Kolbe
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Stammbuch. - Tempel der Freundschaft. Errichtet von Carl Christian Kolbe. Halberstadt den 1sten September 1786. Halberstadt, Clausthal, Eisleben, Halle, Wettin u. a., 1786-1796 und 1836. Quer-8°. Farbiges kalligraphisch gestaltetes Titelblatt (Gezeichnet von Hirsemeier), 193 pag. S. mit 188 Eintragungen, 6 Bl. Reg. (incl. Vorsatz). Mit 5 Scherenschnitten, 5 Silhouetten, 3 Stickereien, 5 (davon 2 blattgroß u. 1 aufklappbar) Aquarellen und 1 Bleistiftzeichnung. Lederband d. Zt. mit verblaßter Rücken- und Deckelvergoldung, Rückenschild, Goldschnitt und roten Kleisterpapiervorsätzen und -spiegeln.
Der aus Halberstadt stammende Carl Christian Wilhelm Kolbe (geb. am 17. 5. 1770) begann 1790 sein Studium in Halle/Saale. Schon im nächsten Jahr starb sein Vater, der Kaufmann Johann Gottfried Kolbe. Die Begräbnisrede des Sohnes wurde 1791 in Halberstadt gedruckt. Der junge Kolbe war um 1794 Kandidat der Kameral- und Bergwissenschaft, bekam einen Posten als Markscheider in Wettin/Saale und arbeitete anschließend als Obereinfahrer und Assessor des dortigen Kgl. preuß. Bergamtes. 1794/96 erschienen seine "Vermischte(n) Abhandlungen, besonders bergmännischen und physikalischen Inhalts". Aber Kolbe war auch Mitglied der literarischen Gesellschaft zu Halberstadt und veröffentlichte schon in jungen Jahren "Vermischte Gedichte" (1792) und später ein "Neues Berg-Reien-Buch oder Sammlung neuer bergmännischer Lieder fröhlichen und ernsthaften Inhalts" (1802; 2. Aufl in 2 Bänden 1830-31). Auch erschien von ihm das "Tafellied am Wettiner Knappschafts-Feste" (Halle 1833). Sein Stammbuch enthält Eintragungen von Freunden, Kommilitonen und Verwandten, darunter einigen Freundinnen. Neben Lehrern, Theologen, Kameralisten und Medizinern sind viele bergmännische Berufe vertreten, darunter Bergchirurg, Bergfaktor, Berggeschworener, Bergsekretär, Hüttenmeister, Ober-Bergrevisor etc. Von historischem Interesse sind die vielen biographischen Ergänzungen, die Kolbe bis ins Jahr 1840 eintrug. So schrieb er zu der Eintragung seines Freundes Friedrich Schmaling: "Ging Michaeli 1786 nach Leipzig und widmete sich der Handlung. Wurde im Jahr 1826 von dem Präsidenten Rivadavia zu einem der Direktoren der Nationalbank in Buennos Ayres in Südamerika ernannt". Aus der Reihe namhafter Beiträger seien folgende genannt: Wilhelm Gottlieb Bastian (1756-1835), Theologe und Pädagoge; Karl Wilhelm Boebert (geb. 1768), Bergmeister und Direktor eines Silberbergwerks; der Privatgelehrte Johann David Büchling (1762-1811); Johann Jakob Büchting (1729-99), Forstkommissar u. Bergamtsassessor in Harzgerode; Johann Adolph Leopold Faselius (1762-1811), Stadtkirchner in Jena; Johann Christian Gädecke (1763-1837), Buchhändler und Publizist; Johann Just Christian Gran (1758-1824), Konsistorialrat u. Oberdomprediger in Halberstadt; der Mediziner u. Chemiker Friedrich Albrecht Carl Gren (1760-98), der 1790 den Begriff "Pharmakologie" einführte; Georg Simon Klügel (1739-1812), Mathematiker u. Physiker; Johann Gottlob Lucas ( 1835), Arzt in Wettin; Friedrich Meinert (1757-1828), Prof. der Philosophie in Halle u. Lehrer der Fortifikation an der Ingenieur-Akademie in Potsdam; Johann Carl Christoph Nachtigal (1753-1819), Theologe, Pädagoge u. Übersetzer; Johann August Nösselt (1734-1807), Theologe in Halle; Friedrich Theodor Poselger (1771-1838), Mathematiker; Ernst Friedrich Rettberg (1770-1816), Bergfaktor am Süntel u. Salineninspektor zu Rothenfelde u. a. Unter den Illustrationen sind 10 Porträt-Silhouetten, davon 5 als Scherenschnitte, sowie ein hübsches blattgroßes Quodlibet und eine bemerkenswerte Federzeichnung, welche "Die Reise durch das Leben" darstellt. Einige der anderen kleineren Skizzen beziehen sich auf Kolbes Beruf: das Bergwesen. - Die Blätter sind in der Bindung gelockert und meist fingerfleckig, eine montierte Trockenblume nur noch teilw. vorhanden, eine Silhouette lose, eine Eintragung gelöscht (mit kleiner Beschädigung). - Zu Kolbe vgl. Goed. V, 420, 69, Kosch IX, Sp. 187 und Eitner V, 411.
