Thukydides
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Jung, Veronika: Thukydides und die Dichtung. Frankfurt/M., Bern, New York, Paris Peter Lang Vlg. 1991. ISBN: 978-3-631-44053-7
Seit der Antike wird die Geschichtsschreibung des Thukydides in Beziehung gesetzt zur Dichtung, insbesondere zur Tragödie. Dabei werden Gemeinsamkeiten mit der Dichtung allerdings kaum von der Intention des thukydideischen Gesamtwerks her interpretiert; auch bleibt bei Versuchen, "Tragisches" bei Thukydides nachzuweisen, eine Definition des Begriffs "tragisch" aus. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Forschung, die sich mit der Beziehung des Thukydides zur Dichtung befaßt; weiter werden Stellen interpretiert, an denen Thukydides sich explizit auf Dichtung und Dichter bezieht; schließlich werden Strukturaffinitäten zwischen Thukydides und der Dichtung anhand des Begriffs des tragischen Konflikts untersucht, wie er von Hegel aus der griechischen Tragödie entwickelt ist.
III, 178 S. Br. *neuwertig*
[SW: Klassische Philologie]
THUKIYDIDES. Schwinge, Ernst R: Komplexität und Transparenz. Thukydides: Eine Leseanleitung. ( Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften 121). Heidelberg: Winter 2008.
Die Studie geht der Frage nach, wie Thukydides den Peloponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) erzählerisch vergegenwärtigt hat. Die Frage drängt sich deshalb auf, weil dieser Krieg sich über eine extrem lange Zeit hin jeweils an mehreren Orten gleichzeitig abgespielt hat und sich damit als höchst komplexes Geschehen präsentierte. Das so gegebene darstellerische Problem hat Thukydides dadurch bewältigt, daß er das Gesamtgeschehen zum einen in mehrere Geschehensstränge ausdifferenziert hat. Außerdem hat er die Geschehensstränge nicht je für sich erzählerisch entfaltet. Vielmehr hat er sie sich am Leitfaden der Chronologie miteinander verschlingen lassen. Die diesbezüglichen umfänglichen, am Material der Bücher 3 - 7 durchgeführten Analysen suchen nicht nur die Struktur des thukydideischen Werks, sondern insbesondere dessen spezifische Eigenart als eines Geschichtswerks zu erhellen. Die Geschehensstränge, so zeigt sich, lassen jeweils paradigmatisch das Kriegsganze sichtbar werden, namentlich deshalb, weil Thukydides bei ihrer Entfaltung stets pointiert herausgearbeitet hat, welch ungeheuere Leiden gerade dieses Kriegsgeschehen durchgängig quantitativ und qualitativ generiert hat. In diesem Weg vermag Thukydides von einem, allerdings von einem für ihn entscheidenden Aspekt aus zu demonstrieren, was zu erweisen von Beginn an sein Ziel war: daß dieser Krieg der größte Krieg ist, der jemals in Griechenland stattgehabt hat.
182 S. Gr 8° Kart. *neuwertig*
[SW: Antike; Autor(in) und Werk; Klassische Philologie; Literaturwissenschaft; Thukydides]
Antike. Thukydides / Rilliet, A. [Albert] et Betant, E.-A. [Elie-Albert] (Trad.). Histoire de la guerre du Peloponese. Traduction nouvelle. Geneve, chez M.-E. Carey, Imprimeur-Editeur rue Verdaine, no. 285, 1837-1839.
