Baum Verwandelte Welt
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Kaltenmark, Hubert: "Du mußt dir deine eigene Welt schaffen". (Skulpturen). Text: Anja Bücking. 1991.
Sehr gutes Ex. - "Du mußt dir deine eigene Welt schaffen." - Diese Worte von Milos Chlupac stellen gewiß kein Regelwerk oder ein steifes Motto dar, sondern fordern vielmehr zu einem spielerischen Umgang mit den hier gezeigten Plastiken von Hubert Kaltenmark auf. An Ernsthaftigkeit soll es dennoch nicht fehlen, da jede Plastik für sich ein Stück Weg einer Welt ist, die schrittweise in einem künstlerischen Entwicklungsprozeß geschaffen werden will. Kaltenmark arbeitet überwiegend in Stein, zu dem durchaus andere Materialien, wie Holz, Metall oder Vogelfedern hinzutreten oder ganz für sich stehen. Wie wichtig das Material für die Aussagekraft seiner Plastiken ist, wird von vornherein deutlich. Stein in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen von Farbe, Härte und Weiche, Dichte und Porosität birgt in sich einen Widerstand der schnelles oder gar serienmäßiges Arbeiten unmöglich macht. Sein monolitischer Charakter und seine Einfachheit dienen ihm als Ausdruck von Kraft und Ewigkeit, sowie als Symbol für die Welt, für Irdisches. Steine sind ganz einfach da, sie wachsen nicht erst wie Bäume und unterliegen nicht dem lebendigen Prozeß von Werden und Vergehen wie Holz. Ein Stein kann nicht zerstört werden, man kann ihn kleinschlagen, zu Staub machen, aber seinen steinernen Charakter kann man ihm nicht nehmen. So stellt der erste Teil dieses Katalogs ein Experimentieren mit Materialien dar, das Thema mit dem Material in Einklang zu bringen. So drücken sich die Ruhe und die Standhaftigkeit des Stieres in der Klarheit der dreieckigen Form des Körpers aus, die in der Formumkehrung des Dreiecks im Kopf, also mit der Spitze nach unten weisend, einen Ausdruck von Kraft und Aufbegehren erlangt. "Daphne" und der "Falter" sind in ihrem metamorphosen Charakter Symbole der Ewigkeit, die ihre Form in Umwandlungsgestein fanden. "Daphne" verwandelte sich der Sage nach in einen Baum, um Apoll zu entfliehen und findet bei Kaltenmark ihre Gestalt in einem Gestein aus versteinerten Blättern. Den "Falter" als vollendete Daseinsstufe eines langen Werdegangs der Loslösung, nämlich vom Ei zur Raupe und der Verpuppung bis hin zur Entfaltung, hält er im Konklomerat fest, einem Gestein, das aus losen Kieseln, die sich mit Kalk neu verbanden, besteht. Das "Gebot", eine Plastik aus Holz und Stein, verdeutlicht den spielerischen Umgang mit zwei in ihrer Substanz konträren Materialien. Durch seine Geradheit, seine in Segmente gegliederte Oberfläche, sein aufrechtes Element bietet der Balken eine unmittelbare Konfrontation, jedoch die Standhaftigkeit und das Gebietende erhält er erst durch seine steinerne Basis. Dem "Gebot" liegt eine Art Verewigung zugrunde, wo das Lebendige - Holz in Stein - zu einem Gebot erstarrt, an dem, so scheint es, nicht mehr zu rütteln ist!? H. K. geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er Holz wie Stein bearbeitet, zum Beispiel im Flötenrelief 2 und in der Flötensteele. Bilden die Arbeiten von Kaltenmark zunächst ein Ineinanderspiel von Thema, Material, Form und Oberfläche, die mehr das Unsichtbare als das real Sichtbare zeigen, so bildet die zweite Hälfte des Katalogs den Weg in das Unsichtbare. Es entstehen nämlich Löcher - der Weg ins Innere des Steins wird freigegeben. Zunächst sind es "Flötensteine", die durch den Luftzug beim streichen über die Löcher leise säuseln. Neue Grenzen aber auch Tiefen des Steins, die vorher allein durch die äußere Form bedingt waren, geben nun dem Inneren einen Raum. Mehr und mehr weicht die äußere Form der inneren Form. Die Löcher verselbständigen sich in Durchmesser, Tiefe und Anordnung, so daß nur noch Thema und Material im Vordergrund stehen. Die Form weicht dem Raum. Das Loch wird zur Frage an den Stein, zur Frage an uns selbst. -
24 S., durchgehen illustriert. Broschiert.
[SW: Hubert Kaltenmark, Skulptur, Bildhauer, Stein, Holz, Plastik]




