Freytag Soll und Haben

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Freytag, Gustav: Bilder aus der deutschen Vergangenheit. 3 Bände. Leipzig: Fikentscher, o.J..
Gute Exemplare. - 3 Bände. - Mit den tendentiell antisemitischen Formulierungen und Themen vor allem in den Kapiteln zum 30jährigen Krieg. - Aus dem Mittelalter; Vom Mittelalter zur Neuzeit // Vom Mittelalter zur Neuzeit (Forts.); Aus dem Jahrhundert der Reformation (1500-1600); Aus dem Jahrhundert des großen Krieges (1600-1700) // Aus dem Jahrhundert des großen Krieges (1600-1700) (Forts.); Aus neuer Zeit (1700-1848). -- 1844 erschien Freytags erstes Stück "Die Brautfahrt oder Kunz von den Rosen", ein Lustspiel über Kaiser Maximilian, für das er den Preis der Berliner Hofbühne gewann. 1847 erschienen die Schauspiele "Die Valentine" und "Graf Waldemar"; im Gegensatz zu ihnen war Freytags 1854 erschienenes Lustspiel "Die Journalisten", erfolgreich. Zwischen 1859 und 1867 entstand sein kulturgeschichtliches Hauptwerk "Bilder aus der deutschen Vergangenheit" in vier Bänden. Freytag schildert darin die deutsche Geschichte am Beispiel ausgewählter Quellentexte. Das Werk, das im Salomon Hirzel Verlag in Leipzig erschien, erfuhr bis 1909 je nach Band zwischen 27 und 32 Auflagen und gehört damit zu den beliebtesten deutschen Geschichtswerken des 19. Jahrhunderts überhaupt. Aufgrund seines Romans "Soll und Haben", der 1855 erschien, wurde Freytag nach dem Zweiten Weltkrieg wegen seiner angeblich antisemitischen Tendenz zum Teil heftig kritisiert. Deutlich wurde dies in der Debatte um die Verfilmung von "Soll und Haben" im Jahr 1977 durch Rainer Werner Fassbinder, die letztlich zur Aufgabe des Projekts durch den WDR führte. Hauptgrund hierfür ist die Darstellung des gewissenlosen, amoralischen und habgierigen jüdischen Kaufmanns Veitel Itzig, den Freytag der Figur des redlichen, von hohem Arbeitsethos geprägten Protagonisten Anton Wohlfart gegenüberstellt. Andererseits hat Freytag sich in mehreren Aufsätzen (Der Streit über das Judentum in der Musik, gegen Richard Wagner, sowie Über den Antisemitismus. Eine Pfingstbetrachtung) ausdrücklich gegen den Antisemitismus ausgesprochen. Weiterhin stellt Freytag in Soll und Haben auch Angehörige z.B. des deutschen Adels als moralisch verworfen dar, während andere Figuren jüdischer Abstammung (u.a. die Eltern des Veitel Itzig) durchaus positiv geschildert werden. 1844 erschien Freytags erstes Stück "Die Brautfahrt oder Kunz von den Rosen", ein Lustspiel über Kaiser Maximilian, für das er den Preis der Berliner Hofbühne gewann. 1847 erschienen die Schauspiele "Die Valentine" und "Graf Waldemar"; im Gegensatz zu ihnen war Freytags 1854 erschienenes Lustspiel "Die Journalisten", erfolgreich. Zwischen 1859 und 1867 entstand sein kulturgeschichtliches Hauptwerk "Bilder aus der deutschen Vergangenheit" in vier Bänden. Freytag schildert darin die deutsche Geschichte am Beispiel ausgewählter Quellentexte. Das Werk, das im Salomon Hirzel Verlag in Leipzig erschien, erfuhr bis 1909 je nach Band zwischen 27 und 32 Auflagen und gehört damit zu den beliebtesten deutschen Geschichtswerken des 19. Jahrhunderts überhaupt. Aufgrund seines Romans "Soll und Haben", der 1855 erschien, wurde Freytag nach dem Zweiten Weltkrieg wegen seiner angeblich antisemitischen Tendenz zum Teil heftig kritisiert. Deutlich wurde dies in der Debatte um die Verfilmung von "Soll und Haben" im Jahr 1977 durch Rainer Werner Fassbinder, die letztlich zur Aufgabe des Projekts durch den WDR führte. Hauptgrund hierfür ist die Darstellung des gewissenlosen, amoralischen und habgierigen jüdischen Kaufmanns Veitel Itzig, den Freytag der Figur des redlichen, von hohem Arbeitsethos geprägten Protagonisten Anton Wohlfart gegenüberstellt. Andererseits hat Freytag sich in mehreren Aufsätzen (Der Streit über das Judentum in der Musik, gegen Richard Wagner, sowie Über den Antisemitismus. Eine Pfingstbetrachtung) ausdrücklich gegen den Antisemitismus ausgesprochen. Weiterhin stellt Freytag in Soll und Haben auch Angehörige z.B. des deutschen Adels als moralisch verworfen dar, während andere Figuren jüdischer Abstammung (u.a. die Eltern des Veitel Itzig) durchaus positiv geschildert werden. -

677; 676 u 657 S. Originalleinen.