Thukydides (A. Baumgartner S.J.: 'der Vater der politischen Geschichtsschreibung') "zeigt uns so sehr das Gegenteil tendenziöser Geschichtsschreibung, dass er zu allen Zeiten den Massstab gegeben hat, solche an ihm zu messen." (A. Lesky 1963, pp. 496-526, zit. p. 497). - Qualitätsvolle, interessante und seltene Genfer Ausgabe (nicht bei Graesse), in einer Übersetzung unter Beteiligung des namhaften Thukydides-Spezialisten Elie-Ami Betant. - Das Thema, der als Peloponnesischer Krieg bezeichnete Konflikt zwischen Athen und dem von Sparta geführten Peloponnesischen Bund in den Jahren 431-404 v. Chr., bleibt bis heute eine ständige und interessante Diskussion für (Kriegs-) Historiker und Strategiespezialisten. Was auch immer die Vorgänge im Detail waren, das Resultat jedenfalls des über 25jährigen Krieges war für Athen verheerend: "Athen lag am Boden; über Hellas errichtete Sparta eine brutale Hegemonie. Der immer rücksichtsloser geführte Krieg trug zum Zerfall althellenischer Sitte und zur Zersetzung der Polis bei. Die geschichtliche Darstellung [..] von Thukydides, die mit dem Jahre 411 abbricht, setzte Xenophon in den 'Hellenika' fort." (Brockh.14, 1972, p. 347). - Die Darstellung durch Thukydides bleibt eine massgebliche, da sie nicht bloss die primäre Quelle darstellt, sondern auch die Behandlung des Stoffes vorbildlich bewältigte. Aus kriegswissenschaftlicher Sicht beschäftigt sich Hans Delbrück eingehend mit den entsprechenden Problemen und der diesbezüglichen Kontroverse unter den Fachleuten. "Eine Geschichte der Kriegskunst ist keine allgemeine Kriegsgeschichte; dies möchte ich [..] zu bedenken geben [..]. [..] Ich will aber nicht unterlassen, vorauszuschicken, dass ich [..] die Darstellung des Thucydides und seine Beurteilung Kleons [..] für das schwierigste Thema und das feinste psychologische Problem in der ganzen Welt-Kriegsgeschichte halte. Thucydides hat unbedingt, ausschliesslich und vollkommen Recht; wer sich aber nicht damit begnügen will und mag, ihm einfach nachzuempfinden, sondern in selbständiger Analyse sein Urteil bilden will, der wage sich nicht eher daran, ehe er nicht Clausewitz durch und durch studiert und sich seine Psychologie der Strategie so zu eigen gemacht hat, dass er sie mit ganz selbständiger Sicherheit anzuwenden vermag." (Geschichte der Kriegskunst, 1, 3. Aufl. 1920, p. 114 f.). Delbrück, der sich nach eigener Aussage gern "zu den Thucydides-Theologen rechnen" lässt (op. cit. p. 22), macht sodann auf den bedeutenden Aspekt aufmerksam, dass Thucydides bereits die Komponente der Irrationalität in der Kriegführung mit berücksichtigte, ein Umstand, dessen Einbezug seither über Cäsar bis zu den Feldherren und Strategen der Neuzeit wie u.a. Friedrich d. Grosse, Napoleon, Clausewitz und Moltke seine Relevanz behielt: Eine "theoretisch bedeutsame Reflexion darf man darin sehen, dass Cäsar mit Vorliebe betont, welche Rolle der Zufall im Kriege spiele. Der früher oft gebrauchte Vergleich der Strategie mit dem Schachspiel ist deshalb das Gegenteil des Richtigen, weil dieses Spiel auf der umfassendsten und feinsten Berechnung, die Strategie auf der Beherrschung auch des Unberechenbaren beruht. Deshalb verlangt die Ausübung der Kunst der Heerführung nicht bloss die Intelligenz, sondern die ganze Persönlichkeit