Johann Peter Hebel
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Zentner, Wilhelm: Ausstellung: Johann Peter Hebel und seine Zeit. Zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages am 10. Mai 1960. Festschrift im Auftrag der Stadt Karlsruhe. Zusammengestellt und herausgegeben von Wilhelm Zentner. Mit einem mehrfach gefalteten Faksimile und Bildt, Selbstverlag der Stadt Karlsruhe Erste Aufl. 1960 Karlsruhe
77/ 8nn Tafelbl.S. 8°
Broschur Englische Broschur. Einband leicht nachgedunkelt, tiels fleckig und gering angerändert, kleiner Einriss im gefalteten Faksimile, ansonsten guter Zustand. Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Gedichtband Allemannische Gedichte und durch zahlreiche Kalendergeschichten. Hebels literarisches Schaffen begann, von einigen frühen Versuchen abgesehen, Ende des 18. Jahrhunderts. 1799 besuchte er auf einer Reise seine Wiesentäler Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe schrieb er in den folgenden beiden Jahren, inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Heimat, die Allemannischen Gedichte. Die 32 Gedichte "für Freunde ländlicher Natur und Sitten" waren im Wiesentäler Dialekt geschrieben. In Basel fand Hebel jedoch keinen Verleger, der die Veröffentlichung eines Buches auf Alemannisch wagte, und erst 1803 erschien der Gedichtband bei Philip Macklot in Karlsruhe. Und auch für diese Veröffentlichung hatten Hebel und seine Freunde einige Vorarbeit leisten müssen, denn der Verlag verlangte schon im Voraus eine genügende Zahl von Vorabnehmern. Interessant ist ferner, dass die erste Auflage der Gedichte noch anonym erschien. Hebel fürchtete möglicherweise, für einen ungebildeten Mann vom Lande gehalten zu werden. In den Allemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar; vom Fluss Wiese über eine Beschreibung der Vorzüge des Breisgaus bis hin zur Arbeit im Hausener Eisenwerk. Das vielleicht bekannteste alemannische Gedicht ist "Die Vergänglichkeit". In dem Gedicht um Sterben und Vergehen erklärt der Großvater (Ätti) dem Bueb anhand der Burgruine Rötteln, wie dereinst selbst die in ihrer Herrlichkeit dastehende Stadt Basel und sogar die ganze Welt verfallen wird. Hebel hat darin auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet: Das Gespräch zwischen Ätti und Bueb findet auf einem Karren auf der Straße zwischen Steinen und Brombach statt, also genau an der Stelle und unter den Umständen, unter denen Hebel seine Mutter verloren hatte. Den "Allemannischen Gedichten" war ein enormer Erfolg beschieden- auf die anonyme Auflage von 1803 folgte schon ein Jahr später eine neue, dieses Mal mit Nennung des Verfassers. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere Auflagen in Aarau, Wien und Reutlingen. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte. Hebel selbst freute sich in einem Brief: "Ich kann in gewißen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen". Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er für den Rheinländischen Hausfreund verfasste. Der alte lutherisch-badische Landkalender hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Absatzschwierigkeiten, und Hebel war Mitglied einer Kommission, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollte. Im Laufe der Diskussionen wurde Hebel schließlich Redakteur für den neuen Kalender, der den Namen Rheinländischer Hausfreund trug und erstmals 1807 erschien. Eine der wichtigsten Neuerungen des Hausfreundes war der vergrößerte Textteil, in dem "lehrreiche Nachrichten und lustige Geschichten" veröffentlicht wurden. Hebel selbst verfasste jedes Jahr etwa 30 dieser Geschichten und hatte somit maßgeblichen Anteil am großen Erfolg des Hausfreundes. 1811 erschien obendrein das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten. Weitere Auflagen folgten 1816 und 1827. Hebels Geschichten erzählten Neuigkeiten, kleinere Geschichten, Anekdoten, Schwänke, abgewandelte Märchen und Ähnliches. Sie dienten der Unterhaltung, ließen den Leser aber auch eine Lehre aus dem Text ziehen. Die wohl bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind "Unverhofftes Wiedersehen" und "Kannitverstan". Nach Ansicht Ernst Blochs ist Erstere "die schönste Geschichte der Welt". 1815 kam es jedoch zum Streit, da Hebels Kalendergeschichte "Der fromme Rat", die von Katholiken teilweise als anstößig empfunden worden war, aus dem Kalender entfernt wurde. In der Folge verfasste Hebel deutlich weniger Kalendergeschichten als in früheren Jahren. Nach den Kalendergeschichten engagierte sich Hebel sehr beim Entwurf für ein neues biblisches Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht. Hebel fertigte ein Gutachten an, in dem er für das neue Lehrwerk mehrere Kriterien aufstellte: Es sollte einen klaren und einfachen Satzbau und eine spannende Erzählweise der biblischen Berichte aufweisen und dabei das Alter der jugendlichen Leser - zwischen zehn und vierzehn Jahren - berücksichtigen. Schließlich erhielt Hebel selbst den Auftrag, ein solches Buch zu verfassen. In fünfjähriger Arbeit entstanden die Biblischen Geschichten, die 1824 veröffentlicht wurden und bis 1855 Lehrbuch waren. Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, lobte insbesondere die "Allemannischen Gedichte": Hebel habe, so Goethe, "auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert". Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: "Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!" Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe. Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzklästleins: "Die Erzählungen [ ] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf". Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines "der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde", und Elias Canetti beschrieb in "Die gerettete Zunge, Geschichte einer Jugend" welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: "Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde." Marcel Reich-Ranicki schrieb: "Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache." und nahm das Schatzkästlein in seinen Kanon Deutscher Literatur auf. Ebenfalls Teil des Kanons ist Die Rose, eines der wenigen hochdeutschen Gedichte Hebels. Das Schatzkästlein wurde außerdem in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: "'Unverhofftes Wiedersehen'. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen." Zu Hebels Ehren wurde 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet. Der Preis wird vom Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre an Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler vergeben, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Verleihungsort des mit 10.000 Euro dotierten Preises ist Hausen im Wiesental, wo jedes Jahr am 10. Mai das Hebelfest stattfindet. Die Gemeinde Hausen verleiht obendrein jedes Jahr die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette an Persönlichkeiten aus der Oberrheinregion. 1926 wurde das Lörracher Pädagogium, Hebels einstige Wirkungsstätte, in Hebel-Gymnasium umbenannt. Auch in Pforzheim und in Schwetzingen sind die dortigen Gymnasien nach ihm benannt. Mehrere Grundschulen - überwiegend in Südbaden, aber auch in Essen und in Berlin - sowie viele Straßen im deutschen Sprachraum tragen seinen Namen. Hebel-Denkmäler befinden sich unter anderem im Karlsruher Schlosspark, im Hebelpark Lörrach, in Basel und Hausen. Seinem Leben und Werk widmen sich unter anderem der Hebelbund Lörrach, der Hebelbund Müllheim und die Basler Hebelstiftung.
[SW: Ausstellungskatalog | Johann Peter Hebel]
Hebel, Johann Peter: Lumpengesindel. Auswahl aus dem Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes. Mit Holzschnitten und in der Gesamtausstattung von Karl Mahr. (=138. Zweifäusterdruck) Deutsche Hausbücherei (Lizenz der Verlagsbuchhandlung Erich Matthes, Leipzig und Hartenstein) Lizenzausgabe 1927 Hamburg
174S. 8°
Leinen Fadengehefteter, goldgeprägter Ganzleineneinband mit Farbkopfschnitt. Der Einband lichtrandig und gering fleckig, Papier altersgemäß nachgedunkelt, ansonsten sehr guter Zustand. Gesetzt in Fraktur. Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Gedichtband Allemannische Gedichte und durch zahlreiche Kalendergeschichten. Hebels literarisches Schaffen begann, von einigen frühen Versuchen abgesehen, Ende des 18. Jahrhunderts. 1799 besuchte er auf einer Reise seine Wiesentäler Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe schrieb er in den folgenden beiden Jahren, inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Heimat, die Allemannischen Gedichte. Die 32 Gedichte "für Freunde ländlicher Natur und Sitten" waren im Wiesentäler Dialekt geschrieben. In Basel fand Hebel jedoch keinen Verleger, der die Veröffentlichung eines Buches auf Alemannisch wagte, und erst 1803 erschien der Gedichtband bei Philip Macklot in Karlsruhe. Und auch für diese Veröffentlichung hatten Hebel und seine Freunde einige Vorarbeit leisten müssen, denn der Verlag verlangte schon im Voraus eine genügende Zahl von Vorabnehmern. Interessant ist ferner, dass die erste Auflage der Gedichte noch anonym erschien. Hebel fürchtete möglicherweise, für einen ungebildeten Mann vom Lande gehalten zu werden. In den Allemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar; vom Fluss Wiese über eine Beschreibung der Vorzüge des Breisgaus bis hin zur Arbeit im Hausener Eisenwerk. Das vielleicht bekannteste alemannische Gedicht ist "Die Vergänglichkeit". In dem Gedicht um Sterben und Vergehen erklärt der Großvater (Ätti) dem Bueb anhand der Burgruine Rötteln, wie dereinst selbst die in ihrer Herrlichkeit dastehende Stadt Basel und sogar die ganze Welt verfallen wird. Hebel hat darin auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet: Das Gespräch zwischen Ätti und Bueb findet auf einem Karren auf der Straße zwischen Steinen und Brombach statt, also genau an der Stelle und unter den Umständen, unter denen Hebel seine Mutter verloren hatte. Den "Allemannischen Gedichten" war ein enormer Erfolg beschieden- auf die anonyme Auflage von 1803 folgte schon ein Jahr später eine neue, dieses Mal mit Nennung des Verfassers. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere Auflagen in Aarau, Wien und Reutlingen. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte. Hebel selbst freute sich in einem Brief: "Ich kann in gewißen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen". Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er für den Rheinländischen Hausfreund verfasste. Der alte lutherisch-badische Landkalender hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Absatzschwierigkeiten, und Hebel war Mitglied einer Kommission, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollte. Im Laufe der Diskussionen wurde Hebel schließlich Redakteur für den neuen Kalender, der den Namen Rheinländischer Hausfreund trug und erstmals 1807 erschien. Eine der wichtigsten Neuerungen des Hausfreundes war der vergrößerte Textteil, in dem "lehrreiche Nachrichten und lustige Geschichten" veröffentlicht wurden. Hebel selbst verfasste jedes Jahr etwa 30 dieser Geschichten und hatte somit maßgeblichen Anteil am großen Erfolg des Hausfreundes. 1811 erschien obendrein das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten. Weitere Auflagen folgten 1816 und 1827. Hebels Geschichten erzählten Neuigkeiten, kleinere Geschichten, Anekdoten, Schwänke, abgewandelte Märchen und Ähnliches. Sie dienten der Unterhaltung, ließen den Leser aber auch eine Lehre aus dem Text ziehen. Die wohl bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind "Unverhofftes Wiedersehen" und "Kannitverstan". Nach Ansicht Ernst Blochs ist Erstere "die schönste Geschichte der Welt". 1815 kam es jedoch zum Streit, da Hebels Kalendergeschichte "Der fromme Rat", die von Katholiken teilweise als anstößig empfunden worden war, aus dem Kalender entfernt wurde. In der Folge verfasste Hebel deutlich weniger Kalendergeschichten als in früheren Jahren. Nach den Kalendergeschichten engagierte sich Hebel sehr beim Entwurf für ein neues biblisches Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht. Hebel fertigte ein Gutachten an, in dem er für das neue Lehrwerk mehrere Kriterien aufstellte: Es sollte einen klaren und einfachen Satzbau und eine spannende Erzählweise der biblischen Berichte aufweisen und dabei das Alter der jugendlichen Leser - zwischen zehn und vierzehn Jahren - berücksichtigen. Schließlich erhielt Hebel selbst den Auftrag, ein solches Buch zu verfassen. In fünfjähriger Arbeit entstanden die Biblischen Geschichten, die 1824 veröffentlicht wurden und bis 1855 Lehrbuch waren. Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, lobte insbesondere die "Allemannischen Gedichte": Hebel habe, so Goethe, "auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert". Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: "Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!" Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe. Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzklästleins: "Die Erzählungen [ ] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf". Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines "der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde", und Elias Canetti beschrieb in "Die gerettete Zunge, Geschichte einer Jugend" welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: "Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde." Marcel Reich-Ranicki schrieb: "Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache." und nahm das Schatzkästlein in seinen Kanon Deutscher Literatur auf. Ebenfalls Teil des Kanons ist Die Rose, eines der wenigen hochdeutschen Gedichte Hebels. Das Schatzkästlein wurde außerdem in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: "'Unverhofftes Wiedersehen'. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen." Zu Hebels Ehren wurde 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet. Der Preis wird vom Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre an Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler vergeben, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Verleihungsort des mit 10.000 Euro dotierten Preises ist Hausen im Wiesental, wo jedes Jahr am 10. Mai das Hebelfest stattfindet. Die Gemeinde Hausen verleiht obendrein jedes Jahr die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette an Persönlichkeiten aus der Oberrheinregion. 1926 wurde das Lörracher Pädagogium, Hebels einstige Wirkungsstätte, in Hebel-Gymnasium umbenannt. Auch in Pforzheim und in Schwetzingen sind die dortigen Gymnasien nach ihm benannt. Mehrere Grundschulen - überwiegend in Südbaden, aber auch in Essen und in Berlin - sowie viele Straßen im deutschen Sprachraum tragen seinen Namen. Hebel-Denkmäler befinden sich unter anderem im Karlsruher Schlosspark, im Hebelpark Lörrach, in Basel und Hausen. Seinem Leben und Werk widmen sich unter anderem der Hebelbund Lörrach, der Hebelbund Müllheim und die Basler Hebelstiftung.
[SW: Deutsche Literatur | Erzählungen | Illustrierte Bücher | Johann Peter Hebel | Zweifäusterdrucke]
Hebel, Johann Peter: Ein Wort gibt das andere. Erzählungen. Mit Zeichnungen von Dieter Masuhr. Nachwort von Volkmar Braunbehrens. Büchergilde Gutenberg Erste Auflage 1982 Frankfurt am Main ISBN: 3763226524
207S. Groß 8°
Leinen Fadengehefteter, geprägter Ganzleinenband mit illustriertem Schutzumschlag, dieser feinsäuberlich in nichtgilbende, transparente und selbstklebende Buchbindefolie eingeschlagen. Unter der Folie geringe Randbereibungen und der Umschlagrücken gebräunt. Papier allg. etwas nachgedunkelt, Fußschnitt mit Bereibungsfleck. Ex-Libris auf Innendeckel, ansonsten rundum guter Zustand. Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Gedichtband Allemannische Gedichte und durch zahlreiche Kalendergeschichten. Hebels literarisches Schaffen begann, von einigen frühen Versuchen abgesehen, Ende des 18. Jahrhunderts. 1799 besuchte er auf einer Reise seine Wiesentäler Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe schrieb er in den folgenden beiden Jahren, inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Heimat, die Allemannischen Gedichte. Die 32 Gedichte "für Freunde ländlicher Natur und Sitten" waren im Wiesentäler Dialekt geschrieben. In Basel fand Hebel jedoch keinen Verleger, der die Veröffentlichung eines Buches auf Alemannisch wagte, und erst 1803 erschien der Gedichtband bei Philip Macklot in Karlsruhe. Und auch für diese Veröffentlichung hatten Hebel und seine Freunde einige Vorarbeit leisten müssen, denn der Verlag verlangte schon im Voraus eine genügende Zahl von Vorabnehmern. Interessant ist ferner, dass die erste Auflage der Gedichte noch anonym erschien. Hebel fürchtete möglicherweise, für einen ungebildeten Mann vom Lande gehalten zu werden. In den Allemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar; vom Fluss Wiese über eine Beschreibung der Vorzüge des Breisgaus bis hin zur Arbeit im Hausener Eisenwerk. Das vielleicht bekannteste alemannische Gedicht ist "Die Vergänglichkeit". In dem Gedicht um Sterben und Vergehen erklärt der Großvater (Ätti) dem Bueb anhand der Burgruine Rötteln, wie dereinst selbst die in ihrer Herrlichkeit dastehende Stadt Basel und sogar die ganze Welt verfallen wird. Hebel hat darin auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet: Das Gespräch zwischen Ätti und Bueb findet auf einem Karren auf der Straße zwischen Steinen und Brombach statt, also genau an der Stelle und unter den Umständen, unter denen Hebel seine Mutter verloren hatte. Den "Allemannischen Gedichten" war ein enormer Erfolg beschieden- auf die anonyme Auflage von 1803 folgte schon ein Jahr später eine neue, dieses Mal mit Nennung des Verfassers. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere Auflagen in Aarau, Wien und Reutlingen. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte. Hebel selbst freute sich in einem Brief: "Ich kann in gewißen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen". Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er für den Rheinländischen Hausfreund verfasste. Der alte lutherisch-badische Landkalender hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Absatzschwierigkeiten, und Hebel war Mitglied einer Kommission, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollte. Im Laufe der Diskussionen wurde Hebel schließlich Redakteur für den neuen Kalender, der den Namen Rheinländischer Hausfreund trug und erstmals 1807 erschien. Eine der wichtigsten Neuerungen des Hausfreundes war der vergrößerte Textteil, in dem "lehrreiche Nachrichten und lustige Geschichten" veröffentlicht wurden. Hebel selbst verfasste jedes Jahr etwa 30 dieser Geschichten und hatte somit maßgeblichen Anteil am großen Erfolg des Hausfreundes. 1811 erschien obendrein das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten. Weitere Auflagen folgten 1816 und 1827. Hebels Geschichten erzählten Neuigkeiten, kleinere Geschichten, Anekdoten, Schwänke, abgewandelte Märchen und Ähnliches. Sie dienten der Unterhaltung, ließen den Leser aber auch eine Lehre aus dem Text ziehen. Die wohl bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind "Unverhofftes Wiedersehen" und "Kannitverstan". Nach Ansicht Ernst Blochs ist Erstere "die schönste Geschichte der Welt". 1815 kam es jedoch zum Streit, da Hebels Kalendergeschichte "Der fromme Rat", die von Katholiken teilweise als anstößig empfunden worden war, aus dem Kalender entfernt wurde. In der Folge verfasste Hebel deutlich weniger Kalendergeschichten als in früheren Jahren. Nach den Kalendergeschichten engagierte sich Hebel sehr beim Entwurf für ein neues biblisches Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht. Hebel fertigte ein Gutachten an, in dem er für das neue Lehrwerk mehrere Kriterien aufstellte: Es sollte einen klaren und einfachen Satzbau und eine spannende Erzählweise der biblischen Berichte aufweisen und dabei das Alter der jugendlichen Leser - zwischen zehn und vierzehn Jahren - berücksichtigen. Schließlich erhielt Hebel selbst den Auftrag, ein solches Buch zu verfassen. In fünfjähriger Arbeit entstanden die Biblischen Geschichten, die 1824 veröffentlicht wurden und bis 1855 Lehrbuch waren. Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, lobte insbesondere die "Allemannischen Gedichte": Hebel habe, so Goethe, "auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert". Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: "Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!" Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe. Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzklästleins: "Die Erzählungen [ ] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf". Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines "der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde", und Elias Canetti beschrieb in "Die gerettete Zunge, Geschichte einer Jugend" welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: "Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde." Marcel Reich-Ranicki schrieb: "Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache." und nahm das Schatzkästlein in seinen Kanon Deutscher Literatur auf. Ebenfalls Teil des Kanons ist Die Rose, eines der wenigen hochdeutschen Gedichte Hebels. Das Schatzkästlein wurde außerdem in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: "'Unverhofftes Wiedersehen'. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen." Zu Hebels Ehren wurde 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet. Der Preis wird vom Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre an Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler vergeben, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Verleihungsort des mit 10.000 Euro dotierten Preises ist Hausen im Wiesental, wo jedes Jahr am 10. Mai das Hebelfest stattfindet. Die Gemeinde Hausen verleiht obendrein jedes Jahr die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette an Persönlichkeiten aus der Oberrheinregion. 1926 wurde das Lörracher Pädagogium, Hebels einstige Wirkungsstätte, in Hebel-Gymnasium umbenannt. Auch in Pforzheim und in Schwetzingen sind die dortigen Gymnasien nach ihm benannt. Mehrere Grundschulen - überwiegend in Südbaden, aber auch in Essen und in Berlin - sowie viele Straßen im deutschen Sprachraum tragen seinen Namen. Hebel-Denkmäler befinden sich unter anderem im Karlsruher Schlosspark, im Hebelpark Lörrach, in Basel und Hausen. Seinem Leben und Werk widmen sich unter anderem der Hebelbund Lörrach, der Hebelbund Müllheim und die Basler Hebelstiftung.
[SW: Büchergilde Gutenberg | Deutsche Literatur | Illustrierte Bücher]
Hebel, Johann Peter: Ein Wort gibt das andere. Erzählungen. Mit Zeichnungen von Dieter Masuhr. Nachwort von Volkmar Braunbehrens. Büchergilde Gutenberg Erste Auflage 1982 Frankfurt am Main ISBN: 3763226524
207S. Groß 8°
Leinen Fadengehefteter, geprägter Ganzleinenband. Einband und Schnitte leicht nachgedunkelt und fleckig, Rückenbeschriftung teils abgerieben, ansonsten sehr guter Zustand. Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Gedichtband Allemannische Gedichte und durch zahlreiche Kalendergeschichten. Hebels literarisches Schaffen begann, von einigen frühen Versuchen abgesehen, Ende des 18. Jahrhunderts. 1799 besuchte er auf einer Reise seine Wiesentäler Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe schrieb er in den folgenden beiden Jahren, inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Heimat, die Allemannischen Gedichte. Die 32 Gedichte "für Freunde ländlicher Natur und Sitten" waren im Wiesentäler Dialekt geschrieben. In Basel fand Hebel jedoch keinen Verleger, der die Veröffentlichung eines Buches auf Alemannisch wagte, und erst 1803 erschien der Gedichtband bei Philip Macklot in Karlsruhe. Und auch für diese Veröffentlichung hatten Hebel und seine Freunde einige Vorarbeit leisten müssen, denn der Verlag verlangte schon im Voraus eine genügende Zahl von Vorabnehmern. Interessant ist ferner, dass die erste Auflage der Gedichte noch anonym erschien. Hebel fürchtete möglicherweise, für einen ungebildeten Mann vom Lande gehalten zu werden. In den Allemannischen Gedichten stellte Hebel Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar; vom Fluss Wiese über eine Beschreibung der Vorzüge des Breisgaus bis hin zur Arbeit im Hausener Eisenwerk. Das vielleicht bekannteste alemannische Gedicht ist "Die Vergänglichkeit". In dem Gedicht um Sterben und Vergehen erklärt der Großvater (Ätti) dem Bueb anhand der Burgruine Rötteln, wie dereinst selbst die in ihrer Herrlichkeit dastehende Stadt Basel und sogar die ganze Welt verfallen wird. Hebel hat darin auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet: Das Gespräch zwischen Ätti und Bueb findet auf einem Karren auf der Straße zwischen Steinen und Brombach statt, also genau an der Stelle und unter den Umständen, unter denen Hebel seine Mutter verloren hatte. Den "Allemannischen Gedichten" war ein enormer Erfolg beschieden- auf die anonyme Auflage von 1803 folgte schon ein Jahr später eine neue, dieses Mal mit Nennung des Verfassers. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere Auflagen in Aarau, Wien und Reutlingen. Berühmte Dichter wie Jean Paul (1803) und Johann Wolfgang von Goethe (1804) schrieben Rezensionen über die Gedichte. Hebel selbst freute sich in einem Brief: "Ich kann in gewißen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen". Hebels zweites bekanntes Werk sind seine Kalendergeschichten, die er für den Rheinländischen Hausfreund verfasste. Der alte lutherisch-badische Landkalender hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Absatzschwierigkeiten, und Hebel war Mitglied einer Kommission, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollte. Im Laufe der Diskussionen wurde Hebel schließlich Redakteur für den neuen Kalender, der den Namen Rheinländischer Hausfreund trug und erstmals 1807 erschien. Eine der wichtigsten Neuerungen des Hausfreundes war der vergrößerte Textteil, in dem "lehrreiche Nachrichten und lustige Geschichten" veröffentlicht wurden. Hebel selbst verfasste jedes Jahr etwa 30 dieser Geschichten und hatte somit maßgeblichen Anteil am großen Erfolg des Hausfreundes. 1811 erschien obendrein das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, eine Sammlung der interessantesten Kalendergeschichten. Weitere Auflagen folgten 1816 und 1827. Hebels Geschichten erzählten Neuigkeiten, kleinere Geschichten, Anekdoten, Schwänke, abgewandelte Märchen und Ähnliches. Sie dienten der Unterhaltung, ließen den Leser aber auch eine Lehre aus dem Text ziehen. Die wohl bekanntesten Kalendergeschichten Hebels sind "Unverhofftes Wiedersehen" und "Kannitverstan". Nach Ansicht Ernst Blochs ist Erstere "die schönste Geschichte der Welt". 1815 kam es jedoch zum Streit, da Hebels Kalendergeschichte "Der fromme Rat", die von Katholiken teilweise als anstößig empfunden worden war, aus dem Kalender entfernt wurde. In der Folge verfasste Hebel deutlich weniger Kalendergeschichten als in früheren Jahren. Nach den Kalendergeschichten engagierte sich Hebel sehr beim Entwurf für ein neues biblisches Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht. