Hirschfeld Wiener Studien
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Zweig, Stefan, österr. Schriftsteller (1881-1942). Sammlung von 15 eigenh. und 2 ms. Briefen bzw. Briefkarten mit U. und 5 eh. Bildpostkarten mit U. sowie 1 eh. Feldpostkarte mit U. Wien, Salzburg, Marienbad, Baden u. a. O., 4. IV. 1908 - 5. XII. 1932 und o. D.
Bemerkenswerte, durchwegs unpublizierte Sammlung von insgesamt 33 über einen Zeitraum von über 24 Jahren abgefaßten Schreiben Stefan Zweigs an das Fräulein Eugenie Reitter. Die langjährige Bekanntschaft mit der Bürgerschullehrerin aus Brünn war der Zweig-Forschung bislang unbekannt; weder Standardwerke (Prater, Klawiter) noch neuere Studien (z. B. Kerschbaumer) wissen über die langjährige Freundin des Literaten zu berichten. Auch der neuen Zweig-Biographie von Oliver Matuschek ist das Fräulein Reitter unbekannt. - Die Korrespondenz betrifft häufig Verabredungen ("willkommen in Wien! Und dann: wann habe ich die Freude, Sie zu sehen? Morgen Freitag habe ich leider schon Besuch (Jacob Wassermann)", undat. Brief). Von vielen seiner zahlreichen Reisen nach Paris, Marienbad oder an den Semmering sandte Zweig dem Brünner "Fräulein" Ansichtskarten und Urlaubsgrüße; vor längeren Reisen pflegte Zweig sich sowieso schriftlich von ihr zu verabschieden: "ich reise heute auf zwei bis drei Monate nach Amerika. Alle guten Grüsse vorher und vielen Dank für Ihr getreues Gedenken" (Brief v. 17. II. 1911). Sogar als Soldat im Ersten Weltkrieg schickt ihr Zweig per Feldpost "herzliche Grüße von einer Dienstreise durch Galizien" (Feldpostkarte v. 22. VII. 1915). Wie die erhaltene Korrespondenz Auskunft gibt, hat Zweig seine Freundin auch stets gern mit Freiexemplaren eigener Werke versorgt ("gerne richte ich Ihnen ein Packet Bücher her und hinterlege sie Ihnen auf Ihren Namen wo immer Sie wollen", Ansichtskarte v. 8. VI. 1928) und sie mit Karten für seine Lesungen sowie Aufführungen seiner Dramen ausgestattet ("Ich habe selbstverständlich im Burgtheater Auftrag gegeben, Ihnen zwei Karten an der Kasse zu reservieren und hoffe, dass man sich ausnahmsweise auf Oesterreich verlassen kann", ms. Brief v. 8. X. 1929). Zweigs Antwortschreiben im Trauerrand auf Eugenies Kondolenz zum Tod seines Vaters Moriz Zweig hat sich ebenso erhalten wie längere Briefe, in denen der Schriftsteller sich z. B. zu seinen Stimmungsschwankungen und Schreibhemmungen äußert: "Ich bin jetzt so unwillig Briefe zu schreiben, nur weil sie alle unerfreulich werden müssten. Feindliche missmutige Stimmungen zurückzuhalten scheint mir eine Pflicht. Ich möchte unglaublich gern schon von Wien fort, bin aber durch eine Arbeit angebunden, an der ich seufzend und gehässig fortschreibe. Daraus ist ein Zorn auf Tinte und Feder geworden: ich möchte schon gerne frei sein, ein paar dichterische Dinge machen, die mir auf den Nägeln brennen und kann noch nicht. Und da Briefe schreiben? Und gerade denen, an die man alle Freude und gute Botschaft richten möchte. Nichtwahr, nun sind Sie mir nicht mehr böse" (Brief v. 27. VII. 1909). - Obwohl die Bekanntschaft mit Frl. Eugenie Reitter gut ein Vierteljahrhundert währte - das früheste erhaltene datierte Schreiben verfaßte Zweig als 26jähriger, das letzte im Alter von 51 Jahren - und erst mit Zweigs Emigration 1934 endgültig abgerissen sein dürfte, ist die Brünnerin weder von den veröffentlichten Briefausgaben noch von Klawiters monumentaler Zweig-Bibliographie erfaßt. Gelegentliche Erwähnungen eines "Fräulein Eugenie" im Zweig-Briefwechsel beziehen sich durchwegs auf Zweigs Bekannte Eugenie Hirschfeld (Wiener Pädagogin und Schwester der Librettisten Viktor Leon und Leo Feld) oder werden mit Hinweis auf dieselbe aufgelöst. Briefe Zweigs an Frl. Hirschfeld sind - im Gegensatz zu solchen an Frl. Reitter - im Handel wiederholt vertreten (so u. a. Kat. Gilhofer, Lit. in Ö. 5241 und Dorotheum 30. I. 1990, Nr. 117ff.). Inwieweit es sich bei Zweigs bekannten Erwähnungen des "Fräulein Eugenie" um durch die Unbekanntheit des Frl. Reitter zustandegekommene Fehlzuschreibungen der Forschung an Frl. Hirschfeld handelt, muß zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen bleiben. - Detaillierte Verlistung auf Anfrage.
