Hesse Hermann Schon Ist die Jugend
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Goethe, Johann Wolfgang von, Ausgew. v. Unseld, Siegfried: Das Leben, es ist gut. Hundert Gedichte, ausgewählt von Siegfried Unseld. Einmalige Sonderausgabe zum Welttag des Buches. Insel Verlag Einmalige Sonderausgabe 1999 Frankfurt am Main ISBN: 3458065512
180S. 8°
Pappe Goldgeprägter Pappband mit illustriertem Deckelschild. Der Einband leicht fleckig, ansonsten sehr guter Zustand. Karl Siegfried Unseld (* 28. September 1924 in Ulm; 26. Oktober 2002 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Verleger und Leiter des Suhrkamp Verlags. Unseld war der Sohn des Verwaltungsangestellten Ludwig Unseld und dessen Ehefrau Maria Magdalena Kögel, gen. Lina. Walter Unseld war sein vier Jahre jüngerer Bruder. Seine erste Schulzeit verbrachte Unseld in Ulm und kam im Juni 1933 zum Jungvolk der Hitler-Jugend. Dort lernte er auch Hans Scholl kennen, welcher kurz nach ihm eintrat. Ab 1935 besuchte Unseld das Realgymnasium am Blauring (heute Schubart-Gymnasium) in Ulm. Dort absolvierte er 1942 ein Notabitur und ging am 20. Oktober von der Schule ab. Weihnachten 1942 wurde er zum Militär eingezogen und verbrachte seine Grundausbildung in Aurich. Dort wurde er zum Marinefunker ausgebildet und im Sommer 1943 an die Krim geschickt. Mitte Mai 1944 kam er nach Warna (Bulgarien), wurde nach Griechenland versetzt und konnte Weihnachten 1944 in Ulm verbringen. Das Kriegsende erlebte Unseld in Flensburg und erreichte im Januar 1946 wieder seine Heimatstadt. Noch im Oktober desselben Jahres begann er eine Lehre zum Buchhandelsgehilfen im Ulmer Aegis-Verlag. Im Sommer 1946 holte er sein Abitur nach (Zitat Unseld: "ein richtiges Abitur"); bemerkenswert vielleicht sein Abituraufsatz Faust und Wagner - zwei Menschen, zwei Welten. Im September 1947 legte Unseld bei der IHK Stuttgart seine Gehilfenprüfung ab. Einer der Prüfer war der Verleger Paul Siebeck, Inhaber des J.C.B. Mohr Verlags in Tübingen. Von Unseld überzeugt, engagierte ihn Siebeck noch am Prüfungstag. Unseld nahm das Angebot an und begann ab Oktober 1947, parallel zu seiner Arbeit, an der Universität Germanistik, Philosophie und Bibliothekswissenschaft zu studieren. Er war u. a. Schüler des Philosophen Prof. Wilhelm Weischedel, der sich von Anfang an sehr für Unseld einsetzte. Am 14. April 1951 heiratete Unseld im Ulmer Münster die Hauswirtschaftslehrerin Hildegard Schmid. Außer Zwillingen, die sehr früh starben, hatte er mit ihr einen Sohn, den späteren Verleger Joachim Unseld. Sein Studium an der Universität Tübingen schloss Unseld mit einer Dissertation über Hermann Hesse ab und brach damit einige Regeln: Bis 1951 war es üblich, nur über verstorbene Schriftsteller zu forschen, zudem war Hesse umstritten. Ein weiteres Problem ergab sich, als Unselds Doktorvater, Friedrich Beißner erfuhr, dass Unseld in einem Brief von Hesse bereits "Doktor" genannt wurde, obwohl er die Prüfung noch nicht abgelegt hatte. Beißner prüfte Unseld, wahrscheinlich zur Strafe, nur im Fach Althochdeutsch, das einzige, das Unseld nie gelernt hatte. Am 24. Juli 1951 hatte die Qual dann dennoch ein rühmliches Ende gefunden und Unseld durfte sich mit dem akademischen Grad Dr. phil. schmücken. Mit ihm saßen Walter Jens, Gerhard Storz, Johannes Poethen, Peter Meuer und Martin Walser in Beißners Doktorandenkolleg. Noch im selben Jahr begann Unseld als Buchhändler in Heidenheim an der Brenz zu arbeiten. Am 23. Oktober fand das erste Treffen zwischen Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld statt und am 7. Januar 1952 begann Unselds Arbeitsverhältnis bei Suhrkamp. Mit Wirkung vom 1. Januar 1955 erteilte Suhrkamp Unseld Prokura; im selben Jahr reiste Unseld von Juli bis August zum ersten Mal in die USA: An der Harvard Summer School