Kolbe, Hermann,
Hermann Kolbe (1818-1884), Chemiker. E. Brief mit U. ("H. Kolbe"). Leipzig, 1. April 1872. 2 SS. auf Doppelblatt. Gr.-8°. - An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Diese wenigen Worte sollen Sie und Ihre Frau unserer aufrichtigsten Theilnahme versichern an dem schweren Verlust, welchen Sie erlitten haben. Ihr Sohn hatte sich hier allgemeine Liebe und Zuneigung erworben, und nächst mir hielt besonders meine Frau große Stücke auf ihn. Daß er fassungslos darniederliege, hörte ich schon vor kurzer Zeit aus Braunschweig, glaubte aber nicht, daß sein Ende so nahe sei [...]". - Hermann Kolbe war nach seiner Promotion als Assistent Lyon Playfairs am Museum of Economic Geology tätig, übernahm nach seiner Rückkehr 1847 die Redaktion des von Justus von Liebig, Johann Christian Poggendorff und Friedrich Wöhler begründeten "Handwörterbuchs der reinen und angewandten Chemie" und wurde 1851 ohne Habilitation Nachfolger Robert Wilhelm Bunsens in der Leitung des Marburger Chemischen Instituts. 1865 folgte er einem Ruf als Professor für Chemie an die Universität Leipzig "und stand dort bis zu seinem Tod dem damals größten Chemischen Institut an einer deutschen Universität vor. Kolbes Synthese der Essigsäure stellte die erste echte Totalsynthese' einer organischen Substanz aus anorganischen Ausgangsstoffen dar. Er entwickelte Verfahren zur Darstellung von Nitrilen und Kohlenwasserstoffen (Kolbesche Synthese) und eine Synthese der Salicylsäure (Kolbe-Schmitt-Synthese)" (DBE). - Die Verso-Seite von Bl. 2 mit einer kleinen zeitgen. Notiz zum Verfasser.
Hermann Kolbe (1818-1884), Chemiker. E. Brief mit U. ("H. Kolbe"). Leipzig, 1. April 1872. 2 SS. auf Doppelblatt. Gr.-8°. - An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Diese wenigen Worte sollen Sie und Ihre Frau unserer aufrichtigsten Theilnahme versichern an dem schweren Verlust, welchen Sie erlitten haben. Ihr Sohn hatte sich hier allgemeine Liebe und Zuneigung erworben, und nächst mir hielt besonders meine Frau große Stücke auf ihn. Daß er fassungslos darniederliege, hörte ich schon vor kurzer Zeit aus Braunschweig, glaubte aber nicht, daß sein Ende so nahe sei [...]". - Hermann Kolbe war nach seiner Promotion als Assistent Lyon Playfairs am Museum of Economic Geology tätig, übernahm nach seiner Rückkehr 1847 die Redaktion des von Justus von Liebig, Johann Christian Poggendorff und Friedrich Wöhler begründeten "Handwörterbuchs der reinen und angewandten Chemie" und wurde 1851 ohne Habilitation Nachfolger Robert Wilhelm Bunsens in der Leitung des Marburger Chemischen Instituts. 1865 folgte er einem Ruf als Professor für Chemie an die Universität Leipzig "und stand dort bis zu seinem Tod dem damals größten Chemischen Institut an einer deutschen Universität vor. Kolbes Synthese der Essigsäure stellte die erste echte Totalsynthese' einer organischen Substanz aus anorganischen Ausgangsstoffen dar. Er entwickelte Verfahren zur Darstellung von Nitrilen und Kohlenwasserstoffen (Kolbesche Synthese) und eine Synthese der Salicylsäure (Kolbe-Schmitt-Synthese)" (DBE). - Die Verso-Seite von Bl. 2 mit einer kleinen zeitgen. Notiz zum Verfasser.
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Kolbe, Hermann,
Hermann Kolbe (1818-1884), Chemiker. E. Vorlesungsankündigung mit U. ("H. Kolbe"). O. O. u. D. 1 S. Qu.-8°. - Ankündigung einer Lehrveranstaltung über "anorganische Experimentalchemie" und eines "chemischen Praktikums". - Hermann Kolbe war nach seiner Promotion als Assistent Lyon Playfairs am Museum of Economic Geology tätig, übernahm nach seiner Rückkehr 1847 die Redaktion des von Justus von Liebig, Johann Christian Poggendorff und Friedrich Wöhler begründeten "Handwörterbuchs der reinen und angewandten Chemie" und wurde 1851 ohne Habilitation Nachfolger Robert Wilhelm Bunsens in der Leitung des Marburger Chemischen Instituts. 1865 folgte er einem Ruf als Professor für Chemie an die Universität Leipzig "und stand dort bis zu seinem Tod dem damals größten Chemischen Institut an einer deutschen Universität vor. Kolbes Synthese der Essigsäure stellte die erste echte Totalsynthese' einer organischen Substanz aus anorganischen Ausgangsstoffen dar. Er entwickelte Verfahren zur Darstellung von Nitrilen und Kohlenwasserstoffen (Kolbesche Synthese) und eine Synthese der Salicylsäure (Kolbe-Schmitt-Synthese)" (DBE). - Papierbedingt etwas gebräunt und mit kleinen Stecknadeldurchstichen an den Ecken.
Hermann Kolbe (1818-1884), Chemiker. E. Vorlesungsankündigung mit U. ("H. Kolbe"). O. O. u. D. 1 S. Qu.-8°. - Ankündigung einer Lehrveranstaltung über "anorganische Experimentalchemie" und eines "chemischen Praktikums". - Hermann Kolbe war nach seiner Promotion als Assistent Lyon Playfairs am Museum of Economic Geology tätig, übernahm nach seiner Rückkehr 1847 die Redaktion des von Justus von Liebig, Johann Christian Poggendorff und Friedrich Wöhler begründeten "Handwörterbuchs der reinen und angewandten Chemie" und wurde 1851 ohne Habilitation Nachfolger Robert Wilhelm Bunsens in der Leitung des Marburger Chemischen Instituts. 1865 folgte er einem Ruf als Professor für Chemie an die Universität Leipzig "und stand dort bis zu seinem Tod dem damals größten Chemischen Institut an einer deutschen Universität vor. Kolbes Synthese der Essigsäure stellte die erste echte Totalsynthese' einer organischen Substanz aus anorganischen Ausgangsstoffen dar. Er entwickelte Verfahren zur Darstellung von Nitrilen und Kohlenwasserstoffen (Kolbesche Synthese) und eine Synthese der Salicylsäure (Kolbe-Schmitt-Synthese)" (DBE). - Papierbedingt etwas gebräunt und mit kleinen Stecknadeldurchstichen an den Ecken.
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Kolbe, Georg: Bildwerke. 43 Bildtafeln. Vom Künstler ausgewählt. Mit einem Nachwort von Richard Scheibe. - (=Insel - Bücherei Nr. IB 422). Leipzig, Insel Verlag, ohne Jahresangabe (1955).