des Mannes, der auch dem Zufalle trotzt, ihm mit immer neuen Auskünften begegnet und dadurch endlich das launische Glück zwingt und an seinen Wagen fesselt. Als den ersten, der sich das Wesen des Krieges nach dieser Richtung klar gemacht hat, werden wir Thucydides anzusehen haben. Das Wort, welches er dem Perikles in den Mund legt, 'dass die Gelegenheiten im Kriege nicht warten', haben wir [..] bereits angeführt. [..] Es sind die Grundgedanken der Clausewitzschen Kriegsphilosophie, die hier zuerst aufleuchten, die Erkenntnis, dass es ein irrationales Element im Kriege gibt, dem der Feldherr sein Schicksal anzuvertrauen wagen muss." (op. cit. p. 617). -- Albert Rilliet [de Candolle] (1809-1883), Professor der Literatur an der Akademie Genf 1844, resignierte infolge der Revolution von 1846, beschäftigte sich dann mit historischen und exegetischen Arbeiten. Rilliet gründete 1846 mit De la Rive und Ernest Naville das freie Gymnasium, das bis 1857 bestand. (HBLS). - Elie-Ami Betant (Genf 1803-1871 ibid.), von Genf. Theologe, Gräzist, Übersetzer und Politiker. Theologiestudium in Genf. 1827-1829 als begeisterter Philhellene Sekretär des griechischen Präsidenten Ioannes Antonios Kapodistrias. 1829-1848 unterrichtete Betant Griechisch am altsprachlichen Progymnasium, 1848-1871 als ord. Professor am neu geschaffenen Gymnasium in Genf sowie Rektor des altsprachlichen Progymnasiums und des Gymnasiums. 1842 Mitglied des Genfer Verfassungsrats, 1845-1848 des Gr. Rats, 1845-1851 in der Legislative, 1845-1847 (1846 Präs.) in der Exekutive der Stadt Genf. Ab 1867 Konsul Griechenlands. Als Gräzist erarbeitete Betant meist für die Schule bestimmte Textausgaben, Übersetzungen (u.a. Herodot, Thukydides) und das 'Lexicon Thucydideum' (1843-47). (U. Dill, in: HLS). 1863 erschien bei Hachette in Paris eine eigenständige Bearbeitung unter dem Titel 'Histoire de la guerre du Peloponese de Thucydide. Traduction nouvelle avec une introduction et des notes par E.-A. Betant', die noch bis 1904 mehrere Male neu aufgelegt wurde (vgl. die Einträge des französ. VK ABES).
2 vol. Kl.-8°. XIV, 1 Bl., 464 u. 440 SS. Lithogr. Faltkt. i. Anhang. HLdr. d.Zt. mit marmor. Deckeln (etwas lichtrandig/verfärbt, Rückenvergoldung berieben). Seiten stellenweise wasserrandig (v.a. unt. Ecke v. Bd. 1 u. ebenso letzte Lage von Bd. 2 mit Karte). Alters- und Lagerungs-, wenig eigentliche Gebrauchsspuren. Gesamthaft recht ordentliches (gutes Gebrauchs-) Exemplar.
[SW: Antike. Autoren. Historiker. Griechische Geschichte. Geschichtsschreibung. Kriegsgeschichte. Griechischer Krieg. Kriege. Sprache. Sprachen. Griechisch. Französisch. Francais. Langue francaise. Französische Übersetzung. Übersetzungen. Sprachkunde. Sprachwissenschaft. Sprachforschung. Philologie. Altphilologie. Romanistik. Graecistik. Graezistik. Griechen. Hellenen. Historische Literatur. Griechisches historisches Schrifttum. Literaturwissenschaft. Syngraphe. Canton Ville de Geneve. Traducteur. Traducteurs. Traductions. Editions genevoises. Imprimeurs genevois. Imprimerie genevoise. Imprimeries. Librairie. Libraire. Libraires. Drucke. Drucker. Druckereien. Verlage. Buchhandel. Buchhandlungen. Huguenots.]
Montgomery, Hugo: Gedanke und Tat. Zur Erzählungstechnik bei Herodot, Thukydides, Xenophon und Arrian. Lund: Gleerup, 1965.
