Montaigne
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Montaigne: Essays. Herausgegeben von Walther Killy. Aus dem Französischen von Lieselotte Loos. Mit einem Nachwort von Erich Loos. Frankfurt a.M./Hamburg, Fischer Bücherei, 1963.
Buchrücken am Fuß mit einem kleinen Einriß (4 cm). Mit wenigen Anstreichungen. Befriedigender Zustand. - Michel Eyquem de Montaigne (frz. Aussprache /mi??l ek?m d? mot??/; * 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne im Perigord; 13. September 1592 ebenda) war Politiker, Philosoph und Begründer der Essayistik. Leben: Michel Eyquem (genannt "de Montaigne") war der Sohn eines katholischen Franzosen und einer dem sephardischen Judentum entstammenden Mutter. Er folgte der Tradition seiner dem Amtsadel entstammenden Familie und wurde 1557, nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Toulouse und Bordeaux, Parlamentsrat und später Bürgermeister von Bordeaux. Im selben Jahr machte er in Bordeaux die Bekanntschaft von Etienne de La Boetie, ein Ereignis von größter Bedeutung für Montaignes weiteres Leben. 1565 heiratete er Francoise de la Chassaigne; die beiden hatten sechs Töchter, von denen nur eine das Kindesalter überlebte. 1569 veröffentlichte er ein erstes Werk, die Übersetzung der Theologia Naturalis von Raymond de Sebond. 1570, nach dem Tod seines Vaters, gab er alle Ämter auf und zog sich 1571 auf Schloss Montaigne zurück, wo er eine für die damalige Zeit außergewöhnlich umfangreiche Bibliothek anlegte. Er widmete sich der Herausgabe der postumen Schriften seines Freundes la Boetie, las klassische Autoren und begann mit der Niederschrift seines Hauptwerks, den Essais, von denen er 1580 die ersten beiden Bände veröffentlichte. Montaigne hat die Essais bis zuletzt immer wieder überarbeitet und annotiert. Neben seiner literarischen Betätigung war er in den 1570er Jahren immer wieder in Paris, wo er als Vermittler zwischen den verfeindeten Parteien der Gegenreformationszeit aktiv war. Sowohl der katholische König Heinrich III. als auch der (damals noch) protestantische Heinrich von Navarra schätzten seine Fähigkeiten. Danach reiste er 1580-1581 mit vier jungen Adeligen zu Pferde über Deutschland nach Venedig, von dort nach Rom und Lucca. Ein zentrales Reisemotiv war die Heilung von einem Blasenleiden, daneben strebte er aber auch nach kulturell-historischer Horizonterweiterung. Obgleich Montaigne es sich in Rom nicht nehmen ließ, beim Papst zum traditionellen Fußkuss anzutreten, war seine Reise doch bereits völlig säkular und in keiner Weise die eines Pilgers. Montaigne führte dabei ein Reisetagebuch, das 1770 (oder vielleicht schon 1769) durch den Abbe Prunis wiederentdeckt und 1774 unter dem Titel Tagebuch einer Reise Michel de Montaignes durch Italien, die Schweiz und Deutschland in den Jahren 1580 und 1581 von Meunier de Querlon herausgegeben wurde. (Prunis beschwerte sich daraufhin bitter, er sei von Querlon um die Früchte seiner Entdeckung und Entzifferung gebracht worden.) In Italien erreichte ihn im Herbst 1581 die Nachricht, dass er zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt sei. Trotz des fortbestehenden Steinleidens und der religiösen Auseinandersetzungen bekleidete er dieses Amt bis 1585. Die zweite Amtsperiode war überschattet vom Ausbruch der Pest in Bordeaux, der die Familie zeitweilig zur Flucht zwang, und Kriegshandlungen nahe Chateau Montaigne. Trotz der Beanspruchung durch weitere politische Vermittlungsaktionen (auf Bitten von Katharina von Medici) gelang ihm 1587 die Fertigstellung des dritten Bandes der Essais. Dieser erschien 1588, 1595 folgte eine erweiterte Ausgabe. Wegen seiner Loyalität zu Heinrich III. wurde er von Hugenotten kurze Zeit gefangen gesetzt. Seit einem Besuch in Paris 1588 war er mit der frühen Frauenrechtlerin und Philosophin Marie de Gournay befreundet, der er später auch die Verwaltung seines literarischen Nachlasses