Guter Zustand. Einband leicht fleckig. Rahmen grün, Schrift schwarz, mit Sternen. Rückenschild mit Nummer, Rückenschildbeschriftung "Georg Kolbe. Bildwerke". Titel- und Rückenschild sind in das Überzugspapier eingedruckt. Tafelteil und Titelei wurden bereits 1940 in Leipzig gedruckt. Diese Ausgabe mit dem Nachwort von Richard Scheibe erschien aber erst 1955. - Georg Kolbe (* 15. April 1877 in Waldheim (Sachsen); 20. November 1947 in Berlin) war ein figürlicher Bildhauer. Nach ihm ist der Georg-Kolbe-Preis benannt. Werdegang: Georg Kolbe war das vierte von sechs Kindern von Theodor Emil Kolbe und Caroline Ernestine geb. Krappes. Sein Großvater Gottfried Kolbe war Uhrmacher und Musiker. Georg Kolbes 1873 geborener Bruder Rudolf wurde ein bekannter Architekt und Kunstgewerbler in Leipzig. Kolbe wurde an der Kunstgewerbeschule in Dresden sowie an der Akademie in München zum Maler ausgebildet. 1897 ging er nach Paris, um ein Semester an der Academie Julian zu studieren. Von 1898 bis 1901 lebte er in Rom, wo er unter Anleitung Louis Tuaillons im Jahr 1900 mit bildhauerischen Versuchen begann. In Bayreuth lernte er 1901 im Kreis der Familie Wagner die holländische Gesangsschülerin Benjamine van der Meer de Walcheren kennen, die er am 13. Februar 1902 in Uccle bei Brüssel heiratete. Das junge Paar zog nach Leipzig, wo am 19. November 1902 die Tochter Leonore geboren wurde. 1904-1932: 1904 zog Kolbe nach Berlin, wo er bis zu seinem Lebensende lebte. Kolbe wurde 1905 Mitglied der Berliner Secession; sein wichtigster Kunsthändler war Paul Cassirer. 1905 gehörte er zu den ersten Trägern des Villa-Romana-Preises, der mit einem Studienaufenthalt in Florenz verbunden war. 1909 nahm er mit mehreren deutschen Künstlern am "Salon d'automne" in Paris teil und besuchte Rodin in Meudon. Den Ruf an die Weimarer Bildhauerschule lehnte er 1910 ab. 1911 wurde er in den Vorstand der Berliner Secession gewählt. Nach schwierigen Anfängen wurde Kolbe ab 1910 immer bekannter und erfolgreicher. Seine berühmteste Plastik Die Tänzerin, wurde 1912 in der Berliner Secession gezeigt und anschließend von der Berliner Nationalgalerie erworben. Bedeutsam für seine Stilentwicklung war die Ägyptenreise von 1913. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Kolbe zuerst als Freiwilliger an der Ostfront (als Kraftfahrer), anschließend machte er eine Fliegerausbildung, wurde jedoch nicht eingesetzt. Anfang 1917 wurde er gemustert und zum Kriegsdienst eingezogen. Im Mai 1917 folgte er einer Berufung nach Istanbul, wo sein Freund Richard von Kühlmann Botschafter war. Durch dessen Fürsprache blieb er vom aktiven Kriegsdienst verschont. Seine Aufgabe war es, auf dem Friedhof im Vorort Tarabya ein Gefallenendenkmal zu errichten. Außerdem porträtierte er Diplomaten, Militärs und auch den jungtürkischen Politiker Talat Pascha. 1918 erhielt er den Professortitel vom Preußischen Kultusministerium. Nach seiner Rückkehr nach Berlin, Anfang 1919, wurde er zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. Kolbe war jedoch auch Mitglied im revolutionären Arbeitsrat für Kunst und 1919-1921 Präsident der Freien Secession Berlin. Sein gewandelter Stil, der vom Expressionismus beeinflusst erscheint, wurde 1921 in einer großen Ausstellung in der Galerie Cassirer und 1922 durch die Monografie von W. R. Valentiner vorgestellt. Erfolgreicher war Kolbe jedoch in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre, als er zu natürlicherer Proportionierung seiner Gestalten zurückgekehrt war. Seine Werke waren in zahlreichen Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen zu sehen. Erstmalig wurden einige Plastiken in höheren Auflagen verkauft. Zahlreich waren die Porträtaufträge. Mehrere Werke wurden öffentliche aufgesttellt: die Marburger Kauernde, die Kriechenden im Hamburger Stadtpark, in Berlin-Schöneberg die zwei Figuren Der Morgen und Der Abend in den Ceciliengärten, ein Genius im Opernhaus, Die Nacht im Rundfunkhaus Berlin und der Rathenau-Brunnen im Volkspark Rehberge. 