Hahn

Es wurden insgesamt 30385 Einträge zu 'Hahn' gefunden (Stand: 08.05.2012).

Sehen Sie sich die aktuell angebotenen Bücher zu 'Hahn' an.

Wiener Kreis / The Vienna Circle (1933-1939 - Vertreibung und Emigration) Wiener Vorträge. Erster bis vierter Zyklus (alles Erschienene). 4 Bände. Leipzig und Wien (ab 4: Wien), Deuticke, 1933 - 1939.
Vollständig sehr selten. Publikationsreihe des "Wiener Kreises", die erstaunlicherweise (trotz der "Februar-1934-Ereignisse" und vor allem trotz "Anschluß" = 1938 noch bis 1939 in Wien erscheinen konnte. Danach fiel jedoch der Großteil der Auflage der Vernichtung durch die Nazis anheim. Seit der Ermordung (1936) des "Wiener-Kreis"-Begründers Moritz Schlick emigrierten nach und nach die Mitarbeiter, noch während des Erscheinens dieser Schriftenreihe. - Der "Wiener Kreis", eine Gruppe von rund drei Dutzend WissenschaftlerInnen aus den Bereichen der Philosophie, Logik, Mathematik, Natur- und Sozialwissenschaften im Wien der Zwischenkriegszeit, zählt unbestritten zu den bedeutendsten und einflußreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, speziell als Wegbereiter der (sprach)analytischen Philosophie und Wissenschaftstheorie. Mitglieder des "Wiener Kreises" waren u. a. Moritz Schlick, Otto Neurath, Rudolf Carnap, Hans Hahn, Karl Menger etc. Diese Gruppe von Philosophen und Wissenschaftstheoretikern traf sich ab 1922 unter der Leitung von Moritz Schlick wöchentlich in der Boltzmanngasse in Wien. An der Peripherie des Wiener Kreises pflegten Ludwig Wittgenstein, Karl R. Popper sowie Heinrich Gomperz Kontakte zum Wiener Kreis. Die Treffen endeten 1936, nachdem Schlick von seinem ehemaligen Studenten Hans Nelböck erschossen worden war. Viele Mitglieder des Kreises verließen Österreich während des illegalen Aufstiegs der Nationalsozialisten. Nach nur zweijähriger Haft wurde Nelböck 1938 von den Nazis freigelassen. Gemeinsames Ziel dieses aufklärerischen und pluralistischen Diskussionszirkels war eine Verwissenschaftlichung der Philosophie mit Hilfe der modernen Logik auf der Basis von Alltagserfahrung und einzelwissenschaftlicher Empirie. Vor dem Hintergrund dieser geistigen Erfolgsgeschichte ist das Schicksal des Wiener Kreises umso tragischer und bedauerlicher: großteils aus sogenannten "rassischen" und/oder politisch-weltanschaulichen, schließlich aus theoretischen Gründen begann die gewaltsame Vertreibung und Auflösung des Wiener Kreises - parallel zu seiner Internationalisierung - bereits seit Beginn der 1930er Jahre, speziell nach der Ausschaltung der Demokratie 1933/34 und vor allem nach dem "Anschluß" 1938. Während der Logische Empirismus nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem im angloamerikanischen und skandinavischen Raum eine breite Aufnahme erlebte und zur Herausbildung der modernen Wissenschaftstheorie bis hin zur Semiotik beitrug, war die philosophische und mathematische Landschaft in Deutschland und Österreich nach 1945 eher durch eine Verlängerung der durch Emigration und Exil geschaffenen Zäsur gekennzeichnet. - Mitarbeiter des vorliegenden Periodikums "Wiener Vorträge" war u. a. Hans Hahn, den Philip Frank in seinem Nachruf als den "eigentlichen Begründer" des Wiener Kreises bezeichnet. Denn schon vor dem ersten Weltkrieg hat Hahn mit Frank und Otto Neurath einem Diskussionszirkel angehört, der als Keimzelle des späteren Wiener Kreises angesehen werden kann. Der 1921 von Bonn nach Wien berufene Hahn hatte dann nach dem ersten Weltkrieg gegen erheblichen Widerstand die Berufung Moritz Schlicks ein Jahr später betrieben und auch als erster in einem Seminar die "Principia Mathematica" von Bertrand Russel und A. N. Whitehead sowie Ludwig Wittgenstein's "Tractatus" behandelt. In öffentlichen Vorträgen war Hahn als Verfechter der Ideen des Kreises aufgetreten. Sein Tod (1934) war insbesondere aber auch ein Verlust für den linken Flügel des Wiener Kreises und die Linke auf der Universität Wien insgesamt, denn in der Tat war Hahn "a socialist of deep conviction" (Karl Menger) gewesen, der "in several phases of the social-democratic movement" aktiv gewesen war. So war Hahn Obmann der "Vereinigung sozialistischer Hochschullehrer" in Wien gewesen und hatte sich schon sofort nach seiner Berufung durch Proteste gegen rassistische Diskriminierung von Studenten den Zorn nationaler Kreise zugezogen. Sein Name - er war nach seiner Abstammung Jude - erschien mehrfach auf