Details

Freytag, Gustav: Soll und Haben. Roman. Zwei Bände. Hermann Hillger Verlag Ohne Auflagenangabe 1929 Berlin
381, 390S. 8°

Halbleder Zwei fadengeheftete, goldgeprägte Halbledereinbände mit marmoriertem Deckelpapier und Farbkopfschnitt. Einbände und Schnitte berieben und nachgedunkelt, Namenszug und Datum auf den Titelblättern, Papier altersgemäß leicht nachgedunkelt, ansonsten gute Erhaltung. Gesetzt in Fraktur. Soll und Haben ist ein 1855 erschienener Roman in sechs Büchern von Gustav Freytag. Er gehört zu den meistgelesenen Romanen im 19. Jahrhundert und ist ein Vertreter des bürgerlichen Realismus. Anton Wohlfart, Sohn eines verstorbenen Kalkulators, wird auf die Bitte seines Vaters hin in das Kontor von Herrn T. O. Schröter in Breslau aufgenommen. Auf dem Weg zur Stadt lernt er durch Zufall Lenore, die Tochter des Freiherrn Rothsattel kennen, in die er sich verliebt. Am selben Tag begegnet er auch Veitel Itzig, einem ehemaligen jüdischen Schulkameraden, welcher ihn in die Stadt begleitet. Der junge Anton arbeitet sehr gewissenhaft in diesem Kontor, was ihm eine verkürzte Lehrzeit verschafft. Sein neuer Freund, Fritz Fink, erreicht bald, dass Anton zu Tanzstunden des Adels eingeladen wird, wo er Lenore wieder trifft. Als er aber von einigen Gerüchten seine Herkunft betreffend erfährt, bricht er mit der adeligen Gesellschaft, was ihm wegen der Bekanntschaft mit Lenore sehr leid tut. Später lernt er Bernhard kennen, den Sohn des jüdischen Kaufmanns Hirsch Ehrenthal, welchen er sofort in sein Herz schließt. Für Herrn Ehrenthal arbeitet nun Veitel Itzig, welcher von dem ehemals sehr erfolgreichen Rechtsanwalt, Herrn Hippus, unterrichtet wird. Herr Hippus verlor seinen Ruhm aufgrund unehrlicher Geschäfte mit Kunden. Als Familie Rothsattel ihrer verschwenderischen Lebensweise wegen in Geldsorgen gerät, macht Herr Rothsattel einige Geschäfte mit Herrn Ehrenthal, welcher von Veitel Itzig mittlerweile stark beeinflusst wird. Als die Geldsorgen den Baron nun schwerer drücken, beschließt er eine Zuckerfabrik auf seinem Gut zu errichten. Obwohl Herr Ehrenthal weiß, dass der Baron seine Schulden nicht begleichen und somit sein Gut durch den Bau der Fabrik verlieren werde, rät er ihm zu diesem, da er auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, das Gut dann zu übernehmen. Als Bernhard von diesem Vorhaben erfährt, will er den Vater davon abbringen. Dieser Versuch scheitert, da Veitel Itzig dies zu verhindern weiß, da er selbst auf den Erhalt des Gutes hofft. Bernhard stirbt kurze Zeit später an einer Krankheit. Als der Gutsherr seine missliche Lage erkennt, versucht er sich zu erschießen, überlebt diesen Versuch aber. Später unterstützt Anton die Familie beim Erhalt ihres Gutes, indem er das Kontor verlässt und selbst auf dem Gut arbeitet. Er bricht dies aber wegen schwerwiegenden Vorwürfen des verzweifelten Herrn Rothsattels nach einiger Zeit ab. Fritz Fink übernimmt das Gut und bekommt Lenore zur Frau. Veitel Itzig wird wegen unehrlicher Geschäfte polizeilich verfolgt und kommt dabei um. Als Anton als Besuch in sein altes Kontor kommt, wird er von Herrn Schröter in die Geschäftsführung aufgenommen und verliebt sich in Sabine, die Schwester des Inhabers. Die Figuren des Romans werden von Gustav Freytag in drei Bezugsgruppen unterteilt. Dies sind auf der einen Seite die bürgerliche Welt, auf der anderen Seite die adelige Welt und die Juden. Die bürgerliche Kaufmannsfamilie Schröter repräsentiert Freytags Ansicht nach den idealen Typen der bürgerlichen Schicht. Sie zeichnet sich durch Ordnung, Ehrlichkeit und bürgerliche Tugenden aus. Für diese Familie gab es ein reales Vorbild: Gustav Freytag war ein enger Freund der Breslauer Kaufmannsfamilie Molinari, deren Großhandelshaus unter Theodor und Leo Molinari eines der bedeutendsten Unternehmen im Breslau des 18. und 19. Jahrhunderts war. Die jüdische Kaufmannsfamilie Ehrenthal stellt die unangepasste, nach materiellem Reichtum strebende und unehrliche Gruppe dar. Den Adel präsentiert die Familie Rothsattel. Sie lebt abgeschottet vom Bürgertum und fordert für sich Privilegien. Beispielhaft für das Leben über ihren Verhältnissen ist der finanzielle Ruin, der droht. Der Held des Romans ist Anton Wohlfart. Sein Lebensweg verläuft über mehrere Stationen hin zu einem Ziel. In diesem, den ganzen Roman andauernden Prozess, entwickelt sich Anton von seinen träumerischen Illusionen zu der bürgerlichen Welt, die Freytag vertritt. Dieser vertritt die Überzeugung "dass die freie Arbeit allein das Leben der Völker groß und sicher und dauerhaft macht." Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte wurde Freytag in den 1970er Jahren öfters vorgeworfen, in Soll und Haben antisemitische Stereotype verwendet zu haben. So sollen sie für ihn die Gruppe darstellen, die von Natur aus einzig auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Er gibt ihnen als "typisch" empfundene Namen (z.B. Veitel Itzig, Hirsch Ehrenthal). Zudem soll Freytag eine stark antislawische Haltung zeigen. Er beschuldige die Polen der Kulturlosigkeit und spreche ihnen deshalb ihre Tüchtigkeit bei der Arbeit ab. Als Lösung sieht er eine Anpassung an das deutsche Bürgertum, dem er generell eine höhere Tüchtigkeit bei der Arbeit zuspricht. Daneben lässt Freytag allerdings auch jüdische und polnische Charaktere auftreten, die sich entgegen seinem klischeehaften Bild verhalten, wie etwa Bernhard, den intellektuellen Sohn Hirsch Ehrenthals und Freund Antons, der die Geldgier und die skrupellosen Geschäfte seines Vaters aufs schärfste verurteilt, sowie einen gewissen polnischen Offizier, der Anton und dessen Kontor mehrmals vor dem polnischen Pöbel schützt. Einerseits befinden sich diese Figuren in der Minderheit, andererseits bekräftigen die "Ausnahmen" das jeweilige Stereotyp. Soll und Haben (D, 1924), unter der Regie von Carl Wilhelm, mit Hans Brausewetter, Mady Christians, Ernst Deutsch, Hugo Döblin, Karl Etlinger, Heinrich George, Olga Tschechowa u.a. Im Jahr 1977 hätte Soll und Haben durch Rainer Werner Fassbinder verfilmt werden sollen, doch wurde dieses Projekt nach einer langen Debatte bezüglich des Antisemitismus des Stoffes aufgegeben.