1927 erhielt Kolbe die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg. Am 7. Februar 1927 starb seine Frau Benjamine unter tragischen Umständen. Dies war für Kolbe zum Zeitpunkt seiner höchsten Anerkennung ein sehr schwerer Schicksalsschlag, und Trauerfiguren spiegeln danach Kolbes innere Situation wider, vor allem 1927 die Statue Der Einsame. Ein Ausweg schien für den Künstler die Beschäftigung mit heroischen Denkmalsprojekten zu sein; bis zu seinem Lebensende arbeitete er an einem Beethoven- und einem Nietzsche-Denkmal. Kolbe zog sich aus dem lebendigen Kunstviertel Tiergarten zurück in sein neu erbautes Atelierhaus in Berlin-Westend, nahe beim Friedhof, auf dem seine Frau begraben war. 1933-1947: 1932 reiste Kolbe nach Moskau. Im Januar 1933 veröffentlichte er seine recht positiven Reiseeindrücke in der linksliberalen, anti-nationalsozialistischen Wochenzeitschrift Das Tagebuch. Aus privaten Briefen geht hervor, dass er schon Jahre vor 1933 vor den Nationalsozialisten warnte und auch später kein Freund der nationalsozialistischen Idee wurde. Kolbe sah sich anfangs nicht als ein vom neuen Regime besonders geschätzter Künstler. Er galt als Repräsentant der Weimarer Republik und wurde aus verschiedenen Gründen angegriffen, zum Beispiel wegen seiner Bildnisbüste von Friedrich Ebert. Bis 1935 waren etliche seiner öffentlich aufgestellten Werke beseitigt worden, wie zum Beispiel das Heine-Denkmal in Frankfurt am Main, das Rathenau-Denkmal, in Berlin, aber auch die Statue im Berliner Opernhaus. Das Heine-Denkmal blieb jedoch unter Bezeichnung "Frühlingslied" im Garten des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main unbehelligt, da es "[ ] durchaus nationalsozialistischem Kunstgeschmack entsprach." 1934 schuf Kolbe ein Kriegerdenkmal für Stralsund, nachdem ein Entwurf Ernst Barlachs abgelehnt wurde. Barlach wollte die Trauer über die Opfer in den Vordergrund stellte, während Kolbes Entwurf, bei dem ein Mann mittleren Alters ein überdimensionales Schwert an einen jüngeren über der Aufschrift "Ihr seid nicht umsonst gestorben" übergibt, dem Revanchegedanken Raum lässt "[ ] Kolbe stellte seine Schwerthalter für Stralsund unzweideutig unter die Perspektive eines neuerlichen Krieges mit dem Führer Hitler und der Partei [ ]" Im August 1934 unterzeichnete Kolbe - wie Ernst Barlach, Erich Heckel oder Ludwig Mies van der Rohe - den sogenannten "Aufruf der Kulturschaffenden" zwecks Vereinigung des Reichspräsidenten- und Kanzleramts. Als letzter Präsident des Deutschen Künstlerbundes engagierte er sich für die als "entartet" eingestuften Kollegen - allerdings vergeblich, der renommierte Künstlerverband wurde 1936 verboten, seine Mitglieder in die Reichskulturkammer überführt. Kolbe nahm von 1937 bis 1944 regelmäßig mit Skulpturen an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München teil, die als wichtigste kulturelle Veranstaltung im nationalsozialistischen Deutschland propagiert wurde. Der Bildhauer erfuhr Ehrungen wie den Goethepreis der Stadt Frankfurt 1936 und 1942 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Mit zwei Statuen war er auf dem Reichssportfeld (heute Olympiagelände, Berlin) vertreten, einige Bronzen führte er für Wehrmachtskasernen aus. Offensichtlich hat er den Wunsch nach einem Hitler-Bildnis nicht entsprochen. Allerdings schuf Kolbe 1939 im Auftrag der deutsch-spanischen Wirtschaftsoganisation Hisma eine Portraitbüste des spanischen Diktators Franco, die Adolf Hitler im gleichen Jahr zum Geburtstag überreicht wurde. Dieser bedankte sich "herzlich für die von Georg Kolbe geschaffene Bronzebüste des Generalissimus Franco". Dadurch wurde John Heartfield zu seiner Collage Brauner Künstlertraum veranlasste. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, wurde Kolbe von Hitler in die Sonderliste der Gottbegnadetenliste mit den zwölf wichtigsten bildenden Künstlern aufgenommen. Gleichwohl gelang es den Nationalsozialisten nicht, Kolbe für sich zu vereinnahmen, der es ablehnte, gigantische Riesen wie die "Staatsbil...
Erstausgabe. Unpaginiert, ca. 56 Seiten. 18,5 cm. Illustrierter brauner Pappband mit Schmuckpapierbezug und Deckel- und Rückenschild.
[SW: Bildhauer, Buchgeschichte, Sakrale Kunst, Bildhauerei, Buchreihen, Buchwissenschaft, Kunst, Buchwesen, Buchhandelsgeschichte, Buchkunde, Verlag, Buchmarkt, Buchhandel, Verlagsgeschichte, Verlagswesen, Buchherstellung, Verlage, Insel-Bücherei, Plastiker]



