Ruf Aus dem Grabe

Es wurden insgesamt 8 Einträge zu 'Ruf Aus dem Grabe' gefunden (Stand: 22.05.2012).

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Albrecht Schönherr: [Art. 74533] Horizont und Mitte [Albrecht Schönherr: Horizont und Mitte] Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1979 ; fester Einband / hard cover

1. Auflage Horizont und Mitte. Aufsätze, Vorträge, Reden 1953-1977. Die enthaltenen Beiträge: 1. Teil: Erneuerung der Kirche: Die Botschaft vom Reich und der Dienst in der Welt, Unser Reden in der Kirche des Wortes, Soll die Kirche mehr Autorität haben?; 2. Teil: Verbindliches Christsein: Abenteuer der Nachfolge, Evangelische beichten; 3. Teil: Der Dienst des Pfarrers: Wir Christen und die Predigt heute, Die Predigt am Grabe, Von der Existenz des Pfarrers heute; IV. Teil: Versuche über und mit Bonhoeffer: "Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen" - Versuch einer Auslegung, Impulse aus der Theologie Bonhoeffers für den Weg der Christen in der sozialistischen Gesellschaft der DDR, Gedenkwort zum 25. Todestag Dietrich Bonhoeffers, Leib Christi und Nachfolge bei Dietrich Bonhoeffer, Die Predigt Dietrich Bonhoffers WNoch - schon - heute", Die Bedeutung Dietrich Bonhoeffers für das Christsein in der DDR; V. Teil: Aus dem Wort des Bischofs an die Synode Berlin-Brandenburg 1970, Die Kirche als Lerngemeinschaft; IV. Teil: Gespräch mit dem Staat: Das Zeugnis des Christen in der DDR, Ansprache an den Staatssekretär für Kirchenfragen, Erinnerung und Vermächtnis - Gedanken eines Christen zum 8. Mai 1945 und 1975, Gedanken zum Thema Abrüstung; VII. Teil: Zeitungsartikel: Sorge für mündige Schafe, Ein Ruf zum Dienst am Ganzen, Fußspuren die die Welt verändern, Wer ist Jesus Christus für mich?; VIII. Teil: Predigtmeditationen: Epiphanias: Jesaja 2, 2-5, Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres Matthäus 9. 18-26, 12. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus: 9. 25-28, 2. Christtag: Johannes 1, 1-14, Sexagesimae: 2. Korinther 12, 1-10. (Über den Autor: Albrecht Schönherr, * 11.09.1911 Katscher, Schüler Bonhoeffers, 1969 - 1981 Vorsitzender der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitung und damit Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. 1972 - 1981 Bischof der Region Ost der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.) Leineneinband mit orig. Schutzumschlag, 336 Seiten, Standardbuchformat Zustand: der Schutzumschlag etwas unfrisch und mit Randläsuren, das Buch selbst von einem Eigentumseintrag auf Titelblatt abgesehen geringe Gebrauchsspuren, gut

[SW: Religion, Theologie, DDR-Kirche, Schoenherr, Protestantismus, Protestant, evangelische]