Proskriptionslisten gegen jüdische und marxistische Professoren. Er musste sich Diffamierungen wegen der "Wühlereien der judäo-marxistischen Hochschullehrer" gefallen lassen. Weiterer Mitarbeiter der vorliegenden Publikationsreihe war Karl Menger. Er hatte als Schüler Hans Hahns Mathematik studiert und sich früh mit seinen Forschungen zur Dimensionstheorie einen Namen gemacht. Hahn vermittelte ihm einen Lehrstuhl für Geometrie in Wien (1927). Vom gleichen Jahr datiert auch seine Mitgliedschaft im Wiener Kreis. Karl Menger betrieb zusammen mit Hans Hahn und anderen Mitgliedern der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät eine öffentliche Vortragsreihe unter dem Titel "Krise und Neuaufbau in den exakten Wissenschaften" (= Titel des vorliegenden ersten Bandes). Diese Reihe wurde mit großem Interesse in Wiens "extraacademic intelligentsia" aufgenommen, die, "until Hitlers invasion brought it all to an abrupt end, ... was teeming with physicians and engineers, lawyers and public servants, businessmen and bankers, seriously interested in the ideas and the philosophy of Science", eine Umgebung, wie sie Menger nach seinen Worten "never found anywhere else". 1937 emigrierte Karl Menger in die USA, wurde Professor an der University of Notre Dame (Indiana) und ging 1946 bis zu seiner Emeritierung 1971 an das Illinois Institute of Technology in Chicago. Er kam so den Folgen des "Anschlusses" (März 1938) zuvor (H.-J. Dahms). - Unter den weiteren Mitarbeitern dieser Schriftenreihe befinden sich u. a. der berühmte (Atom-) Physiker Werner Heisenberg, der seit 1941 Professor und Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in Berlin (später Göttingen) war und 1933 den Nobelpreis für Physik erhielt. Weiter Hans Thirring, der auf theoretischem Wege, unabhängig von der praktischen Entwicklung in den USA, das Prinzip der Wasserstoffbombe entdeckte, was von deren Erfinder (Alfred Teller) bestätigt wurde. Thirring wurde dann (nach 1945) eine der führendsten Persönlichkeiten der österreichischen Friedensbewegung. - Wolfgang Stegmüller (1991): Im Rückblick kann man heute sagen, dass sich aus dem Ideengut des Wiener Kreises, teilweise ergänzt durch Gedanken ähnlicher Richtungen in anderen Ländern, nach der durch die Nazis erzwungenen Emigration eine der größten und international dominierenden Strömungen der Philosophie entwickelte, die strenge Forschung jenseits aller weltanschaulichen Differenzen betreibt. - Bandeinteilung (mit jeweils kurzem Autoren- bzw. Beitragsquerschnitt): 1. KRISE UND NEUAUFBAU IN DEN EXAKTEN WISSENSCHAFTEN. Fünf Wiener Vorträge, 1933: Herm. Mark, Die Erschütterung der klassischen Physik durch das Experiment. Hans Hahn. Karl Menger etc. - 2. ALTE PROBLEME - NEUE LÖSUNGEN IN DEN EXAKTEN WISSENSCHAFTEN. Fünf Wiener Vorträge. Zweiter Zyklus. 1934.: Karl Menger, Ist die Quadratur des Kreises lösbar? Hans Thirring, Kann man in den Weltraum fliegen? Herm. Mark, Kann man Elemente verwandeln und komplizierte Naturstoffe herstellen? Ferdinand Scheminzky, Kann Leben künstlich erzeugt werden? Hans Hahn, Gibt es Unendliches? - 3. NEUERE FORTSCHRITTE IN DEN EXAKTEN WISSENSCHAFTEN. Fünf Wiener Vorträge. Dritter Zyklus. 1936: Ernst Späth. Hans Thirring, Die physikalischen Entdeckungen der letzten Jahre. Herm. Mark. W(erner) Heisenberg, Prinzipielle Fragen der modernen Physik. Karl Menger etc. - 4. NEUE WEGE EXAKTER NATURERKENNTNIS. Fünf Wiener Vorträge. Vierter Zyklus. 1939: F. A. Paneth, Die chemische Erforschung der Stratosphäre. G. Wentzel, Probleme der Kraftwirkung im Atomkern. H. Thirring, Der gegenwärtige Stand unserer Kenntnisse von der kosmischen Strahlung. H. Mark, Kleine Ursachen - große Wirkungen im Fortschritt der Naturwissenschaften. P. Debye-J. Mayerhöfer, Der Vorstoß zum absoluten Nullpunkt. - Literatur: H.-J. Dahms, Vertreibung und Emigration des Wiener Kreises zwischen 1931 und 1940, in: H.-J. Dahms (Hrsg.), Philosophie, Wissenschaft, Aufklärung; Beiträge zur Geschichte und Wirkung des Wiener Kreises (1985) S. 307 ff. (hier, auf S. 341, mangels Vorlage eines kompletten Exemplars, nur der erste Band erwähnt). - K. Menger, Selected papers in logic and foundations, didactics, economics. Vienna, Circle Collections, vol. 10 (1979) p. 17. - Lediglich das erste Heft mit kleinem, kaum erwähnenswerten Stempel auf dem Umschlag. Schöne Exemplare. - Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne Fotos zu (JPG).

Mit Abbildungen, Skizzen und Diagrammen im Text. In den hellgrünen Orig.-Kartons mit schwarzer Typographie.

Details

Die Hahn'sche Gemeinschaft. Ihre Entstehung und seitherige Entwicklung. Mit einer Reihe von Lebensbildern; herausgegeben von der Hahn'schen Gemeinschaft; - Stuttgart, Hahnsche Buchhandlung 1951.
"Die Michael Hahn'sche Gemeinschaft ("Hahn'sche Brüder", "Michelianer") ist eine Versammlungsbewegung protestantischer Christen, die aus dem schwäbischen Pietismus heraus entstanden ist. Die Gemeinschaft geht zurück auf den Bauernsohn Johann Michael Hahn (1758 - 1819). Im Alter von 20 Jahren erlebte dieser seine erste Vision. Weitere folgten, von denen er in Versammlungen sprach. In die so genannten Erbauungsstunden, in denen Hahn die Bibel auslegte, strömten viele Menschen. Erst nach dem Tode Michael Hahn's gaben sie sich den Namen Michael Hahn'sche Gemeinschaft. Anfang des 19. Jahrhunderts wollten sich einige dieser Gemeinschaften sogar von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg trennen und ins Heilige Land auswandern, um das nahe Gottesreich zu erwarten. Hahn verhinderte jedoch sowohl eine Massenauswanderung, als auch eine Trennung der Gemeinschaft von der Landeskirche" (Wikiepdia). - Einband am Rücken etwas berieben. Papier leicht gedunkelt. Buchblock etwas gelockert. Sonst guter Zustand. -

2. Band, 2. erweiterte Auflage, IV, 591 Seiten, 8° (19,5 x 13 cm), goldgeprägter Orig.-Leineneinband.

[SW: Die Hahn'sche Gemeinschaft. Ihre Entstehung und seitherige Entwicklung. Mit einer Reihe von Lebensbildern; herausgegeben von der Hahn'schen Gemeinschaft; Theologie, Varia]