of Arts and Sciences hatte Henry Kissinger ein International Seminar eingerichtet, an diesem konnte er mit Empfehlungsschreiben von Hermann Hesse und Peter Suhrkamp teilnehmen. Um 1955 begann Unseld eine längere Affäre mit Corinne Pulver, einer Schwester der Schauspielerin Liselotte Pulver. Mit Corinne hatte er eine Tochter, Ninon Pulver, geboren 1959, heute Anwältin in Genf. (Ninon war der Vorname der dritten Frau von Hermann Hesse). Zum 1. Januar 1958 stieg Unseld zum Gesellschafter des Verlages auf. Ausschlaggebend war dabei, dass er von der Ullstein AG abgeworben werden sollte. Während dieser Jahre hatte Unseld enge Kontakte zu fast allen Mitgliedern der Gruppe 47. Nach dem Tod von Peter Suhrkamp 1959 übernahm Unseld als alleiniger Verleger den Suhrkamp Verlag. In dieser Zeit ließ sich das westdeutsche Verlagshaus des Insel Verlags, das 1945 zunächst in Wiesbaden ansässig war - der ostdeutsche Verlagsteil war in Leipzig verblieben - in Frankfurt am Main nieder. Die finanzielle Situation des Verlags war etwas schwierig und die Inhaberin Jutta von Hesler, die Tochter des Gründers Anton Kippenberg, wollte lieber heute als morgen verkaufen. Über Hermann Hesse konnte Unseld die Unternehmer Peter Reinhart und Balthasar Reinhart aus Winterthur zu einer stillen Teilhaberschaft gewinnen. Am 19. Februar 1963 kaufte Unseld den Insel Verlag, der dadurch rückwirkend zum 1. Januar durch den Suhrkamp Verlag übernommen wurde. 1968 kam es zum Konflikt zwischen Unseld und den Lektoren des Suhrkamp-Verlages. Diese (Walter Boehlich, Urs Widmer, Karlheinz Braun, Klaus Reichert) forderten die Einrichtung einer "Lektoratsversammlung", die alle wesentlichen Entscheidungen getroffen hätte. Unseld sollte ihr als einfaches Mitglied angehören, wäre also als Verleger faktisch entmachtet worden. Unseld verteidigte seine Entscheidungsgewalt; nicht zuletzt gelang es ihm, sich der Unterstützung prominenter Autoren zu versichern. In der Suhrkamp Verlagsgeschichte 1950-1990 (1990) wurde der Konflikt nicht erwähnt, erst 2010 erschien eine Chronik mit Unselds Version der Ereignisse; eine Gegendarstellung ist in Vorbereitung. Am 1. Juli desselben Jahres kaufte Unseld den juristischen Fachverlag Lutzeyer in Baden-Baden. Das Wichtigste daran waren für den Suhrkamp Verlag die Lutzeyer'schen Druckereien. Dieser Verlag firmiert noch heute unter dem Namen Nomos Verlag (griech. weltliches Recht). Da der Umsatz des Suhrkamp Verlags in den nächsten Jahren sprunghaft anstieg, wurde er für die schweizerischen Teilhaber Reinhart immer mehr zum Wirtschaftsfaktor. Seit dem Mauerbau setzte sich Unseld dafür ein, dass es Verlagen aus der DDR ermöglicht und erlaubt wurde, sich auf der Frankfurter Buchmesse zu präsentieren. Dies wurde ihm jahrelang vorgehalten. Am 28. September 1974 wurde Unselds 50. Geburtstag in Königstein, dem letzten Wohnort Suhrkamps, in großem Stil gefeiert. Fast 250 Gäste waren geladen, als Hauptredner fungierte der Philosoph Ernst Bloch und musikalisch wurde der Abend von Milva begleitet, die Lieder mit Brecht-Texten sang. Der Deutsche Klassiker Verlag wurde am 1. Juli 1981 als Tochterunternehmen des Insel Verlags gegründet. Unseld berief eine Kommission ein, bestehend aus den Professoren Reinhard Brinkmann, Wolfgang Frühwald, Reinhart Koselleck, Jochen Schmidt und Albrecht Schöne, die den editorischen Plan überwachen sollten. Ab dem Jahr 1985 wurden die ersten Bände veröffentlicht. 