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Lehr, Albert Maria: Alfred Beer. Erinnerung und Anruf. Freiburg : Kehrer, 1968.
Mit zahlr. Fotos. ; Inhalt: VORWORT, WEG UND WERK: Anfang und Aufbruch - Erste Jugendarbeit - Der Weg zum Priestertum - Kriegsjahre -Priesterweihe - Kooperator in Konstanz - Der Ruf nach Freiburg - Alfred Beer und seine Häuser - Das Andlaw-Haus - Das Hammerloch - Gundholzen - ,,Burse Markgraf Bernhard von Baden" - Freundschaft und Freunde - Der weitere Lebensweg - Ein neuer Beginn -Unterwegs - Am Grabe, LEBENDIGE ERINNERUNG: Ein einheitliches Ganzes - Neuer Stil im Klassen/immer - "Pirat" und ,,Bierhöhlen" -Der Schlüssel zum Hintertürchen - Auf großer Fahrt - Beer verlangte etwas von uns -"Das nächste Mal paßt du besser auf!" - Erinnerungen an Herrn Beer -Bergkameradschaft - "Über die Kosten reden wir nicht!" - "Das gibt die besten Köpfe!" - Die Buben von Chiavenna - Die Reue drohte zu erkalten - Exerzitien - Christus war unter uns -Hinführen zur Freundschaft mit Christus - Er wußte in allem Maß zu halten - Wir spürten es: Er stand auf unserer Seite - Gelebte Toleranz - Erziehungsweisheit nach Rektor Beers Art - Alles an ihm schien selbstverständlich - Viele Wege gibt es in das Herz der Jugend -Mein bester väterlicher Freund - Väter und Söhne - Ohne ihn wäre ich nicht Musiker geworden - Ich wollte umsatteln - "Wir lassen uns nicht unterkriegen!" - Er liebte das Leben, GEDANKEN, BRIEFE, GEBETE: Gedanken zur Jugendarbeit - Brief an einen Kaplan - Jungscharbrief - Brief aus dem Felde - An einen Zwölfjährigen - "Grüße Dein sprödes Töchterlein"- Brief an einen Vater - Beileidsbrief an einen Sohn - Nach dem 60. Geburtstag - "Christi Gefolgsmann" -Aus dem Männergebetbuch, DAS TAGEBUCH - EIN SELBSTZEUGNIS, DER LETZTE WILLE, DEUTUNG UND ANRUF: Das Bleibende - Von der Liebe geprägt - Ein Vater - Die Antwort.

S. 149 8° , Leinen mit Schutzumschlag , Gutes Exemplar, Schutzumschlag lädiert

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Ritter, Alexander: Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe,

