Das Kraftfeld der Mythen

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Zirkel, Kirsten: Vom Militaristen zum Pazifisten. General Bertold von Deimling - eine politische Biographie. Frieden und Krieg, Bd. 9. 1. Aufl. Essen : Klartext, 2008. ISBN: 9783898618984
Sehr gutes Ex. - VORWORT der Herausgeber EINLEITUNG -- A LEBEN FÜR DEN KRIEG: BERTHOLD VON DEIMLING, 1853-1918 -- I VOM BADISCHEN BÜRGERSOHN ZUM PARADEWILHELMINER: LIBERALE JUGEND UND AUFSTIEG IM PREUSSISCHEN HEER, 1853-1904 -- II MILITÄRISCHE MERITEN, POLITISCHE MACHTPROBEN: SCHUTZTRUPPENKOMMANDO IN DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA, 1904-1907 -- 1 Karriere zwischen Genozid und Guerillakampf -- 2 Säbelrasseln im Reichstag, Geheimdiplomatie in Afrika - -- ein Kommandeur macht Politik -- III MILITARIST VON KAISERS GNADEN: -- ALS "GENERAL AN GEFÄHRDETER GRENZE", 1907-1914 -- 1 Machtspiele in Südbaden und im Elsass -- 2 Die Zabern-Affäre -- IV WESTFRONT-TRAUMA UND WEICHENSTELLUNG: -- DEIMLINGS WIRKEN IM WELTKRIEG, 1914-1917 -- 1 Hybris eines Korpskommandeurs: Schlüsselschlachten im Westen -- 2 Die Kaltstellung -- V VOM RITTER POUR LE MERITE ZUM FRIEDENSKÄMPFER: -- EIN GENERAL WECHSELT DIE FRONTEN -- 1 Die Inkubationsphase 1917/18 -- 2 Die Kehrtwende: Mythen und Motive -- 3 Deimlings Frontwechsel - ein Einzelfall? -- Pazifistische Offiziere nach dem Ersten Weltkrieg -- B LEBEN FÜR DEN FRIEDEN: BERTHOLD VON DEIMLING, 1919-1944 -- VI POLITISCHE LEHRJAHRE, 1919-1923 -- 1 Pazifist, Patriot, Pragmatiker: Deimlings neue politische Verortung -- 2 Öffentliche Agitation und Abrechnung mit den alten Eliten -- 3 Werbung für die Weltgemeinschaft VII "KRIEG DEM KRIEG;" -- MISSIONSARBEIT UND MASSENMOBILISIERUNG, 1924-1933 -- 1 Popularität als politisches Instrument: -- Propaganda im Dienste der Republik -- 2 Botschafter der Völkerverständigung -- 3 Vom Recht auf Verteidigung und der Pflicht zur Abrüstung: Deimlings Konzept eines "wehrhaften Pazifismus" -- 4 Zwischen allen Fronten: Deimling im politischen Kraftfeld der untergehenden Republik -- VIII AUF VERLORENEM POSTEN: -- DIE ZWEITE KALTSTELLUNG UNTER DEM NATIONALSOZIALISMUS -- LEBEN ALS KAMPF: BERTHOLD VON DEIMLING - EINE BILANZ ___ -- ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS -- QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS -- PERSONEN-, ORTS- UND SACHREGISTER -- PUBLIKATIONEN DES -- ARBEITSKREISES HISTORISCHE FRIEDENSFORSCHUNG. - General Berthold von Deimling (1853-1944) war eine der schillerndsten und polarisierendsten Persönlichkeiten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Er zählte zur kleinen Gruppe deutscher Offiziere, die den spektakulären Wandel vom Militaristen zum Pazifisten vollzogen. In Deutsch-Südwestafrika war Deimling 1904 am Genozid gegen die Herero beteiligt. Als Kommandierender General in Straßburg trug er 1913 maßgeblich zur Eskalation der Zabern-Affäre bei, die zum Symbol für die Vorherrschaft des Militärs gegenüber der Politik im Kaiserreich werden sollte. Nach seiner Hinwendung zum Pazifismus, die in dieser Studie erstmals umfassend analysiert wird, avancierte Deimling in den zwanziger Jahren zu einem der populärsten Aktivisten der deutschen Friedensbewegung. Die militärische und politische Biographie Deimlings mit ihren faszinierenden Widersprüchen wird von Kirsten Zirkel anschaulich und detailreich nachgezeichnet. Diese Lebensgeschichte ist ein wichtiger Beitrag zur Historischen Friedensforschung und zugleich ein exemplarisches Lehrstück über die Chancen und Belastungen deutscher Geschichte vor 1933. - "Darüber hinaus versteht sich die Studie als aktueller Beitrag zur Historischen Friedensforschung insofern, als sie deren neuere Tendenzen hin zu komplexeren Fragestellungen aufgreift und vorliegenden Untersuchungsgegenstand hierin einzubetten sucht. Die Ambivalenz der Person Deimling und seines "wehrhaften Pazifismus" hat es der Disziplin über lange Zeit schwer gemacht, den sperrigen General in der Geschichte der Friedensbewegung adäquat zu verorten. Dass dies inzwischen gelingt, ist auch dem erweiterten Blickwinkel und der zunehmenden Ausdifferenzierung des Pazifismusbegriffs innerhalb der Friedensforschung zu verdanken. Insbesondere zur gegenwärtigen Debatte um die so genannte "gewaltbewältigende Gewalt", die seit den Militäreinsätzen im Kosovo eine ganz neue Qualität gewonnen hat, liefert die Analyse des Deimlingschen Konzepts einen Baustein, der das Grundproblem der Friedenssicherung mit gewaltlosen Mitteln und mithin das historische Dilemma des Pazifismus an sich offenlegt. Was wiederum die biographische Ambivalenz Deimlings betrifft, so erweist sich ihre Betrachtung auch und gerade unter friedenshistorischen Gesichtspunkten als überaus lohnenswert. Den "Pazifismus zwischen den Weltkriegen zu beschreiben heißt auch, über den Militarismus zu schreiben", mahnte Dietrich Harth bereits 1985 an. So wie beide Phänomene strukturell zusammenhängen, ist auch in der biographischen Analyse eines "Friedensgenerals" das eine ohne das andere nicht denkbar. Wer den Pazifisten Deimling erklären will, muss zunächst den Militaristen Deimling erforschen. Ohnehin kann die Herausbildung einer wie auch immer gearteten pazifistischen Kultur in Deutschland nur anhand individueller Motivationen, Handlungen und Leistungen nachgezeichnet werden." (Einleitung) ISBN 9783898618984

272 S. Broschiert.

[SW: Deimling, Berthold von, Pazifismus, Friedensforschung]

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