übertrug. Sie wird als seine Adoptivtochter bezeichnet. Nach der Ermordung Heinrichs III. (1589) sorgte er dafür, dass Bordeaux den neuen Herrscher Heinrich IV. unterstützte. Von wenigen Reisen abgesehen lebte er in den letzten Lebensjahren recht zurückgezogen. Er verstarb - von verschiedenen Krankheiten geschwächt - auf dem Chateau seiner Vorfahren. Werk [Bearbeiten] Mit seinem Hauptwerk, den Essais, begründete der unorthodoxe Humanist Montaigne die literarische Kunstform des Essay, zu Deutsch in etwa "Versuch". Damit distanzierte er sich bewusst von der klassischen Wissenschaft, seine "Versuche" sind vielmehr von subjektiver Erfahrung und Reflexion geprägte Erörterungen. Stoische Geringschätzung von Äußerlichkeiten, Kritik des Wissenschaftsaberglaubens und der menschlichen Überheblichkeit gegenüber anderen Naturgeschöpfen sowie Skepsis gegenüber jeglichen Dogmen kennzeichnen die Essais, in denen sich der Freidenker Montaigne mit einer Vielzahl von Themen auseinandersetzt: Literatur, Philosophie, Sittlichkeit, Erziehung usw. In letzterer Hinsicht betonte er den Wert konkreter Erfahrung und unabhängigen Urteilens als Ziele der Bildung junger Menschen. Montaigne war das Kind einer Zeit grausamer Religionskriege, die dominiert war von moralischer Korruption und unversöhnlicher Macht- und Rachsucht auf beiden Seiten. So sah er den Menschen als ein durchaus fehlerbehaftetes Geschöpf. Daraus wiederum erwuchs sein grundlegender Skeptizismus: "...der Mensch, an der Hand Montaignes auf sich selbst gelenkt, auf die liebevolle und rücksichtslose Erforschung seiner Besonderheiten und Idiotismen, Irrationalismen und Paradoxien, Zweideutigkeiten und Hintergründe, muss notwendigerweise zum Skeptiker werden, indem er erkennt, dass er sich nicht auskennt" (Egon Friedell). Dies bedeutet jedoch nicht, dass er Wahrheit für unmöglich hielt (Skepsis im rein negativen Sinn); er wollte nur die Fallstricke vorgefertigter Lehrmeinungen vermeiden. Sein Suchen nach Wahrheit außerhalb normierender Systematik, seine Ablehnung dogmatischen Denkens und aller Autoritäten führten ihn zu sich selbst, zu dem denkenden Subjekt Montaigne. (Damit war er Vorläufer von Descartes, jedoch ohne dessen sehr deutlich zielgerichtete und ausschließlich eingesetzte Logik.) Dieses Selbst ist jedoch durchaus wandelbar; aus diesem Grunde schloss er seine Arbeit auch nie ab, sondern revidierte und erweiterte ständig. Trotz der Zuneigung zu Marie de Gournay blieb sein Bild vom Zusammenleben der Geschlechter konservativ. Er hielt wahre geistige Freundschaft nur unter Männern (etwa mit Etienne de la Boetie) für möglich; von der Liebe behauptete er, sie lege dem Mann nur Fesseln an. "Wie mein Geist mäandert, so auch mein Stil" - diese Worte sind charakteristisch für die spielerische Offenheit seiner vielfältigen Abschweifungen, der Entwicklung seiner Gedanken. Seine Schriften sind so reichhaltig und flexibel, dass sie von nahezu jeder philosophischen Welle adaptiert werden können. Gleichzeitig widersetzen sie sich noch heute so konsequent jeder konsistenten Interpretation, dass sie eben dadurch deren Grenzen aufzeigen. Sein tiefgründiger Skeptizismus bildete die Brücke zur radikalen Logik der Philosophie des Barock (Barockscholastik); gleichzeitig griff seine Einsicht in Reichtum und Grenzen menschlicher Erkenntnis weit in die Zukunft. Seine vorurteilsfreie Menschenbetrachtung und sein liberales Denken leiteten die Tradition der französischen Moralisten der Aufklärung ein und beeinflussten weltweit zahlreiche Philosophen und Schriftsteller nach ihm, unter ihnen Voltaire und Friedrich Nietzsche. Die geisteswissenschaftliche Teil-Universität der Universität Bordeaux wurde nach ihm benannt: Universite de Bordeaux III Michel de Montaigne. Aus wikipedia-orgMichel_de_Montaigne
Erste Auflage dieser Ausgabe. 165 Seiten. 18 cm. Taschenbuch. Kartoniert. Laminiert. Glanzfolienkaschierung.