Versch. Formate (meist 8vo), zus. 26½ SS. Beiliegend 16 eigenh. adr. Kuverts.
[SW: Autographen: Literatur]
Fischhof, Adolf: =: Portrait, Holzschnitt 16 x 19 cm. Galerie berühmter Kliniker, J. Hirschfeld. Wien, M. Perles, 1877, 32 x 24 cm; beigelegt 4 pp. Biographie.
Adolf Fischhof (1816-1893) - "Ich hab's gewagt, ich bin Dr.Fischhof."
Mit diesen Worten überlieferte am 13. März 1848 der Mann, dessen Gestalt längst in der Galerie berühmter Freiheitskämpfer prangt und dessen Bild nun auch der "Galerie berühmter Aerzte" zur Zierde gereicht, seinen Namen der Unsterblichkeit. Er sprach sie, von einer freiheitlechzenden, durch ihn aus den Weg gewiesenen Menge ausgefordert, seinen Namen zu nennen, am Schlusse jener historisch gewordenen Rede im Landhause, durch welche er der Freiheitsbewegung in Wien zuerst Inhalt und Ziel gab. Die Worte: = = "Lern- und Lehrfreiheit" - "Pressfreiheit" - "Volksbewaffnung" - "Verfassung" hatte vor ihm Niemand öffentlich zu sagen gewagt. Aus seinem Munde erhielt die Revolution des Jahres 1848 ihre Parole; er war der erste Apostel, der dem hoch aushorchenden Volke Wiens und Oesterreichs das Evangelium der modernen Bürgerrechte predigte.
Dieses grosse Verdienst ist Fischhof unbestritten geblieben. Allerdings ist der Arzt Dr. Adolf Fischhof zunächst als Politiker, als Freiheitskämpfer in den Büchern Clios eingezeichnet. Und doch hat Dr. Fischhof Verdienste um die Wissenschaft, welche ihm für immer einen Platz auch unter den Celebritäten der Medicin sichern.
Dr. Adolf Fischhof erblickte am 8. December 1816 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes in Altosen das Licht der Welt. Bis zu seinem zwölften Jahre erhielt er eine sorgfältige Erziehung im väterlichen Hause. Da plötzlich änderten sich die Verhältnisse. Die Eltern verarmten und der junge, kaum 14jährige Adolf, musste durch Ertheilen von Unterricht den Eltern die Last des Lebensunterhaltes erleichtern helfen. Trotzdem legte er schon am Gymnasium auffallende Proben seiner schriftstellerischen Begabung ab, und aus jener Zeit rührt ein Versuch her, die "Corinne" der Frau von Stael zu dramatisiren.
Im October 1836 begab er sich nach absolvirten Gymnasial- und philosophischen Studien nach Wien, um hier Medicin zu studiren. Dem armen, von aller Welt verlassenen Jünger der Wissenschaft erging es schlimm genug. Wochen gingen vorüber, ohne dass er warme Nahrung genossen hätte, bis er endlich im Jahre 1845 promovirte.
Fischhof nahm dann eine Stelle als Subalternarzt im allgemeinen Krankenhause an, und der 13. März des Jahres 1848 fand ihn noch in dieser Stellung. Bis zu diesem Tage hatte er nicht daran gedacht, sich an der Bewegung zu betheiligen. Der Wunsch, Zeuge der an jenem Tage beabsichtigten Demonstration der Universitäts-Jugend zu sein, brachte ihn ins Landhaus, wo eine grosse Menge unruhig wogte, unkundig des Wortes, welches ihrem Freiheitsodrange Inhalt und Form geben sollte. Da kam der Geist seiner Mission über ihn. Es drängte ihn, die planlose Menge zu einer bewussten grossen Kundgebung hinzureissen. Und es gelang ihm. Seine damalige Rede blieb das Programm der österreichischen Freiheitsbewegung; die Ideen, die er damals mit zündender Beredsamkeit unter das Volk warf, blieben die leitenden, bis das Ziel erreicht war. Das übrige ist bekannt. Man weiss, was Fischhof als Commandant des Mediciner-Corps der akademischen Legion, als Präsident des Sicherheits-Ausschusses, als Mitglied des constituirenden Reichstages geleistet, wie er für Freiheit, Ordnung und Recht gekämpft, gesiegt und gelitten hat. - Am 9. December 1849 nach neunmonatlicher Haft "ab instantia" freigesprochen, wendete er sich von der Politik ab, widmete sich ausschliesslich der ärztlichen Praxis und war bald einer der gesuchtesten Aerzte und Consiliare der Residenz. Die akademische Carriere sperrte ihm die Reaction der Fünfziger-Jahre, sonst sässe Dr. Fischhof längst aus einem der curulischen Stühle der alma mater, Katheder genannt. Der gynäcologische Heilapparat verdankt dem Dr. Fischhof eine sehr schätzenswerthe Bereicherung. Wie bekannt, hat Kiwisch in den Vierziger-Jahren die