Joyce James Dubliner
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Joyce, James: Dublin. Novellen. Deutsch von Georg Goyert. (=Fischer Bücherei Band 40) Fischer Bücherei Erste Aufl. 1953 Frankfurt am Main, Hamburg
239S. 8°
Taschenbuch Folienkaschiertes, illustriertes Taschenbuch. Umschlagbild von Will Sohl. Der untere und obere Rückenrand mit Einriss an der Falz, Einband leicht knickig und, sowie das Papier, allg. nachgedunkelt, ansonsten noch gute Erhaltung Dubliner (Originaltitel: Dubliners) ist ein Zyklus von 15 Kurzgeschichten des irischen Schriftstellers James Joyce. Dieses erste Prosawerk des später für seinen Ulysses berühmt gewordenen Autors entstand zwischen 1904 und 1907, erschien aber erst 1914 erstmals bei Grant Richards in Buchform. Joyce behauptete, vierzig Verleger hätten das Buch zuvor abgelehnt. Joyce hatte 1904 in Paris begonnen, dieses Buch zu schreiben. Gerade eben hatte er Dublin verlassen und plante, in Paris Medizin zu studieren, als der Tod seiner Mutter ihn wieder nach Dublin zurückrief. In einer landwirtschaftlichen Zeitung veröffentlichte Joyce drei der Kurzgeschichten, die später in die Dubliner aufgenommen werden sollten. Daraufhin bot ihm die später von George (A. E.) Russell geleitete Zeitschrift "Irish Homestead" an, für ein Honorar von einem Pfund eine Geschichte von 1800 Wörtern zu verfassen. Es erschienen daraufhin die jeweils erste Version von "Die Schwestern", "Eveline" und "Nach dem Rennen". Nach heftigen Protesten der Leser (die eine leichter lesbare, unterhaltsame Geschichte erwartet hatten) wurde schon die vierte Erzählung abgelehnt. 1907 beendete Joyce den Zyklus in Triest. Die Erzählungen spielen alle in Dublin, der Geburtsstadt des Autors, mit der ihn Zeit seines Lebens eine Hassliebe verband. In ihnen wird die Welt des kleinen bis mittleren Bürgertums geschildert - eine autobiographische Komponente. In einer lockeren chronologischen Ordnung - von den Erlebnissen eines Kindes bis zu denen älterer Menschen - geht es in der Mehrzahl der Erzählungen um das Motiv des vergeblichen Aufbruchs, um das Steckenbleiben von Veränderungen. Wie meistens bei Joyce, sind die Texte arm an äußerer Handlung. Es geht dem Autor um eine differenzierte psychologische Darstellung der Charaktere, um ihre Innensicht. Entsprechend arbeitet er größtenteils mit dem Stilmittel der erlebten Rede (ein Vorläufer des inneren Monologs), wobei er - dies wiederum eine spezifisch Joycesche Ausformung - die (Erzähl-)Sprache den Figuren anpasst. Der Text weist eine Vielzahl von poetischen Figuren auf: Joyce experimentiert mit Wort- und Kontext-Ellipsen sowie mit Motiv-Texturen (ein Motiv durchzieht in verschiedenen Variationen den gesamten Text), er entwickelt die Einleitungsform der stufenförmigen Hinführung, erprobt Pointen und schärft seine Epiphanien. Von Joyce selbst wurden die Dubliner als "Karikaturen" und als von einer "mit Bosheit gelenkten Feder" geschrieben bezeichnet (Ellmann, James Joyce) bzw. als "Bloßstellung der Seele jener Paralyse, die viele für eine Stadt halten." Anthony Burgess, der über Joyce mit Joyce für Jedermann gearbeitet hat, gab dem Kapitel über dieses Buch den Namen "Eine paralysierte Stadt": "Doch wenn wir uns in Joyces Bücher stürzen, so stürzen wir in eine Art Dublin. Der Hügel von Howth steht für den Mann, der Fluß Liffey für die Frau, und am Ende ist die Stadt eine metaphysische, geeignet für die Ausbreitung der menschlichen Geschichte schlechthin. Doch bevor wir zu diesem Stadium der Vollendung vordringen, müssen wir Dublin erst als Paradigma aller modernen Städte betrachten, als Bühne für die Darstellung der Paralyse, als besudeltes Nest eines Dichters." - Anthony Burgess: Joyce für Jedermann, S. 35 Die Reihenfolge der Geschichten wird von der Literaturkritik auf unterschiedliche Weise interpretiert: Die einen sehen in ihnen chronologisch-autobiografische Züge realisiert, andere suchen hinter der Verlagerung ihrer topografischen Bezugspunkte einen tieferen Sinn der Auseinandersetzung des Autors mit seiner Heimatstadt. Eine Beziehung zu Joyces später geschriebenem Roman Ulysses besteht auf zweifache Weise. Die Schilderung des Tagesablaufes eines Anzeigenakquisiteurs namens Leopold Bloom sollte ursprünglich nur eine der Erzählungen dieses Buches werden, bevor Joyce sich entschied, sie zu einem Roman auszubauen. Im "Irrfelsen"-Kapitel des Ulysses greift Joyce strukturell auf seinen Erzählungsband zurück, indem er darin in 19 kurzen Abschnitten Episoden aus dem Leben einiger Dubliner schildert. Dubliner kann deshalb als "Einführung" in die Welt gelten, in der später Ulysses spielt.