[SW: Philosophiegeschichte, Buchhandelsgeschichte, Buchgeschichte, Taschenbücher vor 1960, Taschenbuchreihen, Antike Philosophie, Buchmarkt, Buchreihen, Buchwissenschaft, Buchwesen, Philosophie, Erziehungswissenschaft, Erziehungsratgeber, Physiologie, Denken, Empfindungen, Vorstellungen, Denkpsychologie, Gefühl, Wille, Erziehungswissenschaften / Erziehungswissenschaft, Französische Philosophie, Erziehungsphilosophie, Gefühlsleben, Französische Geschichte, Psychologie, Pädagogik, Erziehung / Geschichte, Erziehung, Bildung, Unterricht, Erziehung, Unterricht, Jugendpflege, Erziehungsziel Erziehungsziele, Französische Literatur des 16. Jahrhunderts, Erziehungskritik, Erziehungsgeschichte, Französische Gesellschaft]
MONTAIGNE: ESSAIS DE MONTAIGNE,
MONTAIGNE.Essais de Montaigne.(Self-edition). Texte original, accompagne de la traduction en langage de nos jours, par le General Michaud.P., 1907-1909, 4 forts vol. in-8°, cart. pl. toile.Edition tres rare, la seule a donner en vis-a-vis le texte original des Essais et la transcription en francais moderne. Notice sur Montaigne, variantes, notes, lexique, etc. Portr. de Montaigne, plan du domaine et vue de la Tour de Montaigne, fac-sim. d'une page du ms. de Bordeaux. Tirage a un petit nombre, chaque volume etant numerote.
de Montaigne, Michel: Süddeutsches Reisetagebuch. Aus dem Süddeutschen Reisetagebuch der Herrn Michel de Montaigne 1580. Übertragen und herausgegeben von Otto Flake. Mit Zeichnungen versehen von Walther Schmidt.(="Die Bücher vom Bodensee") Jan Thorbecke Verlag Erste Aufl. 1947 Lindau
87S. Klein 8°
Pappe Klammergehefteter, illustrierter Pappband mit Schutzumschlag. Der Umschlag angerändert, fleckig und mit mehreren kleinen Ein- und Ausrissen, der Einband mit Knick der unteren Ecken, angerändert und mit kleinem Einriss rechts und links des unteren Rückenrandes, das holzhaltige Papier allg. nachgedunkelt, trotz der, bei Nachkriegsausgaben aufgrund der schlechten Qualität der verwendeten Materialien, nahezu obligaten Beschädigungen, ein schönes kleines Büchlein. Gesamtzustand befriedigend. Michel Eyquem de Montaigne * 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne im Perigord; 13. September 1592 ebenda) war Politiker, Philosoph und Begründer der Essayistik. Montaigne (wie er in der Literatur- und Philosophiegeschichte heißt) wurde geboren als Michel Eyquem auf dem Schlösschen Montaigne, das sein Urgroßvater, ein durch Handel mit Fisch, Wein und "pastel" (dem Farbstoff aus der Färberwaid-Pflanze) reich gewordener Kaufmann aus Bordeaux, 1477 samt der dazugehörigen Grundherrschaft gekauft hatte. Er war ältestes der vier ins Erwachsenenalter gelangten Kinder von Pierre Eyquem, einem katholisch gebliebenen Franzosen, der König Franz I. auf seinem Italienfeldzug begleitet hatte und dort mit Renaissance und Humanismus in Berührung gekommen war. Seine Mutter, Antoinette de Louppes de Villeneuve, stammte möglicherweise aus einer Familie von "marranes" (häufig unter Zwang zum Christentum konvertierte spanische oder portugiesische Juden), was aber nicht zweifelsfrei belegt und umstritten ist. Der Vater bekleidete mehrfach hohe Ämter in der Stadt Bordeaux: 1530 wurde er als "prevot" Chef des Ordnungswesens, 1533 stellvertretender Bürgermeister und 1554 sogar Bürgermeister. Nach seiner Geburt wurde Montaigne, wie bei reichen Familien nicht unüblich, zu einer Amme in einem nahen Dorf gegeben. Als er, etwa 3 Jahre alt, zu seiner Familie zurückkam, stellte sein Vater einen aus Deutschland stammenden Arzt als Hauslehrer ein, der weder Französisch noch Gascognisch konnte und mit dem Kind nur lateinisch sprach. Da auch die Eltern sich bemühten dies zu tun und sogar die Bediensteten es versuchen mussten, wurde das Lateinische fast zur Muttersprache Montaignes. 