1985 trennte sich das Ehepaar Unseld, da die Ehefrau seine Affären nicht länger dulden wollte. Zu dieser Zeit war Unseld bereits mit der Schriftstellerin und früheren Schauspielerin Ulla Berkewicz liiert. Als gleichberechtigter Partner seines Vaters trat am 1. Januar 1988 Joachim Unseld in den Suhrkamp Verlag ein. Doch schon nach Kurzem kam es zu heftigem Streit zwischen Vater und Sohn. Da auch die Schlichtungsversuche durch Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser und Jürgen Habermas nichts halfen, verließ Joachim Unseld 1991 den Verlag wieder. Als Inhaber des Insel Verlags meldete Unseld 1990 seine Rechte am ostdeutschen Insel Verlag Leipzig an und ein Jahr später wurde der Insel Verlag Leipzig ihm auch zugesprochen. Unseld war auch maßgeblich an den sog. Plusauflagen-Prozessen beteiligt, darin forderten westdeutsche Verlage Honorare ein, die dadurch entstanden, dass DDR-Verlage von westdeutschen Lizenztiteln höhere Auflagen als vereinbart drucken ließen. Die Schulden mussten schließlich 1:1 in Deutschen Mark gezahlt werden. Im Jahr 1999 verkaufte die Schweizer Volkart Holding AG (Vorstand: Andreas Reinhart) Teile ihrer Gesellschafteranteile der Suhrkamp KG und der Suhrkamp Verlagsleitung GmbH an Unseld, nachdem dieser durch den Verkauf des zur Suhrkamp-Verlagsgruppe gehörenden Nomos-Verlags eine größere Vermögensmasse zur Verfügung hatte. Damit hatte dieser endlich die absolute (nämlich 51-%-ige) Mehrheit des Unternehmens, nachdem er bereits einige Jahre vorher 20 % der Gesellschaftsanteile an der Suhrkamp KG an seinen Sohn übertragen hatte. Da nach den Auseinandersetzungen mit seinem Sohn dieser nicht mehr als sein Nachfolger in Frage kam, gründete Unseld 1999 die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung; damit wollte er seine Nachfolge endgültig regeln. Anfang 2002 wurde Siegfried Unseld schwer krank und starb im Alter von 78 Jahren in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 2002 in seinem Haus in Frankfurt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Seine zweite Ehefrau Ulla Berkewicz und Martin Walser haben die Biographie Siegfried Unselds jeweils in einem Schlüsselroman thematisiert.
[SW: Deutsche Literatur | Lyrik | Goethe | Sonderausgabe]
Wittlin, Joseph: Das Salz der Erde. Roman. Aus dem Polnischen übertragen von I. Bermann, durchgesehen von Marianne Seeger. Schutzumschlag von Juergen Seuss. Büchergilde Gutenberg (Lizenz des S.Fischer Verlags) Lizenzausgabe 1970 Frankfurt am Main, Wien, Zürich
315S. 8°
Leinen Fadengehefteter, geprägter Ganzleinenband mit Schutzumschlag. Der Umschlag leicht berieben, dezent fleckig und angerändert, am oberen Rand ein hinterlegter kleiner Einriss, Seitenschnitt leicht fleckig, ansonsten guter bis sehr guter Zustand. Wittlins Held ist ein Huzule, halb Pole, halb Ukrainer, Eisenbahnarbeiter und Analphabet, ein Mann, der ganz in der Umwelt seiner Heimat wurzelt. Der Roman beginnt mit dem Kriegsausbruch 1914. Peter wird, obwohl 41 Jahre alt, gemustert und, als die Russen sich nähern, mit Hunderten anderer einberufen und per Bahn zum Kader-, zur Ausbildungseinheit nach Ungarn verfrachtet, wo das Buch mit der Einkleidung und Vereidigung der Männer aus dem Karpatenland endet. Es ist also vom Krieg im eigentlichen Sinne gar nicht die Rede, doch Wittlin zeigt, wie schon die Vorbereitung auf den Kriegseinsatz, die Einziehung, Uniformierung und Unterwerfung unter die Gewalt der Feldwebel und Offiziere das Menschliche zerstört. "Plötzlich verstanden die Zivilisten, daß in diesem Kader die Angst Herr ist." Ukrainer und Polen, Juden und Deutsche werden von dieser Angst ergriffen, vor allem aber Peter Niewiadomski, dessen schlichtes und begrenztes Fassungsvermögen nicht imstande ist, gedanklich zu erkennen, was mit ihm und den anderen vorgeht. (Klappentext) Jozef Wittlin (* 17. August 1896 in Dmytrow bei Radziechow, Galizien (heute in der Ukraine); 28. Februar 1976 in New York) war ein polnischer Autor und ein bedeutender expressionistischer und realistischer Lyriker. Jozef Wittlin wurde am 17. August 1896 auf dem Gut Dmytrow im galizischen Podolien (damals zu Österreich-Ungarn gehörend) als Sohn eines jüdischen Gutspächters geboren. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Lemberg. Dort besuchte er von 1906 bis 1914 das Gymnasium. Dadurch, dass die zweite Frau seines Vaters Deutsche war, wurde Jozef Wittlin früh mit der deutschen Sprache und Literatur bekannt. 1915 maturierte er in Wien. Er war mit Joseph Roth sehr gut befreundet. Beide meldeten sich im Herbst 1916 freiwillig bei der österreichischen Armee. Nach seiner Entlassung aus der Armee im September 1918 begann Wittlin ein Studium in Lemberg und arbeitete nach dessen Abbruch zunächst als Lehrer, später als Publizist für verschiedene Zeitungen, als Dramaturg und als freier Schriftsteller. Im Jahr 1922 siedelte er nach Lodz, 1927 nach Warschau über. Seit 1924 war er mit der promovierten Polonistin und Germanistin Halina Handelsmann verheiratet. Er unternahm in dieser Zeit ausgedehnte Reisen in Europa, die sein Schaffen wesentlich beeinflussten. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges befand er sich in Paris, von wo aus er im Mai 1940 nach Biarritz evakuiert wurde. Von Nizza aus gelang ihm und seiner Familie im Januar 1941 durch die Hilfe Hermann Kestens über Spanien und Portugal die Flucht nach New York. Dort blieb er auch nach dem Ende des Krieges. Seit 1917 arbeitete er an der Übertragung der Odyssee ins Polnische. Von seinem Freund Joseph Roth übersetzte er unter anderem Hiob, Zipper und sein Vater und Die Kapuzinergruft, von Hermann Hesse den Roman Steppenwolf. Als sein Hauptwerk wird der Roman Das Salz der Erde (Sol ziemi, 1935) angesehen, erster Teil der nicht vollendeten Trilogie Die Geschichte vom geduldigen Infanteristen.
[SW: Büchergilde Gutenberg | Polnische Literatur | Roman (Erster Teil einer unvollendeten Trilogie)]
Matzanke, Matthias: Grundlagen der Subjektentwicklung - Adoleszenz und Jugendalter, Identität, GRIN VERLAG, Juli 2007, Besorgungstitel - vorauss. Lieferzeit 3-5 Tage. ISBN: 3638637816
Hausarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Sozialpädagogik / Sozialarbeit, einseitig bedruckt, Note: 2,0, Hochschule Mittweida (FH) (Fachbereich Soziale Arbeit), Veranstaltung: Grundlagen der Subjektentwicklung, Sprache: Deutsch, Abstract: "Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, schrieb Hermann Hesse, als er 64 Jahre war und weise. ach, Herr Dichter, wenn das so einfach wäre mit den Lebensstufen. Mit zwölf, dreizehn Jahren, im Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, strebt keiner gelassen voran. Denn plötzlich fließt Sperma. Oder Blut sickert. Und die Identität gerät in Fluß. ..."1 Kind, Erwachsener oder schon Rentner zu sein, ist eine von der biologischen Entwicklung bestimmte Einordnung. Als Kind wird einem noch alles abgenommen, wenn Probleme auftreten. Erwachsene können ihre Probleme selbst lösen, arbeiten und sind sich ihrer Stellung im Leben bewußt. Ältere Menschen (meistens Rentner) arbeiten nicht mehr, sind im Leben voll akzeptiert und Bürger mit allen Rechten. Bei der von uns zu behandelnden Gruppe, den Jugendlichen, ist nicht alles so klar und deutlich zu unterscheiden. Sie sind teils Kind (jedenfalls in den Augen Erwachsener) und teils Erwachsene (in den Augen der Kinder). Das Thema der Subjektentwicklung beschäftigt sich daher mit der Entwicklung im Jugendalter, der Identität und der Adoleszenz. Am Anfang werden die wichtigsten Begriffe erklärt. Die geschichtlichen Grundlagen für die Entwicklung des Begriffs "Jugend" sind danach zu behandeln. Im Anschluß daran wird die Entwicklung im Jugendalter auf körperlicher (Pubertät), auf kognitiver (Adoleszenz) und sozial-emotionaler Basis (Jugend) näher betrachtet. Ein Bestandteil der sozial-emotionalen Entwicklung von Jugendlichen betrifft die Identitätsfindung. Da die Identität und die Identitätsfindung im Jugendalter ein sehr komplexes Thema ist, wird sie separat betrachtet.
NEUBUCH! 2007. 80 S. 210 mm 214 mm x 152 mm x 9 mm; 2475
[SW: Psychotherapie / Psychoanalyse]
Hebel, Johann Peter: Ein Wort gibt das andere. Erzählungen. Mit Zeichnungen von Dieter Masuhr. Nachwort von Volkmar Braunbehrens. Büchergilde Gutenberg Erste Auflage 1982 Frankfurt am Main ISBN: 3763226524
207S. Groß 8°
Leinen Fadengehefteter, geprägter Ganzleinenband mit illustriertem Schutzumschlag, dieser feinsäuberlich in nichtgilbende, transparente und selbstklebende Buchbindefolie eingeschlagen. Unter der Folie geringe Randbereibungen und der Umschlagrücken gebräunt. Papier allg. etwas nachgedunkelt, Fußschnitt mit Bereibungsfleck. Ex-Libris auf Innendeckel, ansonsten rundum guter Zustand. Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Gedichtband Allemannische Gedichte und durch zahlreiche Kalendergeschichten. Hebels literarisches Schaffen begann, von einigen frühen Versuchen abgesehen, Ende des 18. Jahrhunderts. 1799 besuchte er auf einer Reise seine Wiesentäler Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe schrieb er in den folgenden beiden Jahren, inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Heimat, die Allemannischen Gedichte. Die 32 Gedichte "für Freunde ländlicher Natur und Sitten" waren im Wiesentäler Dialekt geschrieben. In Basel fand Hebel jedoch keinen Verleger, der die Veröffentlichung eines Buches auf Alemannisch wagte, und erst 1803 erschien der Gedichtband bei Philip Macklot in Karlsruhe. Und auch für diese Veröffentlichung hatten Hebel und seine Freunde einige Vorarbeit leisten müssen, denn der Verlag verlangte schon im Voraus eine genügende Zahl von Vorabnehmern. Interessant ist ferner, dass die erste Auflage der Gedichte noch anonym erschien. Hebel fürchtete möglicherweise, für einen ungebildeten Mann vom Lande gehalten zu werden. In den Allemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar; vom Fluss Wiese über eine Beschreibung der Vorzüge des Breisgaus bis hin zur Arbeit im Hausener Eisenwerk. Das vielleicht bekannteste alemannische Gedicht ist "Die Vergänglichkeit". In dem Gedicht um Sterben und Vergehen erklärt der Großvater (Ätti) dem Bueb anhand der Burgruine Rötteln, wie dereinst selbst die in ihrer Herrlichkeit dastehende Stadt Basel und sogar die ganze Welt verfallen wird. Hebel hat darin auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet: Das Gespräch zwischen Ätti und Bueb findet auf einem Karren auf der Straße zwischen Steinen und Brombach statt, also genau an der Stelle und unter den Umständen, unter denen Hebel seine Mutter verloren hatte. Den "Allemannischen Gedichten" war ein enormer Erfolg beschieden- auf die anonyme Auflage von 1803 folgte schon ein Jahr später eine neue, dieses Mal mit Nennung des Verfassers. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere Auflagen in Aarau, Wien und Reutlingen. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte. Hebel selbst freute sich in einem Brief: "Ich kann in gewißen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen". Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er für den Rheinländischen Hausfreund verfasste. Der alte lutherisch-badische Landkalender hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Absatzschwierigkeiten, und Hebel war Mitglied einer Kommission, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollte. Im Laufe der Diskussionen wurde Hebel schließlich Redakteur für den neuen Kalender, der den Namen Rheinländischer Hausfreund trug und erstmals 1807 erschien. Eine der wichtigsten Neuerungen des Hausfreundes war der vergrößerte Textteil, in dem "lehrreiche Nachrichten und lustige Geschichten" veröffentlicht wurden. Hebel selbst verfasste jedes Jahr etwa 30 dieser Geschichten und hatte somit maßgeblichen Anteil am großen Erfolg des Hausfreundes. 1811 erschien obendrein das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten. Weitere Auflagen folgten 1816 und 1827. Hebels Geschichten erzählten Neuigkeiten, kleinere Geschichten, Anekdoten, Schwänke, abgewandelte Märchen und Ähnliches. Sie dienten der Unterhaltung, ließen den Leser aber auch eine Lehre aus dem Text ziehen. Die wohl bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind "Unverhofftes Wiedersehen" und "Kannitverstan". Nach Ansicht Ernst Blochs ist Erstere "die schönste Geschichte der Welt". 1815 kam es jedoch zum Streit, da Hebels Kalendergeschichte "Der fromme Rat", die von Katholiken teilweise als anstößig empfunden worden war, aus dem Kalender entfernt wurde. In der Folge verfasste Hebel deutlich weniger Kalendergeschichten als in früheren Jahren. Nach den Kalendergeschichten engagierte sich Hebel sehr beim Entwurf für ein neues biblisches Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht. Hebel fertigte ein Gutachten an, in dem er für das neue Lehrwerk mehrere Kriterien aufstellte: Es sollte einen klaren und einfachen Satzbau und eine spannende Erzählweise der biblischen Berichte aufweisen und dabei das Alter der jugendlichen Leser - zwischen zehn und vierzehn Jahren - berücksichtigen. Schließlich erhielt Hebel selbst den Auftrag, ein solches Buch zu verfassen. In fünfjähriger Arbeit entstanden die Biblischen Geschichten, die 1824 veröffentlicht wurden und bis 1855 Lehrbuch waren. Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, lobte insbesondere die "Allemannischen Gedichte": Hebel habe, so Goethe, "auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert". Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: "Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!" Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe. Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzklästleins: "Die Erzählungen [ ] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf". Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines "der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde", und Elias Canetti beschrieb in "Die gerettete Zunge, Geschichte einer Jugend" welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: "Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde." Marcel Reich-Ranicki schrieb: "Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache." und nahm das Schatzkästlein in seinen Kanon Deutscher Literatur auf. Ebenfalls Teil des Kanons ist Die Rose, eines der wenigen hochdeutschen Gedichte Hebels. Das Schatzkästlein wurde außerdem in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: "'Unverhofftes Wiedersehen'. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen." Zu Hebels Ehren wurde 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet. Der Preis wird vom Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre an Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler vergeben, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Verleihungsort des mit 10.000 Euro dotierten Preises ist Hausen im Wiesental, wo jedes Jahr am 10. Mai das Hebelfest stattfindet. Die Gemeinde Hausen verleiht obendrein jedes Jahr die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette an Persönlichkeiten aus der Oberrheinregion. 1926 wurde das Lörracher Pädagogium, Hebels einstige Wirkungsstätte, in Hebel-Gymnasium umbenannt. Auch in Pforzheim und in Schwetzingen sind die dortigen Gymnasien nach ihm benannt. Mehrere Grundschulen - überwiegend in Südbaden, aber auch in Essen und in Berlin - sowie viele Straßen im deutschen Sprachraum tragen seinen Namen. Hebel-Denkmäler befinden sich unter anderem im Karlsruher Schlosspark, im Hebelpark Lörrach, in Basel und Hausen. Seinem Leben und Werk widmen sich unter anderem der Hebelbund Lörrach, der Hebelbund Müllheim und die Basler Hebelstiftung.
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