[SW: Deutsche Literatur | Roman]

Details

Freytag, Gustav: Soll und Haben. Roman in sechs Büchern (in einem Band). Mit einem Nachwort von Hans Mayer. Textredaktion Meinhard Hasenbein. (= Parkland- Klassiker). Parkland Verlag (Lizenz des Hanser Verlags) Lizenzausgabe 1977 Stuttgart ISBN: 3880591482
844S. 8°

Leinen Roter Ganzleineneinband mit goldener Rückenbeschriftung und illustriertem Schutzumschlag. Die untere Umschlag- und Einbandecke mit kleiner Stauchung, Namenszug auf innerem Hinterdeckel, einzelne Seiten mit kleinem Knickchen der unteren Ecke, ansonsten rundum guter Zustand. Soll und Haben ist ein 1855 erschienener Roman in sechs Büchern von Gustav Freytag. Er gehört zu den meistgelesenen Romanen im 19. Jahrhundert und ist ein Vertreter des bürgerlichen Realismus. Anton Wohlfart, Sohn eines verstorbenen Kalkulators, wird auf die Bitte seines Vaters hin in das Kontor von Herrn T. O. Schröter in Breslau aufgenommen. Auf dem Weg zur Stadt lernt er durch Zufall Lenore, die Tochter des Freiherrn Rothsattel kennen, in die er sich verliebt. Am selben Tag begegnet er auch Veitel Itzig, einem ehemaligen jüdischen Schulkameraden, welcher ihn in die Stadt begleitet. Der junge Anton arbeitet sehr gewissenhaft in diesem Kontor, was ihm eine verkürzte Lehrzeit verschafft. Sein neuer Freund, Fritz Fink, erreicht bald, dass Anton zu Tanzstunden des Adels eingeladen wird, wo er Lenore wieder trifft. Als er aber von einigen Gerüchten seine Herkunft betreffend erfährt, bricht er mit der adeligen Gesellschaft, was ihm wegen der Bekanntschaft mit Lenore sehr leid tut. Später lernt er Bernhard kennen, den Sohn des jüdischen Kaufmanns Hirsch Ehrenthal, welchen er sofort in sein Herz schließt. Für Herrn Ehrenthal arbeitet nun Veitel Itzig, welcher von dem ehemals sehr erfolgreichen Rechtsanwalt, Herrn Hippus, unterrichtet wird. Herr Hippus verlor seinen Ruhm aufgrund unehrlicher Geschäfte mit Kunden. Als Familie Rothsattel ihrer verschwenderischen Lebensweise wegen in Geldsorgen gerät, macht Herr Rothsattel einige Geschäfte mit Herrn Ehrenthal, welcher von Veitel Itzig mittlerweile stark beeinflusst wird. Als die Geldsorgen den Baron nun schwerer drücken, beschließt er eine Zuckerfabrik auf seinem Gut zu errichten. Obwohl Herr Ehrenthal weiß, dass der Baron seine Schulden nicht begleichen und somit sein Gut durch den Bau der Fabrik verlieren werde, rät er ihm zu diesem, da er auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, das Gut dann zu übernehmen. Als Bernhard von diesem Vorhaben erfährt, will er den Vater davon abbringen. Dieser Versuch scheitert, da Veitel Itzig dies zu verhindern weiß, da er selbst auf den Erhalt des Gutes hofft. Bernhard stirbt kurze Zeit später an einer Krankheit. Als der Gutsherr seine missliche Lage erkennt, versucht er sich zu erschießen, überlebt diesen Versuch aber. Später unterstützt Anton die Familie beim Erhalt ihres Gutes, indem er das Kontor verlässt und selbst auf dem Gut arbeitet. Er bricht dies aber wegen schwerwiegenden Vorwürfen des verzweifelten Herrn Rothsattels nach einiger Zeit ab. Fritz Fink übernimmt das Gut und bekommt Lenore zur Frau. Veitel Itzig wird wegen unehrlicher