Benützung der Uterusdouche zum Herbeiführen der künstlichen Frühgeburt empFohlen. Fischhof, damals Secundararzt der gynäcologischen Abtheilung und der Zahl-Gebäranstalt im allgemeinen Krankenhause, würdigte sofort Kiwisch's Idee und die Bedeutung der Uterusdouche für die Geburtshilfe, wie für die Behandlung weiblicher Sexualkrankheiten, erkannte aber auch das Unpraktische der von Kiwisch empfohlenen Vorrichtung, welche in Folge ihrer Schwerfälligkeit sich für die Privatpraxis kaum eignete, war somit daraus bedacht, einen Apparat zu construiren, der leicht transportabel sei, von der Patientin selbst ohne Schwierigkeit und Anstrengung gehandhabt werden könne, und dessen gefällige Form die Abneigung der Frauen gegen Kiwisch's Vorrichtung beseitige. Es gelang ihm auch einen Mechanismus zu ersinnen, welcher all diesen Anforderungen, sowie jenen der Wissenschaft vollkommen entsprach. Dadurch, dass er den Mechanismus in dem von Frauen so häufig benützten Bidet anbrachte, verschasste er der Gebärmutterdouche raschen Eingang in die Privatpraxis. Er construirte zwei Apparate, den einen mit continuirlichem aber ungleichmässigem Wasserstrahl sür gynäcologische Fälle, und aus speciellen Wunseh seines Vorgesetzten, des Prof. Bartseh, den anderen mit continuirlichem und gleichmässigem Strahle für geburts- hilfliche Zwecke. Den ersteren Apparat hatte Prof. Braun so modificirt, dass er noch leichter und compendiöser wurde. In dieser abgeänderten Form ist er unter dem Namen: = = "Braunische Gebärmutterdouche" bekannt. Tausende der Fischhofischen und Braunischen Vorrichtungen wurden in Wien erzeugt, fanden überall Nachahmung und behaupten sich heute noch neben jenen, die später von Scanzoni und Anderen erdacht wurden. Wer die wohlthätige Wirkung und die mannigsache Anwendung der Uterusdouche kennt, wird dem Verdienste, welches sich Dr. Fischhof durch die Construirung und Popularisirung seiner Vorrichtung erwarb, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Als Publicist hat sich Dr. Fischhof gleichfalls ärztliche Verdienste erworben. Seine Artikel über die Heerespflege und Heeresergänzung, sowie seine letzte im Linzer Volkskalender für 1877 verössentlichte Arbeit über die dürstige Populationszunahme in den österreichischen Alpenländern, streifen alle, obgleich sie zunächst politische Ziele in's Auge fassen, auch medicinisches Gebiet, und indem sie eindringlich aus die Missstände der öffentlichen Sanitätspslege des Heeres, wie der Civilbevölkerung hinweisen, sind sie auch von hygeischer Bedeutung.
Wenn von Adolf Fischhof die Rede ist, dann lebt - speciell in Wien - die Vorstellung des Mannes aus, der als Präsident des Sicherheits-Ausschusses im Lenze der österreichischen Freiheit den gewaltsamen Ausschreitungen der Revolution wie der Reaction mit Besonnenheit und Fertigkeit entgegengewirkt; dann gedenkt man jener zündenden Rede im Reichstage, worin er gegen den Minister Stadion, der vom Volke Garantien der Ordnung verlangte, dieses Volk gegen jede Verunglimpfung seiner Gesinnungen in Schutz nahm; dann erinnert man sich des politischen Weisen, der mitten im Wirbel stürmender Ereignisse niemals die Mässigung verleugnete, und selbst seinen Todfeinden keine Blöße bot, wo sie ihn hätten fressen können; dann erinnert man sich jener berühmten Rede Fischhofs im Reichsrathe in Kremsier "über die Abschassung der Todesstrafe". War doch er, der geistige Pathe der Revolution, sogar im Jahre 1848 ein Vertrauensmann der damaligen Regierung, die ihn zum Ministerialrath im Ministerium des Innern ernannte und mit einer Sendung nach Galizien betraute. Er war es, der während seiner amtlichen Wirksamkeit die Stellung und Honorirung der Subaltern-Aerzte des Wiener allgemeinen Krankenhauses wesentlich verbesserte und den Anstoss zur Reform dieser grossen Humanitätsanstalt gab. Sein Andenken trübt keiner jener Flecke, durch welche einzelne Freiheitskämpfer sich seitdem selbst um den vollen Glanz ihres Kampfpreises, um das uneingeschränkte Vertrauen des Volkes gebracht haben. An seinem Namen hastet kein Makel*).
*) Es drängt uns, hier die vielbesprochene Theilnah...