Alexander Ritter (geb. Narva, 27. Juni 1833 - gest. München, 12. April 1896) Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe Alexander Ritter zählt zu den eher vernachlässigten Mitgliedern der Neudeutschen Schule um Liszt und Wagner, trotz seiner Bedeutung für die Übermittlung der Idee orchestraler Programm-Musik von Liszt zu Richard Strauss und die Einführung junger Komponisten in die Philosophie von Schopenhauer sowie die Ästhetik hinter Wagners Musikdramen. Geboren am 27. Juni in Narva / Russland (heute Estland), verlor er seinen Vater in jungen Jahren und zog 1841 nach Dresden, wo er Klassenkamerad und Freund von Hans von Bülow wurde. Sein Grundschullehrer dort war der Konzert-meister Franz Strauss - in Folge studierte er zwischen 1849 und 1851 am Leipziger Konservatorium, unter anderen bei Ferdinand David (Violine) und Ernst Friedrich Richter (Theorie). Es war in Dresden, wo seine Familie erste Kontakte zu Richard Wagner knüpfte: Mutter Julie traf ihn kurz bevor der Komponist nach Zürich flüchtete, während Bruder Karl ihm dorthin folgte und sein (mässig erfolgreicher) Schützling wurde. Julie, die über ausreichende finanzielle Mittel verfügte, tat sich mit Jessie Laussot zusammen, um Wagner mit einer jährlichen Subvention zu unterstützen, die Julie bis 1859 auch fortführte, nachdem Laussot 1851 gezwungen war, sich von der Vereinbarung zurückzuziehen. Alexander selbst trat in nähere Beziehung zu Wagner durch seine Verlobung (1852) und Heirat (1854) mit der Schauspielerin Franziska Wagner, einer Nichte des Komponisten. Ritter hatte Liszt bereits in 1844 in Dresden spielen gehört, zu welcher Gelegenheit er den Pianisten um einen seiner Handschuhe (für seine Schwester Emilie) bat. Schliesslich stellte ihn Bülow ein weiteres mal Liszt vor, der 1854 dem vielversprechenden Violinisten eine Stelle als zweiter Konzertmeister beim Weimarer Hoforchester anbot. Auf diese Weise fand Ritter Eingang in den Kreis von Studenten und Weggefährten um Liszt - darunter Peter Cornelius, Hans von Bronsart und - in Leipzig - Franz Brendel. Liszt war ihm auch behilflich, seine Position am Stadttheater von Stettin zu sichern, wo er für zwei Jahre blieb. Nach weiterer rastloser Tätigkeit, darunter auch eine Periode in Schwerin, liessen sich Ritter und seine Frau 1863 als Mitglieder des Stadttheaters in Würzburg nieder, wo sie für neunzehn Jahre blieben. Während dieser Zeit eröffnete Ritter 1875 ein Musikgeschäft, widmete sich aber auch ernsthafter als zuvor der Komposition und dem musikalischen Arrangement, anfangs Musik für kleinere Besetzungen, vor allem Lieder und Kammermusik (so wurde zum Beispiel ein Streichquartett aus seiner Feder im Jahre 1872 veröffentlicht). Seine Arrangements aus dieser Zeit umfassen ein Vorspiel zu Tristan für Violine und Klavier (1863), eine Einleitung zum dritten Akt der Meistersinger für Klavier und Streichquartett (1875) und ein Adagio aus Beethovens Neunter Symphonie für Violine, Klavier und Harmonium (1883?). Dank seines alten Freundes Bülow erreichte Ritter 1882 der Ruf als Geiger an die Hofkapelle zu Meiningen (Bülow war dort seit 1880 Dirigent). Während seines Aufenthaltes gelang es Ritter, eine Münchener Auffüh-rung seiner einaktigen Oper Der faule Hans (1879 - 82) unter der Leitung von Hermann Levi zu arrangieren. Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft von Richard Strauss, dessen musikalische und persönliche Entwicklung Ritters Hauptbeschäftigung wurde: Der junge Strauss wurde zu Ritters Schützling, erfreute sich eines ungezwungenen Umgangs mit dessen Familie, selbst als dieser ihn in die Gedankenwelt von Liszt und Wagner einführte. Ritter verliess Meiningen 1866 nach Bülows Rückzug von der Hofkapelle und folgte einer Einladung, sich dem Münchener Hoforchester anzuschliessen (ebenfalls als Geiger). Möglicherweise erhielt auch Strauss eine Ein-ladung des Münchener Intendanten Karl von Perfall, bei Ritter zu bleiben, dessen Einfluss auf den jungen Komponisten - Dirigenten nur am einem Ort verstärkt werden konnte, an dem Wagners Opern zum