Einband stärker berieben bzw. beschabt (U4). - I. HERODOT. A. Einleitung. B. Formen seelischer Vorgänge, denen Herodot Bedeutung für eine Handlung beimisst. 1. Die Kenntnis von Tatsachen. 2. Überlegung oder Plan. 3. Gefühle. 4. Der Entschluss oder das Begehren, ein Vorhaben auszuführen. Entschluss. Begehren. Zusammenfassung. C. Anwendung und Vorkommen der Aussagen über seelische Vorgänge. D. Geschichtlichkeit. E. Die Arbeitsweise Herodots. F. Ziel und Sinn der seelischen Begründungen. G. Schlusswort. II. THUKYDIDES. A. Einleitung. B. Formen seelischer Vorgänge, denen Thukydides Bedeutung für eine Handlung beimisst 1. Die Kenntnis von Tatsachen. 2. Überlegung oder Plan. 3. Gefühle. 4. Der Entschluss oder das Begehren, ein Vorhaben auszuführen C. Vergleich der Schilderungen seelischer Vorgänge bei Thukydides und Herodot. D. Vorkommen und Anwendung der Aussagen über seelische Vorgänge E. Geschichtlichkeit. F. Die Arbeitsweise des Thukydides. 1. Seelische Aktivität in Kollektiven. 2. Seelische Vorgänge bei Individuen. G. Schlusswort. III. XENOPHON. Einleitung. Hellenica. A. Seelische Vorgänge, denen Xenophon Bedeutung für eine Handlung beimisst. 1. Die Kenntnis von Tatsachen. 2. Überlegung oder Plan. 3. Gefühle. 4. Entschluss, Begehren. B. Ziel und Sinn der Darstellung seelischer Vorgänge C. Transzendentale Geschichtsauffassung. Anabasis. A. Seelische Vorgänge, denen Xenophon Bedeutung für eine Handlung beimisst. 1. Die Kenntnis von Tatsachen. 2. Überlegung oder Plan. 3. Gefühle. 4. Entschluss, Begehren. B. Zurückhaltung Xenopohons bei der seelischen Motivation C. Darstellung der eigenen seelischen Aktivität Xenophons. 1. Textstellen von untergeordneter Bedeutung. 2. Die Stadtgründung. 3. Die Nacht der Entscheidung. 4. Macht und Ruhm. Cyropaedia. A. Einleitung. B. Seelische Vorgänge, denen Xenophon Bedeutung für Kyros' Handeln beimisst. 1. Die Kenntnis von Tatsachen. 2. Überlegung oder Plan. 3. Gefühle. 4. Entschluss, Begehren. C. Motivierung der Handlungen anderer Personen. Zusammenfassung. A. Anwendung und Vorkommen der Aussagen über seelische Vorgänge. B. Geschichtlichkeit. C. Die Arbeitsweise Xenophons. D. Quellenwert. 1. Xenophon und Thukydides. 2. Philosophischer Hintergrund. 3. Ethopoiia. E. Schlusswort. IV. ARRIAN. A. Einleitung. B. Seelische Begründung der Handlungen Alexanders. 1. Taktische und sachliche Erwägungen. 2. Subjektive Rücksichten und Gefühlsreaktionen 3. Entschluss, Begierde, pothos. a. Entschluss. b. Begierde. c. Pothos. Zusammenstellung der Textstellen. Alexanders "pothos", Zusammenfassung. Deutungen der pothos-Formel. Die Bedeutung der pothos-Formel. G. Arrians Auffassung von Alexander. D. Der Einfluss der Hauptgewährsmänner Arrians auf seine Auffassung der inneren Antriebe Alexanders. 1. Ptolemaios. 2. Aristoboulos. 3. Nearchos. 4. Zusammenfassung. E. Der Einfluss der philosophischen Schulen und der ,,Alexandervulgata''. F. Alexander und das Schicksal. G. Schlusswort. ABSCHLUSS. Abkürzungen. Texteditionen und Kommentare. Literaturverzeichnis. Stellenregister. -
XVII; 270 S. Broschiert.
[SW: Altertum, Antike, Literatur, Geschichtsschreibung, Herodot, Thukydides, Xenophon, Arrian, Literaturwissenschaft]