Geschäfte polizeilich verfolgt und kommt dabei um. Als Anton als Besuch in sein altes Kontor kommt, wird er von Herrn Schröter in die Geschäftsführung aufgenommen und verliebt sich in Sabine, die Schwester des Inhabers. Die Figuren des Romans werden von Gustav Freytag in drei Bezugsgruppen unterteilt. Dies sind auf der einen Seite die bürgerliche Welt, auf der anderen Seite die adelige Welt und die Juden. Die bürgerliche Kaufmannsfamilie Schröter repräsentiert Freytags Ansicht nach den idealen Typen der bürgerlichen Schicht. Sie zeichnet sich durch Ordnung, Ehrlichkeit und bürgerliche Tugenden aus. Für diese Familie gab es ein reales Vorbild: Gustav Freytag war ein enger Freund der Breslauer Kaufmannsfamilie Molinari, deren Großhandelshaus unter Theodor und Leo Molinari eines der bedeutendsten Unternehmen im Breslau des 18. und 19. Jahrhunderts war. Die jüdische Kaufmannsfamilie Ehrenthal stellt die unangepasste, nach materiellem Reichtum strebende und unehrliche Gruppe dar. Den Adel präsentiert die Familie Rothsattel. Sie lebt abgeschottet vom Bürgertum und fordert für sich Privilegien. Beispielhaft für das Leben über ihren Verhältnissen ist der finanzielle Ruin, der droht. Der Held des Romans ist Anton Wohlfart. Sein Lebensweg verläuft über mehrere Stationen hin zu einem Ziel. In diesem, den ganzen Roman andauernden Prozess, entwickelt sich Anton von seinen träumerischen Illusionen zu der bürgerlichen Welt, die Freytag vertritt. Dieser vertritt die Überzeugung "dass die freie Arbeit allein das Leben der Völker groß und sicher und dauerhaft macht." Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte wurde Freytag in den 1970er Jahren öfters vorgeworfen, in Soll und Haben antisemitische Stereotype verwendet zu haben. So sollen sie für ihn die Gruppe darstellen, die von Natur aus einzig auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Er gibt ihnen als "typisch" empfundene Namen (z.B. Veitel Itzig, Hirsch Ehrenthal). Zudem soll Freytag eine stark antislawische Haltung zeigen. Er beschuldige die Polen der Kulturlosigkeit und spreche ihnen deshalb ihre Tüchtigkeit bei der Arbeit ab. Als Lösung sieht er eine Anpassung an das deutsche Bürgertum, dem er generell eine höhere Tüchtigkeit bei der Arbeit zuspricht. Daneben lässt Freytag allerdings auch jüdische und polnische Charaktere auftreten, die sich entgegen seinem klischeehaften Bild verhalten, wie etwa Bernhard, den intellektuellen Sohn Hirsch Ehrenthals und Freund Antons, der die Geldgier und die skrupellosen Geschäfte seines Vaters aufs schärfste verurteilt, sowie einen gewissen polnischen Offizier, der Anton und dessen Kontor mehrmals vor dem polnischen Pöbel schützt. Einerseits befinden sich diese Figuren in der Minderheit, andererseits bekräftigen die "Ausnahmen" das jeweilige Stereotyp. Soll und Haben (D, 1924), unter der Regie von Carl Wilhelm, mit Hans Brausewetter, Mady Christians, Ernst Deutsch, Hugo Döblin, Karl Etlinger, Heinrich George, Olga Tschechowa u.a. Im Jahr 1977 hätte Soll und Haben durch Rainer Werner Fassbinder verfilmt werden sollen, doch wurde dieses Projekt nach einer langen Debatte bezüglich des Antisemitismus des Stoffes aufgegeben.