Standard-repertoire gehörten. Tatsächlich notiert Willi Schuh, dass während Strauss' Aufenthalts in München sein Verhältnis zu Ritter und dessen Familie die einzige Freundenquelle für ihn gewesen sei. Nach eigener Aussage lernte er von Ritter nicht nur über Wagner, Liszt und Schopenhauer, sondern erlangte wichtige musikalische Einsichten durch die Lieder und Einakter seines Mentors - sicherlich folgen Strauss' Auswahl seiner Librettisten und Methoden der Textgestaltung ganz Ritters Vorbild. So ist es kein Zufall, dass Strauss die Premiere der Ritter - Oper Wem die Krone in einer Doppelvorstellung mit Der faule Hans 1890 in Weimar dirigierte. Ritters grossformatige symphonische Werke entstanden, nachdem Strauss bereits Aus Italien, Don Juan, Macbeth und Tod und Verklärung komponiert hatte. Das erste aus einer Reihe von symphonischen Gedichten war Erotische Legende aus dem Jahr 1890, das - trotz seines Titels - tatsächlich das Gefühl "himmlische Liebe" darstellen sollte. Es folgte der symphonische Walzer Olafs Hochzeitsreigen (1891), das geistliche Tongedicht Karfreitag und Fronleichnam (1893), die "Sturm- und Drang-Fantasie" Sursum Corda (1894) und der symphonische Klagegesang Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe (1895), Ritters letztes Hauptwerk. Ritter starb im Jahr 1896, nur ein Jahr nach dem Ableben seine Frau und nur einen Monat nach seinem grösstem musikalischen Triumph, der Aufführung von Sursum Corda unter Strauss' Leitung in München. Ritter verfügte nicht nur über kompositorisches Talent, sondern auch über literarische Fähigkeiten. Wie Wagner schrieb er seine eigenen Libretti selbst und formulierte die Programme für seine Tongedichte, darunter auch für Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe. Darüber hinaus stammt das Libretto zur Oper Theuerdank (1893-1895) von Ludwig Thuille, dem Jugendfreund von Strauss, aus seiner Feder, und - was weit wichtiger ist - schrieb er das poetische Programm, das Strauss Tod und Verklärung nach dessen Komposition im Jahr 1890 hinzugefügt wurde. Die Verbindung seiner Mutter und Ehefrau zu Richard Wagner halfen, dass Ritter mit dem Komponisten und dessen Familie über die Jahre in Kontakt blieb. Neben anderen Gelegenheiten verbrachte er 1873 einen Monat in Bayreuth, um bei den Feierlichkeiten zu Wagners sechzigstem Geburtstag zu helfen, besuchte 1876 die Premiere des Ring des Nibelungen und musizierte nach Wagners Tod in den Jahren 1883, 1884 und 1886 im Bayreuther Festivalorchester. Seine schwierige finanzielle Situation verhinderte, dass er sich in Bayreuth niederliess, wo ihm Wagner in beruflicher Hinsicht nichts Verlässliches zu bieten hatte. Ritters Schwiegersohn und Biograph Siegmund von Hausegger bezieht den Ursprung von Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe (1895) auf den Tod von dessen Frau Franziska, der Ritter deutlich seine eigene Sterblichkeit vor Augen führte. Geschrieben nach dem gleichnamigen Gedicht von Justinus Kerner (geschrieben vor 1854), verfasste Ritter ein kurzes Programm in Prosa, das er an den Anfang der Partitur stellt. Dieses Programm hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem, welches er für Strauss' Tongedicht Tod und Verklärung schrieb; beide Texte beschreiben einen Mann an der Schwelle des Todes, der Episoden aus seinem Leben in Gedächtnis zurückruft. Allerdings ist der Kaiser Rudolf von Ritter und Kerner eine bekannte Figur, der tapfer und aus eigener Kraft seiner letzten Ruhestätte im Dom zu Speyer entgegen reitet. Begleitet von einem Tross aus Adel, Klerikern und Soldaten, intoniert der sterbende Herrscher "Libera me, Domine, de morte aeterna," in das die Nonnen und Mönche seines Gefolge einstimmen. Das Prosaprogramm berichtet, dass Rudolph während seiner Reise in Gedanken über sein Leben versunken ist, aber der Anblick der Kathedrale bringt die Klage seines Gefolges, das ihm durch das Portal der Kirche voranschreitet, zum Verstummen. Rudolph legt sich in seinen Sarg und haucht sein Leben aus, als ein sanfter Chor der Engel von oben herab eine M...