Details

Stolberg-Stolberg, Friedrich Leopold Gf. zu,
Friedrich Leopold Gf. zu Stolberg-Stolberg (1750-1819), Schriftsteller und Übersetzer. E. Brief mit U., Meinberg, 6. Juli 1779, 4 Seiten 4°. Doppelblatt. An Friedrich von Hahn (172-1805), Gutsbesitzer und Astronom auf Gut Neuhaus in Ostholstein: "[ ] Ihre Gemahlin [Wilhelmine Christine v. H.; 1744-1801] sagte eine der Ursachen welche Sie abhielten nach Kopenhagen zu kommen, ja die Hauptursache, wäre die Furcht daß man suchen würde Sie zu nöthigen in würkliche Dienste des Königs zu treten. Ich kann Ihnen mit Gewisheit sagen daß Sie das nun nicht zu fürchten haben [ ] Der Graf Bernstorff [dän. Minister u. Direktor der deutschen Kanzlei] wird der einzige sein welcher wünschen wird Sie in Diensten zu sehen, aber ich stehe Ihnen dafür daß er, Ihren Wunsch frey zu bleiben wissend, Ihnen keinen Antrag thun wird. Der Hof ist lange gewohnt Leuten welche Ihre moralischen Antipoden sind seine Dienste anzutragen, fürchten Sie nichts! [ ] Sie werden einige Menschen in Kopenhagen finden die Ihnen gefallen, die Frau von Hahn einige Damens welche das Glück Ihre Freundinnen zu werden verdienen. Sie werden als Philosoph Anmerkungen über die Menschheit machen, u. über die Stufe auf welcher sie in Dänemark steht. Sie werden die physische Natur des Landes Wunderschön finden. Ich bin hier mit meiner Schwiegrin u. zwey Schwestern [Luise, Katharina und Auguste]. Die eine u. meine Schwiegrin hoffen schon Ihre Frau Gemahlin, deren Güte u. Freundschaft uns für die Conservation mit den übrigen Brunnengästen schadlos hält, künftigen Winter in Kopenhagen zu sehen. Mein Bruder [Christian] wünscht sehr das Glück Ihrer Bekanntschaft, u. Sie wissen, hoffe ich, wie viel Ihr Umgang zum Glück meines Lebens beytragen würde. [ ]" - Friedrich von Hahn (1802 Erhebung in den erbl. Grafenstand) besaß riesige Güter in Holstein, Mecklenburg und in der Wetterau; er zählte zu den wohlhabendsten Adligen Norddeutschlands. Große Teile seines Vermögens verwandte er für Verbesserungen des Bildungswesens auf seinen Gütern und gründete wohltätige Stiftungen. Sein Interesse für Naturwissenschaften galt vorwiegend der Astronomie und Mathematik. In den siebziger Jahren stand er dem Hainbund nahe, lernte Herder kennen und führte mit ihm viele Jahre einen Briefwechsel. Er besaß eine eigene Sternwarte, ein physikalisches Laboratorium und eine riesige von Stolberg gerühmte Bibliothek aller Fachrichtungen. Auf seine Unabhängigkeit als Gelehrter und Landwirt war Friedrich von Hahn stets bedacht. - Gedruckt in Briefe, hrsg. von J. Behrens, Nr. 111.