[SW: Englische/ Irische Literatur | Novellen | James Joyce]
Joyce, James: Dubliner. Mit einem Nachwort von Wolfgang Hilbig. | Mit Illustrationen von Erwin Pfrang, Büchergilde Gutenberg (Lizenz des Philip Reclam Verlags, Leipzig) Erste Auflage 1994 Frankfurt am Main und Wien ISBN: 376324333x
206S. Groß 8°
Leinen In einer ersten las man im Juni 1914 im Manchester Guardian: "Eine Vielzahl kleiner Sünden verbirgt sich in diesen Skizzen des Dubliner Lebens. Durch James Joyce' Texte zieht langsam eine Prozession deprimierter Gestalten, kleine Angestellte, Saufbrüder, Dienstmädchen, Pensionswirtinnen, die alle ihre Fröhlichkeit durch die Sünde oder den Gedanken an die Sünde bewahren. In der ersten Skizze ist ein Priester übergeschnappt, weil er einmal einen Abendmahlskelch fallen ließ . . . Dann liebt ein Bankkassierer eine verheiratete Frau, unterdrückt seine Liebe und läßt es zu, daß die Frau dem Trunk verfällt. Ein verkommener Schmarotzer schwatzt einem Dienstmädchen zehn Schilling ab. Ein Angestellter wird dazu gebracht, die Tochter seiner Wirtin zu heiraten. Das sind die Geschichten des Mr. Joyce, aber sie sind mit echter Kunstfertigkeit geschrieben, die weder beschönigt noch verdammt, die nicht einmal moralisch abwägt. Diese Dinge sind so." Über den Autor James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest. Er schrieb Kurzgeschichten und überarbeitete seinen ersten Roman Stephen Hero, der später als A Portrait of the Artist as a Young Man (Porträt des Künstlers als junger Mann) veröffentlicht wurde. 1914 erschien Joyces erste Kurzgeschichtensammlung Dubliners. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift "The Little Review" abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung "Shakespeare and Company". 1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan's Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich. Fadengehefteter, geprägter Ganzleinenband mit illustriertem Schutzumschlag, dieser feinsäuberlich in nichtgilbende, transparente und selbstklebende Buchbindefolie eingeschlagen. Der Umschlag (unter der Folie) leicht angerändert und fleckig, Ex-Libris auf Innendeckel, ansonsten sehr guter Zustand.
[SW: Büchergilde Gutenberg | Illustrierte Literatur]
Rademacher, Jörg W. (Hg.): Was nun, Herr Bloom? "Ulysses" zum 75. Geburtstag , ein Almanach. Münster : Daedalus, 1996. ISBN: 389126075X
Ein gutes und sauberes Exemplar. - Jörg Rademacher: Stationen einer Lebensreise -- Blick in die Zukunft: James Joyce an Henrik Ibsen -- Ermutigung: Italo Svevo an James Joyce -- Wolfgang Hartmann: Begegnung mit James Joyce -- Korrespondenzen: Gerhart Hauptmann & James Joyce -- Samuel Beckett: Letzte Erinnerungsfetzen -- Stephen Spender: James Joyce 1882-1941. Ein Nachruf -- Marie Luise Kaschnitz: Rom, Via Treviso -- Jörg Rademacher: Triest - Zürich - Paris. 1915 (1914) - 1922 (1921). Fragmentarisches Tagebuch eines Romans -- Joyce auf deutsch, in deutscher Sprache gelesen -- Ouvertüre Gedanken über Stefan Heyms 5 Tage im Juni -- Heinrich Böll: Irisches Tagebuch - Ankunft I -- Erstes Zwischenspiel Innehalten am "Meilenstein" -- Arno Schmidt: Ulysses in Deutschland. Zum 75. Geburtstage von James Joyce -- Überlegungungen zu Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz -- Hermann Broch: James Joyce und die Gegenwart. Versuch einer Würdigung -- Über Siegfried Lenz: Die Auflehnung in Anlehnung an Dubliner und Ulysses gelesen -- Desmond Egan: Echos Gebein Siegfried Kessemeier: dublin -- Iwan Goll & Kurt Tucholsky: Fiktives Streitgespräch -- Wolfgang Hilbig: Nachwort zur Dubliner-Ausgabe von 1994 -- Variationen über Reinhard Jirgls Abschied von den Feinden -- Fritz Senn: Die erlesene Stadt -- Finale furioso Aidan Mathews: Blühende Körper - Bodies in Bloom -- David Pierce: Lektüre des Ulysses nach dem Fall der Berliner Mauer -- Wolfgang Wicht: Erinnerungen an Irlands Größe in Ulysses -- Wolfhard Steppe: Incorrigible (Fehlerhaftes und Unverbesserliches im Ulysses) -- Hans Walter Gabler: Joycesche Verfahren narrativer Umschrift: Bemerkungen zu "Proteus", "Circe" und "Penelope" -- Georg Mersmann: Satanischer Sex: Stephen Dedalus -im Banne der Mutter; Leopold Bloom - beseelt von Onans Geist; Molly Bloom - vom Teufel geritten -- Friedhelm Rathjen: Ja und Nein -- Danis Rose: Das letzte Wort der Molly Bloom. ISBN 389126075X - , ISBN-13: 9783891260753
327 S. Broschiert.
[SW: Joyce, James / Ulysses]
Joyce, James - Stanislaus Joyce. Meines Bruders Hüter. Mit einem Vorwort von T(homas) S(tearns) Eliot und einer Einführung von Richard Ellmann. Deutsch von Arno Schmidt. Frankfurt a.M., Suhrkamp 1960.
Erste deutsche Ausgabe. WG 23 (Schmidt). Müther 1.5.10.1 (Schmidt). Stanislaus Joyce war der Bruder von James Joyce und Literaturprofessor in Irland. Er schrieb diese Autobiographie, die die Dubliner Jugendjahre der Brüder schildert, und das "Dubliner Tagebuch" - beide geben Aufschlüsse über die künstlerische und menschliche Entwicklung seines Bruders.
8°. 347(1) S., 1 Bl. Oln. Sehr gutes Exemplar.