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Wallmann, Johannes: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation, UTB; MOHR SIEBECK, Juli 2006 ISBN: 3825213552
Erster Abschnitt:Die Reformation in DeutschlandReformation der Kirche - dieser Kampfruf stammt nicht aus derBewegung, die mit demWittenberger Augustinermönch Martin Lutherund seinen 95 Thesen begann und im 16. Jahrhundert inDeutschland und vielen europäischen Ländern zu einer grundlegendenNeugestaltung der Kirche und zum Abfall von Rom führte.Reformation der Kirche - dies war die Parole der Reformbewegungdes frühen 15. Jahrhunderts. Jener Bewegung, die auf den Konzilienvon Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449) zugleichmit der Überwindung des Schismas zwischen Rom und Avignonauch eine Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern, eine reformatioecclesiae in capite et membris erreichen wollte. Aber diegroße kirchliche Reformbewegung des Spätmittelalters war gescheitert.Der Versuch der auf dem Konzil von Basel repräsentiertenabendländischen Gesamtkirche, eine universale, die ganze europäischeChristenheit und das gesamte geistliche und weltliche Lebenumfassende Reformation insWerk zu setzen, wurde von Rom vereitelt.Denn durch die Reformation wäre das Papsttum aus seinermonarchischen Stellung verdrängt und das Konzil als höchste kirchlicheGewalt über das Papsttum gestellt worden. Indem dasPapsttum den Angriff auf seine Machtstellung abschlug und denKonziliarismus verdammte, trug es den Gedanken der Reformationder Kirche mit zu Grabe. Für das in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundertsvollends verweltlichte Renaissancepapsttum, dessen Interessensich ganz auf seinen italienischen Kirchenstaat richten, ist dasThema Reformation der Kirche von der Tagesordnung verschwunden.Daß es im frühen 16. Jahrhundert wieder auftaucht undnun zur Parole einer die Einheit der abendländischen Christenheitspaltenden kirchlichen Revolution wird, geht nicht zuletzt auf dieVersäumnisse und Fehlschläge des Konzilsjahrhunderts zurück.Die konziliare Reformbewegung des 15. Jahrhunderts war einegesamteuropäische Bewegung gewesen. Ihr geistiges Zentrum lag inder Universität Paris. Die Reformation des 16. Jahrhunderts ist imAnsatz keine gesamteuropäische Bewegung mehr, sie geht allein vonDeutschland, von einer recht unbedeutenden deutschen Provinz-2universität aus. Das hat seinen Hauptgrund in der letztlich unableitbarenTatsache des Auftretens von Martin Luther. Aber niemals hättenLuthers 95 Thesen eine reformatorische Bewegung in Deutschlandhervorrufen können, wenn nicht gerade hier das Verlangennach der Reformation der Kirche so lebendig geblieben wäre wie inkeinem anderen Land.DieWiederherstellung seiner Macht in der Mitte des 15. Jahrhundertshatte das Papsttum mit großen Zugeständnissen an die europäischenMächte erkauft. Es mußte zusehen, wie Frankreich in derPragmatischen Sanktion von Bourges (1438) seine gallikanischenFreiheiten gegenüber Rom proklamierte, die Reformdekrete desBasler Konzils übernahm, die französische Kirche ganz dem kurialenEinfluß entzog. Noch unmittelbar vor Ausbruch der deutschenReformation hat Rom im Konkordat mit Frankreich (1516) dessennationalkirchliche Freiheiten anerkennen müssen. Auch die beidenanderen großen Nationen Westeuropas, England und Spanien, hattensich ein hohes Maß von Selbständigkeit gegenüber Rom erkämpft,waren auf dem Wege, die katholische Kirche in den Staateinzuordnen. Nur in Deutschland, das durch die Tradition des HeiligenRömischen Reichs besonders eng mit Rom verbunden war,hat das Papsttum seinen Einfluß wiedergewinnen und in der nachkonziliarenÄra sogar noch weiter ausbauen können. Das unterKaiser Friedrich III. abgeschlossene Wiener Konkordat von 1448,das formell bis zum Ende des alten Reiches in Geltung blieb, machtedem Papst weitgehende Zugeständnisse und vereitelte jede Reform.Der Papst erhielt maßgeblichen Einfluß auf die Besetzungder geistlichen Stellen - mehr als die Hälfte der deutschen Stiftspfründenwurde von Rom vergeben - und er empfing außerordentlichhohe Einnahmen aus der Besteuerung der deutschen Kirche(Palliengelder, Servitien, Expektanzen, Annaten