Friedrich Leopold Gf. zu Stolberg-Stolberg (1750-1819), Schriftsteller und Übersetzer. E. Brief mit U., Meinberg, 6. Juli 1779, 4 Seiten 4°. Doppelblatt. An Friedrich von Hahn (172-1805), Gutsbesitzer und Astronom auf Gut Neuhaus in Ostholstein: "[ ] Ihre Gemahlin [Wilhelmine Christine v. H.; 1744-1801] sagte eine der Ursachen welche Sie abhielten nach Kopenhagen zu kommen, ja die Hauptursache, wäre die Furcht daß man suchen würde Sie zu nöthigen in würkliche Dienste des Königs zu treten. Ich kann Ihnen mit Gewisheit sagen daß Sie das nun nicht zu fürchten haben [ ] Der Graf Bernstorff [dän. Minister u. Direktor der deutschen Kanzlei] wird der einzige sein welcher wünschen wird Sie in Diensten zu sehen, aber ich stehe Ihnen dafür daß er, Ihren Wunsch frey zu bleiben wissend, Ihnen keinen Antrag thun wird. Der Hof ist lange gewohnt Leuten welche Ihre moralischen Antipoden sind seine Dienste anzutragen, fürchten Sie nichts! [ ] Sie werden einige Menschen in Kopenhagen finden die Ihnen gefallen, die Frau von Hahn einige Damens welche das Glück Ihre Freundinnen zu werden verdienen. Sie werden als Philosoph Anmerkungen über die Menschheit machen, u. über die Stufe auf welcher sie in Dänemark steht. Sie werden die physische Natur des Landes Wunderschön finden. Ich bin hier mit meiner Schwiegrin u. zwey Schwestern [Luise, Katharina und Auguste]. Die eine u. meine Schwiegrin hoffen schon Ihre Frau Gemahlin, deren Güte u. Freundschaft uns für die Conservation mit den übrigen Brunnengästen schadlos hält, künftigen Winter in Kopenhagen zu sehen. Mein Bruder [Christian] wünscht sehr das Glück Ihrer Bekanntschaft, u. Sie wissen, hoffe ich, wie viel Ihr Umgang zum Glück meines Lebens beytragen würde. [ ]" - Friedrich von Hahn (1802 Erhebung in den erbl. Grafenstand) besaß riesige Güter in Holstein, Mecklenburg und in der Wetterau; er zählte zu den wohlhabendsten Adligen Norddeutschlands. Große Teile seines Vermögens verwandte er für Verbesserungen des Bildungswesens auf seinen Gütern und gründete wohltätige Stiftungen. Sein Interesse für Naturwissenschaften galt vorwiegend der Astronomie und Mathematik. In den siebziger Jahren stand er dem Hainbund nahe, lernte Herder kennen und führte mit ihm viele Jahre einen Briefwechsel. Er besaß eine eigene Sternwarte, ein physikalisches Laboratorium und eine riesige von Stolberg gerühmte Bibliothek aller Fachrichtungen. Auf seine Unabhängigkeit als Gelehrter und Landwirt war Friedrich von Hahn stets bedacht. - Gedruckt in Briefe, hrsg. von J. Behrens, Nr. 111.

[SW: Autograph, Manuskript, Dokument, Autographen. Abbildungen finden Sie auf unserer Webseite www.autographenhandlung.de]

Details

Gräfin Hahn-Hahn, Ida (d.i.Ida Marie Louise Sophie Friederike Gustava Gräfin von Hahn): Die Erzählung des Hofraths. Zweiter Band. Verlag von Franz Kirchheim Keine Angabe 1872 Mainz
367S. Klein 8°