1539 bis 1546 besuchte er das College de Guyenne in Bordeaux, wo er von seinen Lehrern teilweise gefürchtet wurde, weil er besser lateinisch sprach als sie. Hier lernte er auch Altgriechisch. Er hat später gesagt, dass er, im Gegensatz zu den meisten Adeligen seiner Zeit, seiner Bildung am College die Liebe zu Büchern verdankte. Über die Jahre 1546 bis 1554 ist fast nichts bekannt. Montaigne absolvierte vielleicht zunächst propädeutische Studien an der Artistenfakultät von Bordeaux und studierte danach Recht, vermutlich in Toulouse, möglicherweise aber auch in Paris (Professoren beider Universitäten hat er später erwähnt). Unbekannt ist ebenfalls, ob er 1548 vor Ort die Revolte miterlebte, mit der Bordeaux auf die Auferlegung der Salzsteuer durch den neuen König Heinrich II. reagierte, eine Revolte, die von königlichen Truppen blutig niedergeschlagen wurde und auch die Gruppe der Patrizier etliche Köpfe kostete. 1554, mit 21, erhielt Montaigne das Amt eines Gerichtsrats am Steuergericht in Perigueux. Im selben Jahr begleitete er seinen soeben zum Bürgermeister gewählten Vater zu Verhandlungen mit dem König nach Paris. Als 1557 das Steuergericht von Perigueux aufgelöst wurde, bekam Montaigne einen Gerichtsratsposten am Parlement von Bordeaux, dem obersten Gerichtshof der Provinz Guyenne. Hier schloss er eine (wie er es rückblickend sah) geradezu symbiotische Freundschaft mit dem gut zwei Jahre älteren, humanistisch hochgebildeten Richter-Kollegen Etienne de la Boetie, dessen frühen Tod 1563 er lange betrauerte. In seiner Eigenschaft als Gerichtsrat am Parlement reiste er 1559, 1560 und 1562 nach Paris, wobei es vor allem um die Frage der Unterdrückung oder Duldung des im französischen Südwesten stark verbreiteten Protestantismus ging. Bei dem letztgenannten Parisaufenthalt, der vom Beginn der offenen Bürgerkriege zwischen Protestanten und Katholiken, der sog. Religionskriege, überschattet wurde, musste sich Montaigne, zusammen mit den anderen Richtern der diversen französischen Parlements, feierlich zum Katholizismus bekennen. 1565 heiratete er in einer Konventionalehe, die dies offenbar auch blieb, Francoise de la Chassaigne, die Tochter eines Richterkollegen. Beim Tod des Vaters 1568 erbte er, nach den Regeln der adeligen Erbteilung, den Hauptteil von dessem Besitz. Hierunter war insbesondere das Gut und Schlösschen Montaigne, nachdem er sich hinfort ausschließlich benannte, was seinen Status als Adeliger betonte. 1569 beendete er eine kommentierte Übersetzung der Theologia naturalis des Toulouser Theologen und Mediziners Raimundus Sebundus ( 1436). Er hatte sie noch auf Wunsch seines Vaters begonnen, der sich - sehr verständlich in Zeiten heftiger konfessioneller Streitereien - offenbar für die These von Sebundus interessierte, wonach Gott und die christlichen Lehren quasi aus der Natur ableitbar seien. Zugleich mit seiner Sebundus-Übertragung gab er in Paris eine Sammlung von französischen und lateinischen Gedichten seines Freundes La Boetie in Druck. 1571, mit 38, quittierte Montaigne sein Richteramt und zog sich auf sein Schlösschen zurück. Ein Grund zu seinem Entschluss war vermutlich die Enttäuschung darüber, dass seine Versuche, in eine der wichtigeren und damit angeseheneren Kammern des Gerichts zu wechseln, gescheitert waren, weil in der einen als zu naher Verwandter schon sein Schwiegervater saß und in der anderen schon ein Schwager. Vielleicht spielte auch der Umstand eine Rolle, dass er zum zweiten Mal Vater wurde, nachdem ein im Vorjahr geborenes erstes Kind, ebenfalls ein Mädchen, bald nach der Geburt gestorben war (so wie auch vier weitere 1573, 74, 77 und 83 geborene Kinder, allesamt Töchter, das Säuglingsalter nicht überlebten). Mit der Rolle des Landedelmanns, als der Montaigne sich nach seinem Rückzug ins Private offenbar sah, vertrug es sich durchaus, zu lesen und literarisch zu dilettieren. Dies tat er mit Hilfe der schönen Bibliothek, die er besaß und die zum Teil aus der bestand, die