierlichkeit die den Glauben transzendiert." (Paul Serotsky) "Musikliebhaber sollten heutzutage etwas dankbarer all jenen gegenüber sein, die schöne Dinge erschaffen. Es ist nicht leicht, so schön zu schreiben wie Max Bruch. ( ) Ihm fiel es wirklich leicht; er tat es sogar instinktiv, alle modernen Kritiker und Psychologen würden einen solchen Instinkt generell sehr hoch schätzen. Weiterhin ist es unmöglich, bei Bruch irgendeine Vernachlässigung jenes Standards an Schönheit zu finden, den er instinktiv selbst vorgibt." (Sir Donald Francis Tovey) Zitierte Internet-Quellen(alle konsultiert 2008): http://www.chazzanut.com/bruch.html http://www.chazzanut.com/ http://en.wikipedia.org/wiki/Kol_Nidre_(Bruch) http://en.wikipedia.org/wiki/Kol_Nidre Weitere Quellen: J.A. Fuller-Maitland: Masters of German Music (London, 1894), S. 97-135 D. Kämper, ed.: Max Bruch-Studien: zum 50. Todestag des Komponisten (Köln, 1970) K.G. Fellerer: Max Bruch (Köln, 1974) S. Luyken: Max Bruch (Köln, 1984) Christopher Fifield: Max Bruch: his Life and Works (London, 1988) Ausgewählte CD-Einspielungen: Pablo Casals, London Symphony Orchestra, Sir Landon Ronald (EMI Classics CDH 63498) Jacqueline Du Pre, Israel Philharmonic Orchestra, Daniel Barenboim (EMI Classics 57293) Pierre Fournier, Lamoureux Concert Association Orchestra, Jean Martinon (Deutsche Grammophon 429155) Ofra Harnoy, London Philharmonic Orchestra, Charles Mackerras (RCA Red Seal 60757) Na Chang, London Symphony Orchestra, Mstislaw Rostropovich (EMI Classics 56126) Aufführungsmaterial ist von Kalmus, Boca Raton zu beziehen. top of page ?Max Bruch (b. Cologne, 6 January 1838 - d. Berlin, 2 October 1920) Kol Nidrei for Cello and Orchestra Bruch was born into the musically rich culture of Cologne, Germany in 1838. His father was a government official and his mother an excellent singer, who gave her precocious son music lessons at an early age. By the time he was 14 Bruch had already composed more than 70 works. This included a symphony, which received a public performance in 1852. Bruch enjoyed a long and distinguished career as a composer, conductor and teacher, holding prestigious musical posts in Cologne, Koblenz, Sondershausen, Breslau, Liverpool and Berlin. From 1890 to 1910, he taught composition at the Berlin Hochschule für Musik were his students included Ottorino Respighi and Ralph Vaughan Williams. He was accorded many accolades during his lifetime including honorary doctorates from Cambridge University and the University of Breslau, the Prussian Order for Merit, and corresponding membership in the French Academy. His conservative musical language, in the German romantic tradition of Mendelssohn, Schumann and Brahms, placed him at odds with the new musical currents of his time. He wrote over 200 works including three operas and three symphonies. However today his reputation among the general musical public rests on only a handful of works that receive regular performances. At the pinnacle of his career, Bruch spent three seasons as conductor of the Royal Liverpool Philharmonic Society in England. During this time he completed two of his most often performed works on concert programs today. One is the Kol Nidrei, the other his Scottish Fantasy for violin and orchestra. Bruch was neither Scottish nor Jewish, but he meticulously studied folk melodies from many different cultures and used folk music as a source of melodic inspiration. In addition to utilizing Jewish and Scottish melodies, he also composed instrumental works using Swedish and Russian folk songs. He wrote to his publisher in 1884: "As a rule, a good folk tune is more valuable than 200 created works of art." Kol Nidrei, sub-titled by Bruch A...