Halbleinen Weinroter, fadengehefteter, goldgeprägter Halbleinenband mit Leinenecken und Hartkartondeckel (sog."Lederdeckel"). Der Einband und die Kanten berieben, der Leinenrücken beidseits des Gelenks mit Einriss, Papier und Schnitte altersgemäß nachgedunkelt, Schnitte fleckig, einige Seiten leicht fleckig, einzelne Seiten mit kleinem Randeinriss, ansonten in Anbetracht des Alters noch gute Erhaltung. Gesetzt in Fraktur. Ida Hahn-Hahn, eigentlich Ida Marie Louise Sophie Friederike Gustava Gräfin von Hahn, mitunter fälschlich: von Hahn-Hahn (* 22. Juni 1805 in Tressow; 12. Januar 1880 in Mainz) war eine deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Ordensgründerin. Sie entstammt dem uradeligen Geschlecht der Hahn. Sie selbst benutzte mit Vorliebe den Doppelnamen "Gräfin Hahn-Hahn". Ida von Hahn wurde als Tochter des "Theatergrafen" Karl (Friedrich) Graf von Hahn(-Neuhaus) (1782-1857) und seiner Ehefrau Sophie, geb. von Behr, im Herrenhaus von Tressow, heute ein Ortsteil von Schwinkendorf, in der Mecklenburgischen Schweiz geboren. Sie war die Enkelin des Philosophen und Astronomen Friedrich von Hahn. Nach der Scheidung der Eltern (1809) zog sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern nach Rostock, Neubrandenburg und Greifswald, wo sie in dürftigen Verhältnissen lebten. Im Juli 1826 wurde sie von der Familie aus dynastischen Gründen mit ihrem Vetter, dem später als Pferdezüchter und Rennstallbesitzer bekannt gewordenen Friedrich (Wilhelm Adolph) Graf von Hahn (1804-1859) auf Schloss Basedow, verheiratet und kam so zu ihrem Doppelnamen. Die Ehe wurde bereits am 5. Februar 1829, einen Monat vor der Geburt ihrer geistig behinderten Tochter Antonie (1829-1856), geschieden. Die immer wieder behauptete Existenz eines Sohnes mit ihrem Lebens- und Reisegefährten Adolf Freiherr von Bystram (1792-1849), der 1830 geboren und ebenso wie die Tochter aus ihrer Ehe in Pflege gegeben worden sei, lässt sich nicht nachweisen; weder in den mehr als 1000 Briefen von ihr und an sie, noch sonstwo. In ihrem Buch Jenseits der Berge (Leipzig 1840, 2. Teil) erwähnt sie vielmehr "mein einziges Kind" (S. 320) und bekennt erleichtert: "Wol mir, daß ich keinen Sohn habe!" (S. 187). 1836 hatte Ida Hahn-Hahn eine kurze Liaison mit dem späteren Reichsregenten Heinrich Simon. Nach der Scheidung führte sie ein unstetes Wanderleben zwischen Berlin, Dresden, Greifswald, Wien und Gut Neuhaus (Giekau). Mit Bystram unternahm sie weite Reisen, die sie nach Frankreich, Italien und in den Orient führten. Nach Bystrams Tod Ende Mai 1849 konvertierte Ida Hahn-Hahn zum Katholizismus. Enttäuscht und vereinsamt verließ sie Dresden und begann am 1. Januar 1850 von Berlin aus eine intensive Korrespondenz über Glaubensfragen mit dem Fürstbischof von Breslau Melchior von Diepenbrock. Dieser führte sie mit dem Propst von St. Hedwig in Berlin, Wilhelm Emmanuel von Ketteler, zusammen. Der Übertritt zur katholischen Kirche erfolgte am 26. März 1850. Vor Ketteler, der wenig später zum Bischof von Mainz berufen wurde, legte sie in St. Hedwig das Glaubensbekenntnis ab und empfing am 28. März die erste Heilige Kommunion. Im September 1850 folgte sie Ketteler nach Mainz und empfing dort am 10. Juni 1851 das Sakrament der Firmung. Vom 6. November 1852 bis Ende Februar 1853 hielt sie sich in Angers/Frankreich im Convent du Bon-Pasteur auf. Im Dezember 1853 eröffnete sie in Mombach mit Unterstützung von Ketteler das Kloster Vom Guten Hirten, in dem sie bis zum Tode wohnte, ohne dem Orden anzugehören und zur Klausur verpflichtet zu sein. Ihr Grab befindet sich auf dem Mainzer Hauptfriedhof, Feld 14, Reihe 17. Ida Gräfin Hahn-Hahn galt als eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit. Sie erfuhr Anerkennung von Literaten wie Eichendorff und Fontane, aber auch Ablehnung: Ihre manierierte und mit Fremdwörtern gespickte Erzählweise wurde persifliert - so vor allem in dem Roman Diogena ihrer Konkurrentin Fanny Lewald - und ihre elitäre aristokratische Haltung kritisiert. Heute wird sie gern an zeitgeistigen Standards gemessen. Äußerungen über Türken und Araber, ebenso wie ein mehrmals sich manifestierender offener Rassismus, wie er beispielsweise in ihren Schilderungen von Negersklavinnen in den Orientalischen Briefen erkennbar wird, machen ihre Reiseberichte über den Orient aus heutiger Sicht zu einem fragwürdigen Lesevergnügen. Andererseits steht diesen Ansichten jedoch eine immer wieder betonte und angemahnte religiöse Toleranz in Bezug auf "Mohammedaner" und Juden gegenüber, und es macht sich zumindest der prinzipielle Wille der Autorin bemerkbar, auf die als fremd empfundenen Sitten und Gebräuche des Orients einzugehen. Die Werke Ida Hahn-Hahns wurden seit 1844 in acht fremde Sprachen übersetzt: ins Englische, Französische, Italienische, Niederländische, Polnische, Russische, Schwedische und Ungarische. Insgesamt sind bisher 24 Übersetzer nachgewiesen.

[SW: Deutsche Literatur | Roman | Raritäten]

Details