usw.). Zwar habeneinzelne deutsche Fürsten in der Folgezeit günstigere Vereinbarungenmit Rom erzielt, sie haben sich ähnliche landesherrliche Kirchengewaltzusichern lassen wie die westeuropäischen Monarchen- hier liegen die Ansätze zum landesherrlichen Kirchenregiment inDeutschland. Aufs Ganze bleibt Roms Einfluß in Deutschland bedrückendstark, stärker als in Frankreich, England und Spanien.Nirgendwo in diesen Ländern hätte ein kuriales Finanzgeschäft abgewickeltwerden können von der Art des die deutsche Reformationauslösenden Ablaßhandels.Die Reformation in Deutschland3Bald nach dem Abschluß des Wiener Konkordats, auf einemFrankfurter Kurfürstentag 1456, sind die Gravamina der deutschenNation zusammengestellt worden, eine Sammlung der Deutschlanddurch den römischen Stuhl auferlegten Beschwernisse. Die Gravaminaklagen Rom an, Deutschland nur als Objekt der Ausbeutung zubetrachten. Sie beklagen die Eingriffe in die Stellenbesetzung, die finanzielleAussaugung, die Willkür der päpstlichen Gerichtsbarkeit.Nicht die Kirche selbst wird da angegriffen, es ist vielmehr ein einzigerSchrei der Empörung gegen die Ungebühr der Regierung in Rom:Der Papst ist der Todfeind der deutschen Nation, denn er vernichtetihren Reichtum, ihre Freiheit und ihre Ehre (R. Stadelmann). Aufden deutschen Reichstagen immer wieder vorgetragen, amVorabendder Reformation vom nationalbewußten deutschen Humanismusaufgenommen, haben die Gravamina ein romfeindliches Klima geschaffen,noch ehe Luther hervorgetreten ist. Ohne die Gravaminader deutschen Nation hätte die Nation jenem ersten Ruf Luthersnicht geantwortet, wäre Luther nicht zum Reformator geworden,wäre die Reformation nicht gekommen. (J. Lortz).Das geistige Klima Deutschlands am Vorabend der Reformationwar romfeindlich, aber es war nicht kirchenfeindlich und schon garnicht irreligiös. Im Gegenteil: wohl nie hat kirchliches Leben inDeutschland so geblüht wie um 1500. Die Kirche ist in allen Schichtennoch fraglos als die geistig führende Macht anerkannt. Die skeptischenund paganistischen Strömungen der Renaissance, die in Italienund Frankreich eine höhere Bildungsschicht von Kirche undChristentum entfremden, fanden in Deutschland kaum Wurzelboden.Der deutsche Humanismus war, von Einzelgestalten wie ConradCeltis abgesehen, eine Bildungsbewegung, die mit ihrer Abwendungvon der Scholastik und Metaphysik und ihrer Hinwendungzur Philologie und Geschichte allenfalls die Schäden von Theologieund Kirche kritisierte, doch die religiösen Grundlagen der mittelalterlichenKirche nicht verließ. Ja, imWerk des Erasmus von Rotterdamging der Humanismus soeben die Verbindung mit der christlichenTheologie ein, bildete sich zu einem biblischen Humanismusweiter, dessen reformerische Impulse auf eine innere Erneuerung derChristenheit im Geist des biblischen Altertums zielten, den Rahmender bestehenden Kirche aber nirgendwo sprengten.Die humanistische Pädagogik verband sich bei den Brüdern vomgemeinsamen Leben mit der von der Tradition der deutschen My-Einführung4stik sich nährenden Frömmigkeit der Devotio moderna zu einerkräftigen, die Verinnerlichung des religiösen Lebens und seine praktischeBewährung im Alltag befördernden Reformbewegung, dieum 1500 durch das Schulwesen der Brüder auch Einfluß auf dasdeutsche Stadtbürgertum gewann. Die Erfindung der Buchdruckerkunstkam überwiegend dem Bedürfnis nach religiöser Bildung zugute. Wohlfeile Erbauungsbücher erlebten hohe Auflagen. In denStädten wuchsen die spätgotischen Hallenkirchen empor, Predigtkirchen,von deren Kanzeln die großen Volksprediger - ein Geilervon Kaysersberg, ein Thomas Murner - das Volk zur Buße riefen.Zugleich blühte an den Seitenaltären der Kirchen der Bilderkult; unüberschaubarder Reichtum an christlicher Malerei und Plastik geradeaus dieser Zeit. Es wuchsen die Meßstiftungen und mit ihnen dieZahl der meßlesenden Kleriker, die in manchen Städten schon einZehntel d...

NEUBUCH! 6., durchges. Aufl. 2006. XIII, 351 S. 18,5 cm 187 mm x 121 mm x 30 mm; UTB Uni-Taschenbücher Bd.1355

[SW: Kirchengeschichte, Deutschland, Geschichte; Geistes-/Kultur-Geschichte]

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