ihm La Boetie übermacht hatte. Hierbei begann er, markante Sätze aus klassischen, meistens lateinischen Autoren, aufzuschreiben und zum Ausgangspunkt eigener Überlegungen zu machen. Diese sah er als Versuche, der Natur des menschlichen Wesens und den Problemen der Existenz, insbes. des Todes, auf den Grund zu kommen. Die passende Darstellungsweise für diese "Versuche" (frz. essais) musste er jedoch selber tastend entwickeln, denn erst später, nach ihm und dank ihm, wurde der Begriff essai zum Namen einer neuen literarischen Gattung. Allerdings konnte Montaigne nach dem Wechsel ins Private nicht, wie sicher erhofft, seine Tage ungestört von den kriegerischen Wirren der Zeit verbringen. Denn als nach den Protestantenmassakern der Bartholomäusnacht (22./23. August 1572) die Spaltung im Land sich vertiefte und beide Seiten sich erneut bekriegten, hielt er es für seine Pflicht, sich der königlichen, d. h. der katholischen Armee anzuschließen. 1574 versuchte er, mit einer Rede vor den Richtern des Parlements in Bordeaux, zur Versöhnung der Konfessionen beizutragen. Nach dem Friedensschluss von 1575, der den Protestanten vorübergehend volle Bürgerrechte gewährte, ließ er sich von Heinrich von Navarra, dem Chef des protestantischen Lagers und de facto-Herrscher in weiten Teilen Westfrankreichs, pro forma zum Kammerherrn ernennen. Dank der kurzen Friedensphase schloss Montaigne 1579 Buch I der Essais ab und verfasste er Buch II. Die beiden Bände erschienen 1580 in Bordeaux und waren so erfolgreich, dass sie schon 1582 und nochmals 1587 leicht erweitert nachgedruckt wurden. Da er seit 1577 unter Nierenkoliken litt (deren starken Einfluss auf sein Leben und auch sein Denken und Fühlen er in des Essais thematisierte), ging Montaigne 1580 trotz der soeben wieder ausgebrochenen Kriegshandlungen auf eine Bäder-Reise, von der ...
[SW: Französische Literatur | Reisetagebuch | Michel de Montaigne | Illustrierte Bücher]
Montaigne, Michel Eyquem de und Peter [Hrsg.] Godman: Tagebuch einer Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland. Aus dem Franz. von Ulrich Bossier. Die Bibliothek der verbotenen Bücher. Wiesbaden: Marix, 2005. ISBN: 9783865390530
Hardcoverband mit illustriertem Schutzumschlag in nahezu neuwertigem Zustand, Remissionsstempel im Unterschnitt. - Berühmt geworden ist Michel de Montaigne durch seine 1580 erschienenen Essais: Moralisch-philosophische Betrachtungen über Gott, den Menschen und die Welt, die zum Vorbild für ein ganzes Genre wurden. Weniger bekannt ist, dass der französische Adelige auch ein Reisetagebuch verfasst hat. Im September 1580 bricht Montaigne im französischen Beaumont zu einer ausgedehnten Bäderreise nach Italien auf. Über Basel und Schaffhausen führt ihn sein Weg zunächst nach Süddeutschland: Er reist durchs Allgäu, hält sich ein paar Tage lang in Augsburg und in München auf. Über den Brenner geht es nach Venedig und zu den Quellen von Abano, dann nach Florenz und Rom. Mehrere Monate bleibt Montaigne zur Kur in einem Badeort bei Lucca. Er kehrt nach eineinhalb Jahren über Mailand und Lyon nach Frankreich zurück. In seinem Tagebuch hat Montaigne die Eindrücke von dieser Reise festgehalten, beschreibt Orte, Landschaften und fremde Bräuche: Von den Tischsitten über Baderegeln, Bratspieße und Bettvorhänge bis hin zur Zahl der Kurtisanen. Dazwischen findet man Kuriosa -- z. B. eine detaillierte "Schilderung des Fusskusses beim Papst" --, aber auch vieles, das sich bis heute kaum geändert hat: So klagt bereits Montaigne über halsabschneiderische Preise, schlechte Betten und betrügerische Fremdenführer. Montaignes Tagebuch ist ein kulturhistorisches Kompendium, das ein anschauliches Bild vom Reisen in der Renaissance vermittelt. (Verlagsanzeige) , ISBN: 3865390536
332 Seiten, 8°, gebundene Ausgabe. Remissionsstempel.
[SW: Literatur. Literaturtheorie. Literaturwissenschaft.]



