Donner Geschichte Israels

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Donner, Herbert: Herrschergestalten in Israel. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 1970.
Gutes Ex. - Verständliche Wissenschaft Band 103. - ... es ist die Nachgeschichte des Alten Testamentes im christlichen Bewußtsein, die die Königsgestalten Israels hat erstarren lassen: zu Repräsentanten einprägsamer Einzelgeschichten und zu Stammbaumfiguren des Erlösers. Darüber ist nicht zu klagen; der Vorgang signalisiert an einem einzelnen, für sich genommen nicht sehr bedeutsamen Beispiele die Christianisierung des Alten Testamentes überhaupt, die schlechterdings nicht rückgängig gemacht werden kann. Nur in christianisierter Gestalt hat das Alte Testament seinen Ort im Horizont des christlichen Bewußtseins. Die Bilder, die es hervorgebracht, und die Motive, die es in die Christentumsgeschichte eingebracht hat, gehören zu den unveräußerlichen Bestandteilen der christlichen Vorstellungswelt. Die Könige von Israel befinden sich auf dem Platz, an den sie gehören, und haben die Gestalt, die ihnen zukommt. Niemand kann daran etwas ändern. Es wird sich auch dann nicht ändern, wenn man - wie in diesem Buche - einen Versuch unternimmt, die Könige mit anderen Augen zu betrachten. Ein Versuch könnte sich lohnen. Denn die Texte des Alten Testamentes, die von den Königen Israels berichten, sind nicht von der Art, daß sie ein typisiertes Königsbild notwendig hervorbrächten. Sie sind vielmehr lebendig, farbenreich, voller Bewegung und gestatten durchaus, sich eine Vorstellung von jeweils individueller Eigenart zu machen. Dazu müssen sie freilich als historische Urkunden genommen und wie solche behandelt werden; d. h. ihre Betrachtung und Verwertung muß mit den Methoden historischer Kritik geschehen, die keineswegs nur für biblische Texte, sondern für alle literarischen Zeugnisse des Altertums gleichermaßen sachgemäß ist. Soweit es die Bibel und in ihr besonders das Alte Testament betrifft, handelt es sich um die sogenannte, oft geschmähte historisch-kritische Exegese, die als wissenschaftliche Methode auf dem Boden der christlichen Theologie im Zeitalter der europäischen Aufklärung entstanden und seitdem zu hoher Vollkommenheit entwickelt worden ist. Der Widerspruch, das Unbehagen, das sie auslöst, sind verständlich; denn ihr Effekt besteht in der Verfremdung des dem christlichen Bewußtsein Vertrauten, im Falle des Alten Testamentes geradezu in der Verfremdung auf die Vorgeschichte des Christentums hin. (VII).

XI; 123 S. Broschiert.

[SW: Israel, Könige, Geschichte, Altertum, Religion, Altes Testament, Christentum]

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