[SW: Deutsche Literatur | Roman | Klassiker]

Details

Freytag, Gustav: Soll und Haben. Roman in sechs Büchern (in einem Band) H. Fikentscher, Leipzig 10. Tausend Dezember 1944 Leipzig
845 S.S. 8°

Pappe Soll und Haben ist ein 1855 erschienener Roman in sechs Büchern von Gustav Freytag. Er gehört zu den meistgelesenen Romanen im 19. Jahrhundert und ist ein Vertreter des bürgerlichen Realismus. Es ist weithin unbestritten, daß Gustav Freytags (1816-1895) Kaufmannsroman "Soll und Haben" eine der schönsten Leistungen in der Reihe realistischer bürgerlicher Zeitromane des 19. Jahrhunderts darstellt. Daß er dennoch nicht mehr gedruckt wird, liegt wohl an dem in den letzten Jahren immer wieder erhobenen Vorwurf, "Soll und Haben" sei antisemitisch. Den Vorwurf zieht das Buch durch seinen negativen Helden Veitel Itzig - einen durchtriebenen, ehrgeizigen und hinterlistigen jüdischen Kaufmann - auf sich. Nun ist die Figur des verschlagenen jüdischen Händlers ja geradezu ein Topos der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts, und auch Dickens hat ihr mit seinem "Uriah Heep" Gestalt gegeben. Der Vorwurf des Antisemitismus gegen Gustav Freytag selbst ist jedenfalls völlig unsinnig: In seinem gegen Richard Wagner gerichteten Aufsatz "Der Streit über das Judentum" (1869) plädierte Freytag für eine gemeinsame Anstrengung von Deutschen und Juden zur Zerstörung der Gettostrukturen und zur Integration. Freytag wurde dadurch auch bei den jüdischen Lesern zu einem respektierten Schriftsteller. Er trat dem 1890 gegründeten "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" bei und bekämpfte offen den aufkommenden rassistischen Antisemitismus. In den letzten Kriegsmonaten hergestellter, fadengehefteter, geprägter (und beschichteter) Pappband mit Farbkopfschnitt. Der Rücken angerändert und mit zwei kleinen Einrissen, Papier allg. nachgedunkelt, Seitenschnitt am oberen Teil leicht angestoßen, ansonsten guter , nahezu sehr guter Zustand. Gesetzt in schöner Fraktur.

[SW: Deutsche Literatur | Klassiker]

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