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Moszkowski, Moritz: Maurische Fantasie, Ballettmusik aus der Oper Boabdil op. 49,

Moritz Moszkowski (geb. Breslau, 23. August 1854 - gest. Paris, 4. März 1925) Maurische Fantasie, Ballettmusik aus der Oper Boabdil op. 49 Vorwort Moritz Moszkowski kennt man heute wahrscheinlich vor allem als Schöpfer exquisiter Salonmusik für Klavier (z. B. En Automme op. 36/4, Etincelles op. 36/6, Caprice espagnole op. 37, La Jongleuse op. 52/4, Valse brillante As-Dur usw.), bekannt gemacht und gespielt von Virtuosen wie Josef Lhevinne, Josef Hofmann, Vladimir Horowitz, Sergej Rakhmaninov und Jorge Bolet, besonders in Zugaben. Obwohl er ein durchaus fähiger Komponist war, fehlen Moszkowskis größeren Werken jene Strenge der Originalität und Individualität, die diesen Werken einen ebenso sicheren Platz im Repertoire wie den Klavier-Miniaturen zuweisen würden. Ihr Charme ist sogar noch heute vernehmlich, während die größeren Werke buchstäblich aus dem Repertoire verschwunden sind. Als Kind entwickelte Moszkowski herausragendes Talent am Klavier und mit der Geige. Mit Elf trat er in das Dresdner Konservatorium ein, zog 1869 nach Berlin und studierte zuerst am Stern'schen Conservatorium bei Eduard Frank (Klavier) und Friedrich Kiel (Komposition), anschließend an Theodor Kullaks Neuer Akademie der Tonkunst bei Kullak selbst (Klavier) sowie Richard Würst (Komposition). Mit nur 17 Jahren wurde Moszkowski von Kullak bereits an die Akademie berufen; dort lehrte er von 1871 bis zu seinem Umzug nach Paris im Jahr 1897. Als vorzüglicher Pianist gewann er rasch an Reputation; er galt seit seinen Debuts in Berlin (1873) und London (1886) bald weithin als brillianter Virtuose und einfühlsamer Interpret des klassischen und romantischen Repertoires. Bis etwa 1900 unternahm Moszkowski Konzertreisen, als eine Nerven-Erkrankung seiner vielversprechenden Pianisten-Karriere ein vorzeitiges Ende bescherte. Anschließend konzentrierte er sich auf das Dirigieren, Komponieren und Unterrichten. Dem New Grove Dictionary of Music and Musicians zufolge (Zweite Auflage, Vol. 17, S. 188. Macmillan, London 2000) wurde er schon 1893 in die Berliner Akademie der Künste gewählt. (Andere Quellen nennen dafür als Datum erst 1899.) Zu dieser Zeit wurde er auch Ehrenmitglied der Philharmonic Society in England. Ab etwa 1910 wendete sich Moszkowskis Schicksal zum schlechteren: Auf der Höhe seines Ruhms um die Jahrhundertwende hatte er die Rechte an seinen Werken an seine Verleger verkauft und seine Erspar-nisse in deutsche, polnische und russische Anlagen investiert, die jedoch beim Ausbruch des ersten Weltkriegs wertlos wurden. Infolgedessen mußte Moszkowski den Rest seines Lebens in Armut verbringen. Außerdem ging zu dieser Zeit seine Ehe mit der französischen Komponisten Cecile Chaminade (1857-1944) in die Brüche; sie verließ ihn und nahm die gemeinsame Tochter mit. Die Popularität insbesondere von Moszkowskis Klaviermusik war auf den Salonbereich konzentriert, und das allmähliche Verschwinden der Salonmusik aus dem Geschmack des Fin de siecle führte unausweichlich auch zu einem nachlassenden Interesse an seiner Musik. All dies blieb nicht ohne Einfluß auf seine Gesundheit. In den frühen Zwanziger Jahren bekam Moszkowski Magenkrebs, an dem er 1924 starb. Moszkowskis drei Folgen Spanischer Tänze für Klavier vierhändig (op. 12, 21 & 65) mit ihren exotischen Zigeuner-Elementen wurden in besonderer Weise mit ihm in Verbindung gebracht und finden sich auch in seiner letzten, drei-aktigen Oper Boabdil, der letzte Maurenkönig op. 49 (1892), die in Spanien spielt. Sie folgt zwar den Zügen der Grand Opera nach Meyerbeer, kann jedoch die musikalisch-dramati-sche Spannung einer so ausführlichen Struktur nicht aufrecht erhalten. Boabdil wurde zwar am 21. April 1892 in Berlin uraufgeführt und später auch in Prag und New York gespielt, konnte sich aber nie auf der Bühne etablieren. Nur die Ballettmusik daraus, die Maurische Fantasie im spanischen Stil überlebte als unabhängiges Orchesterwerk. Ihre schlichte Struktur läßt sich wie folgt darstellen: Nach der kurzen Eingangsfanfare beginnt Abschnitt A mit einer wiederkehrenden Zweitakt-Figur in der Begleitung (Notenbeispiel, a), über der sich eine melancholische Melodie entfaltet (Thema a1 / T. 12-35), gefolgt von einer ähnlich traurigen Melodie (a2), nach der die Anfangsmelodie wiederkehrt und diesen Abschnitt beschließt. Im folgenden Mittelteil B (un poco agitato) übernimmt die Begleitfigur aus Abschnitt A nun die thematische Führungsrolle (Notenbeispiel, b), und zwei weitere thematische Ideen entstehen im Verlauf dieses Abschnitts, die mit einer Verlängerung der Domi-nante endet. In der Reprise wird das Thema a1 nur einmal gebracht; dem folgt eine ausführliche Kadenz, die die Tonika bekräftigt und die Musik zum Ende führt. Notenbeispiel Ungeachtet ihrer schlichten Struktur ist Moszkowskis Maurische Fantasie interessant aufgrund der brütenden Qualität der Musik, gefärbt mit einem ordentlichen Schuß exotischem, spanischen Kolorit. Das Werk dauert sieben bis acht Minuten. Die Oper erschien 1892 bei C. F. Peters (Nr. 2618). Es fanden sich folgende Druckfehler in der Maurischen Fantasie: T. 32/2.: Viol. 1 und Klar. stimmen rhythmisch nicht überein; Klar. ist korrekt. T. 84/2.: Viol. 1 und Klar. stimmen rhythmisch nicht überein; Viol. 1 ist korrekt. T. 115: In Ob. 2 fehlt ein #, anders als in T. 117- T. 120/1b & 2a: Viol. 1 muß wie in Viol. 2 e, d lauten, und nicht wie gedruckt d, cis. R. A. Dee, Ph. D., Hull, United Kingdom, Januar 2009 Aufführungsmaterial ist von Peters, Frankfurt zu beziehen. top of page Moritz Moszkowski (b. Breslau, 23 August 1854 - d. Paris, 4 March 1925) Maurische Fantasie Ballet Music from the Opera Boabdil, Op. 49 Preface Moritz Moszkowski is probably best known to audiences today as the composer of a considerable body of superior salon piano music (e.g. En Automme Op. 36/4, Etincelles Op. 36/6, Caprice espagnole Op. 37, La Jongleuse Op. 52/4, Valse brillante in A flat, etc) performed by virtuosi such as Josef Lhevinne, Josef Hofmann, Vladimir Horowitz, Sergei Rachmaninov, and Jorge Bolet, especially as encores. Although an able composer, in his large-scale works Moszkowski lacks the strong sense of individuality and originality that would allow these works to claim a permanent place in the repertoire as many of his piano miniatures have done. Even today, the charm of these latter works is still very much apparent while his larger-scaled works have virtually disappeared from the repertoire. As a child Moszkowski evinced outstanding talent and ability as both a pianist and a violinist and entered the Dresden Conser-vatory at age eleven, then moving to Berlin in 1869 to study initially at the Stern Conservatory with Eduard Frank (piano) and Friedrich Kiel (composition), and subsequently at Theodor Kullak's Neue Akademie der Tonkunst with Kullak (piano) and Richard Würst (composition). At age just 17 Kullak invited Moszkowski to join the teaching staff at the Akademie, and he taught there from 1871 until 1897 when he relocated in Paris. He was a fine pianist and acquired a reputation as a brilliant virtuoso and sympathetic interpreter of the Classical and Romantic repertory. Moszkowski made his Berlin debut in 1873 and in 1886 made his London debut as well. Until around 1900 Moszkowski toured extensively as both a pianist and a conductor until a nervous condition brought a premature end to a promising pianistic career. There-after he concentrated on conducting, composing and teaching. Moszkowski was elected a member of the Berlin Akademie der Künste in 1893. (New Grove Dictionary of Music and Musicians 2nd edition, Vol. 17, p. 188. London: Macmillan, 2000. Other sources, however, state that Moszkowski's election to the Berlin Academy of Arts occurred in 1899.) Around the same time, he was also made an honorary member of the Philharmonic Society in Britain. From about 1910 Moszkowski's fortunes went into decline. It appears that at the height of his fame in the early years of ...

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Skalkottas, Nikos: Violinkonzert (1938) Violin Concerto (1938)

S. 116, Nikos Skalkottas (geb. Chalkis auf Euböa, 21. März 1904 - gest. Athen, 20. September 1949) Violinkonzert (1938) I Molto appassionato p. 1 II Andante con spirito p. 45 III Allegro vivo vivacissimo - Prestissimo p. 75 Vorwort Nikolaos Skalkottas wuchs zunächst auf Euböa in musikbegeistertem Milieu heran. Die Familie zog nach Athen, und der Fünfjährige begann mit dem Geigenspiel. Bereits mit zehn Jahren studierte er am Athener Konservatorium, wo er 1920 mit Beethovens Violinkonzert bravourös abschloß. Ein Stipendium brachte ihn nach Berlin in die Meisterklasse von Willy Hess. Er erwarb sich einen Ruf als hervorragender Virtuose und hochsensibler Kammermusiker. 1923 entdeckte er recht plötzlich seine Leidenschaft fürs Komponieren und nahm Stunden bei Paul Juon und Robert Kahn. Bald wurde die vielversprechende geigerische Laufbahn in den Hintergrund gedrängt. Skalkottas' frühe Werke, darunter eine ambitionierte Sonate für Solovioline, entstanden im Umfeld von Ferruccio Busonis 'Neuer Klassizität', und Busonis nächststehender Schüler Philipp Jarnach wurde sein erster prägender Lehrer. Als Jarnach 1927 Berlin verließ, trat Skalkottas in die Klasse Arnold Schönbergs ein, der ihn bald hoch schätzte, und erhielt daneben zeitweise Unterricht von Kurt Weill. Er entwickelte schnell seine eigene Art der Reihentechnik, indem er seine Werke auf unterschiedlichen, einander kontrapunktierenden Zwölftonreihen aufbaute, die in harmonisch reizvolle Wechselwirkung treten und quasi-tonale Felder entstehen lassen. Hierin setzte er sich selbstbewußt von Schönberg ab. 1931 endete die Unterweisung bei Schönberg, und im Mai 1933 reiste Skalkottas überstürzt nach Griechenland zurück - mit leeren Händen: seine Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hatte, und sämtliche Manuskripte blieben in Berlin. Ungefähr 60 seiner ca. 170 Werke sind deshalb heute verschollen. In Griechenland begegnete man ihm mit Ressentiments und Verständnislosigkeit. Er verdiente sein Brot als Orchester-geiger, lebte zurückgezogen und sprach mit fast niemandem über sein Schaffen, das in der Isolation immer kühner und charakteristischer wurde. Zwischen 1935 und 1945 schuf er ein immenses OEuvre von zunehmender struktureller Komplexität und architektonischer Meisterschaft, das in Werken wie der ursprünglich als Opernvorspiel geplanten, vielgestaltig packenden Sinfonie "Die Heimkehr des Odysseus" (1942) und der unvollendeten Zweiten Orchestersuite gipfelt. Zu letzterer gehören das weitgespannte Largo sinfonico und die zackig herausfahrende Ouverture concertante (1944-45). Skalkottas erweist sich als fantasievoller, vertikale Balance und weitflächige Steigerungen überlegen disponierender Orchestrator, der 1940 eine "Technik der Orchestration" verfaßte, die bis heute Manuskript geblieben ist. Eine womöglich angestrebte Fusion des folkloristischen Idioms seiner Griechischen Tänze mit den freitonalen, neoklassizistischen und zwölftönigen Ausdrucksmitteln sollte Skalkottas nicht mehr erreichen. Er starb viel zu früh an den Folgen eines unbehandelten Bruchs. Solokonzerte bilden den Schwerpunkt seines Orchesterschaffens, und sein Violinkonzert kann sich - wie diejenigen der Schönberg-Schüler Egon Wellesz und Roberto Gerhard, und des großen norwegischen Dodekaphonisten Fartein Valen - als Nebengestirn der Konzerte von Alban Berg und Schönberg behaupten. Zur Uraufführung kam Skalkottas' einziges Violinkonzert mehr als 22 Jahre nach dem Tod des Komponisten am 14. Mai 1962 in Hamburg im Rahmen der Reihe "Das Neue Werk" durch Tibor Varga, begleitet vom Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks (NDR) unter Leitung von Michael Gielen. Wir danken der Skalkottas-Forscherin Judit Alsmeier für die Erlaubnis, aus ihrer Dissertationsschrift "Komponieren mit Tönen. Nikos Skalkottas und Schönbergs 'Komposition mit zwölf Tönen'" (Saarbrücken, 2001; ISBN 3-89727-124-9) die Auflistung der - mit einer Ausnahme reihentechnischen -Irrtümer in der gedruckten Partitur übernehmen zu dürfen, mit dem Hinweis der Autorin, daß ihre Liste keineswegs vollständig ist. Die genauen reihentechnischen Begründungen der Korrekturen haben wir in beigefügter Errata-Liste weggelassen; sie sind nachzulesen in der oben erwähnten Schrift. Christoph Schlüren Aufführungsmaterial ist vom Verlag Universal Edition, Wien (www.universaledition.com) zu beziehen. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Universal Edition AG, Wien, 2002. top of page Nikos Skalkottas (b. Halkis on Evia, 21 March 1904 - d. Athens, 20 September 1949) Violin Concerto (1938) I Molto appassionato p. 1 II Andante con spirito p. 45 III Allegro vivo vivacissimo - Prestissimo p. 75 Preface Nikolaos Skalkottas spent his earliest years on Euboea in a passionate musical environment. His family moved to Athens, where the five-year old began to play violin. At the tender age of ten he studied at the Athens Conservatorium, where he triumphantly completed his musical studies with Beethoven's Violin Concerto in 1920. A scholarship brought him to the masterclass of Willy Hess in Berlin, and he gained fame as an outstanding virtuoso and highly sensitive chamber musician. In 1923 he suddenly discovered his love for composition and took lessons with Paul Juon and Robert Kahn; his promising career as a violinist soon became subordinate to his new interests. Skalkottas' early works, including an ambitious Sonata for Solo Violin, emerged in the context of the "Neue Klassizität" ("New Classicism") of Ferrucio Busoni, whose closest pupil, Philipp Jarnach, became his first teacher of influence. When Jarnach left Berlin in 1927 Skalkottas entered the class of Arnold Schoenberg, who soon came to appreciate him highly. For a period he also took instruction from Kurt Weill. He quickly developed his own form of serial technique, one in which he constructed his works on various contrapuntal twelve tone series that demonstrate charming harmonic reciprocity and allow quasi-tonal fields to emerge. In this way he deliberately distanced himself from Schoenberg. By 1931 his lessons with Schoenberg had ended, and in May of 1933 Skalkottas hastily returned to Greece. His hands were empty: his partner and two children as well as all his manuscripts remained in Berlin. As a consequence, around 60 of his approximately 170 works are no longer extant. In Greece he was faced with resentment and ignorance. He earned a living as an orchestral violinist, led a lonely existence and spoke to almost no-one about the works that in his isolation became ever more bold and characteristic. Between 1935 and 1945 he composed an immense oeuvre of increasing structural complexity and architectonic mastery. His style found its highest expression in works such as the haunting symphony "The Return of Odysseus" (1942, originally planned as a prelude to an opera) and the unfinished Second Suite for Orchestra. To the latter belongs the sweeping Largo Sinfonico and the sharply punctuated Ouverture concertante (1944-45). Skalkottas proved his worth as an imaginative orchestrator with his masterful arrangement of vertical balance and expansive climaxes. In 1940 he wrote a Manual of Orchestration, which remains in manuscript form to this day. The potential fusion of the folkloric idioms of his Greek Dances with free tonality, neo-classic and dodecaphonic modes of expression was never to be realized, as Skalkottas died prematurely as the result of an untreated malady. Solo concertos constitute the heart of his orchestral corpus, and his Violin Concerto compares favorably with the ones of Berg and Schoenberg, just as do the violin concertos of Egon Wellesz and Roberto Gerhard (also of the Schoenberg school), or by the great Norwegian dodecaphonist Fartein Valen. Skalkottas' one and only Violin Concerto was first performed in Hamburg on 14 May 1962, more than 12 years after the composer's death, as a feature of the cycle "Das Neue Werk", with Tibor Varga as soloist, accompanied by the North German Radio (NDR) Symphony Orchestra under the baton of Michael Gielen. We are grateful to the Skalkottas scholar Judit Alsmeier for permission to quote the schedule of serial errors in the printed score, published in her doctoral thesis "Komposition mit Tönen. Nikos Skalkottas und Schönbergs 'Komposition mit zwölf Tönen'" (Saarbrücken, 2001; ISBN 3-89727-124-9), with the author's qualification that the list is incomplete. We have omitted the serial proofs of the errors; these are to be found in the above-mentioned publication. Translation: Hereward Tilton For performance materials please contact the publisher Universal Edition, Vienna (www.universaledition.com). Reprint in this form by kind permission of Universal Edition AG, Vienna.

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Skalkottas, Nikos: 5 Griechische Tänze für Streicher 5 Greek Dances for strings,

S. 20, Nikos Skalkottas (geb. Chalkis auf Euböa, 21. März 1904 - gest. Athen, 20. September 1949) 5 Griechische Tänze für Streicher (1931-36/arr. 1938-47) I Epirotikos. Moderato p. 1 II Kretikos. Allegretto moderato p. 4 III Tsamikos. Allegro moderato p. 7 IV Arkadikos. Moderato p. 10 V Kleftikos. Allegro vivo p. 14 Vorwort Nikolaos Skalkottas wuchs zunächst auf Euböa in musikbegeistertem Milieu heran. Die Familie zog nach Athen, und der Fünfjährige begann mit dem Geigenspiel. Bereits mit zehn Jahren studierte er am Athener Konservatorium, wo er 1920 mit Beethovens Violinkonzert bravourös abschloß. Ein Stipendium brachte ihn nach Berlin in die Meisterklasse von Willy Hess. Er erwarb sich einen Ruf als hervorragender Virtuose und hochsensibler Kammermusiker. 1923 entdeckte er recht plötzlich seine Leidenschaft fürs Komponieren und nahm Stunden bei Paul Juon und Robert Kahn. Bald wurde die vielversprechende geigerische Laufbahn in den Hintergrund gedrängt. Skalkottas' frühe Werke, darunter eine ambitionierte Sonate für Solovioline, entstanden im Umfeld von Ferruccio Busonis 'Neuer Klassizität', und Busonis nächststehender Schüler Philipp Jarnach wurde sein erster prägender Lehrer. Als Jarnach 1927 Berlin verließ, trat Skalkottas in die Klasse Arnold Schönbergs ein, der ihn bald hoch schätzte, und erhielt daneben zeitweise Unterricht von Kurt Weill. Er entwickelte schnell seine eigene Art der Reihentechnik, indem er seine Werke auf unterschiedlichen, einander kontrapunktierenden Zwölftonreihen aufbaute, die in harmonisch reizvolle Wechselwirkung treten und quasi-tonale Felder entstehen lassen. Hierin setzte er sich selbstbewußt von Schönberg ab. 1931 endete die Unterweisung bei Schönberg, und im Mai 1933 reiste Skalkottas überstürzt nach Griechenland zurück - mit leeren Händen: seine Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hatte, und sämtliche Manuskripte blieben in Berlin. Ungefähr 60 seiner ca. 170 Werke sind deshalb heute verschollen. In Griechenland begegnete man ihm mit Ressentiments und Verständnislosigkeit. Er verdiente sein Brot als Orchestergeiger, lebte zurückgezogen und sprach mit fast niemandem über sein Schaffen, das in der Isolation immer kühner und charakteristischer wurde. Zwischen 1935 und 1945 schuf er ein immenses OEuvre von zunehmender struktureller Komplexität und architektonischer Meisterschaft, das in Werken wie der ursprünglich als Opernvorspiel geplanten, vielgestaltig packenden Sinfonie "Die Heimkehr des Odysseus" (1942) und der unvollendeten Zweiten Orchestersuite gipfelt. Zu letzterer gehören das weitgespannte Largo sinfonico und die zackig herausfahrende Ouverture concertante (1944-45). Skalkottas erweist sich als fantasievoller, vertikale Balance und weitflächige Steigerungen überlegen disponierender Orchestrator, der 1940 eine "Technik der Orchestration" verfaßte, die bis heute Manuskript geblieben ist. Eine womöglich angestrebte Fusion des folkloristischen Idioms seiner Griechischen Tänze mit den freitonalen, neoklassizistischen und zwölftönigen Ausdrucksmitteln sollte Skalkottas nicht mehr erreichen. Er starb viel zu früh an den Folgen eines unbehandelten Bruchs. Zwischen 1931 und 1936 komponierte Skalkottas 36 Griechische Tänze in drei Folgen zu je zwölf Tänzen. Sie sind bis heute in ihrem zündenden Idiom, der unmittelbaren Kraft und Ursprünglichkeit seine populärsten Schöpfungen geblieben. Postum veröffentlichte die Universal Edition neben zwei Zyklen für Symphonie-orchester 1956 die hier vorliegende Auswahl von fünf Tänzen für Streichorchester. Diese waren am 1. Dezember 1953 in der Londoner Royal Albert Hall unter der Leitung von Walter Goehr zur Uraufführung gekommen. Wann genau Skalkottas die Arrangements für Streicher vorgenommen hat, ließ sich nicht ermitteln. Christoph Schlüren Aufführungsmaterial ist vom Verlag Universal Edition, Wien (www.universaledition.com) zu beziehen. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Universal Edition AG, Wien, 2002. top of page Nikos Skalkottas (b. Halkis on Evia, 21 March 1904 - d. Athens, 20 September 1949) 5 Greek Dances for Strings (1931-36/arr. 1938-47) I Epirotikos. Moderato p. 1 II Kretikos. Allegretto moderato p. 4 III Tsamikos. Allegro moderato p. 7 IV Arkadikos. Moderato p. 10 V Kleftikos. Allegro vivo p. 14 Preface Nikolaos Skalkottas spent his earliest years on Euboea in a passionate musical environment. His family moved to Athens, where the five-year old began to play violin. At the tender age of ten he studied at the Athens Conservatorium, where he triumphantly completed his musical studies with Beethoven's Violin Concerto in 1920. A scholarship brought him to the masterclass of Willy Hess in Berlin, and he gained fame as an outstanding virtuoso and highly sensitive chamber musician. In 1923 he suddenly discovered his love for composition and took lessons with Paul Juon and Robert Kahn; his promising career as a violinist soon became subordinate to his new interests. Skalkottas' early works, including an ambitious Sonata for Solo Violin, emerged in the context of the "Neue Klassizität" ("New Classicism") of Ferrucio Busoni, whose closest pupil, Philipp Jarnach, became his first teacher of influence. When Jarnach left Berlin in 1927 Skalkottas entered the class of Arnold Schoenberg, who soon came to appreciate him highly. For a period he also took instruction from Kurt Weill. He quickly developed his own form of serial technique, one in which he constructed his works on various contrapuntal twelve tone series that demonstrate charming harmonic reciprocity and allow quasi-tonal fields to emerge. In this way he deliberately distanced himself from Schoenberg. By 1931 his lessons with Schoenberg had ended, and in May of 1933 Skalkottas hastily returned to Greece. His hands were empty: his partner and two children as well as all his manuscripts remained in Berlin. As a consequence, around 60 of his approximately 170 works are no longer extant. In Greece he was faced with resentment and ignorance. He earned a living as an orchestral violinist, led a lonely existence and spoke to almost no-one about the works that in his isolation became ever more bold and characteristic. Between 1935 and 1945 he composed an immense oeuvre of increasing structural complexity and architectonic mastery. His style found its highest expression in works such as the haunting symphony "The Return of Odysseus" (1942, originally planned as a prelude to an opera) and the unfinished Second Suite for Orchestra. To the latter belongs the sweeping Largo Sinfonico and the sharply punctuated Ouverture concertante (1944-45). Skalkottas proved his worth as an imaginative orchestrator with his masterful arrangement of vertical balance and expansive climaxes. In 1940 he wrote a Manual of Orchestration, which remains in manuscript form to this day. The potential fusion of the folkloric idioms of his Greek Dances with free tonality, neo-classic and dodecaphonic modes of expression was never to be realized, as Skalkottas died prematurely as the result of an untreated malady. Skalkottas composed 36 Greek Dances in three sets of twelve dances between 1931 and 1936. With their fiery style, spontaneous vigour and originality, they are still his most popular works even today. In 1956 Universal Edition posthumously brought out this selection of five Dances for String Orchestra, as well as two Cycles for Symphony Orchestra. The five Dances for String Orchestra were first performed at the Albert Hall in London on 1 December 1953, conducted by Walter Goehr. The precise date when Skalkottas arranged the dances for strings is unknown. Translation: Hereward Tilton For performance materials please contact the publisher Universal Edition, Vienna (www.universaledition.com). Reprint in this form with kind permission of Universal Edition AG, Vienna.

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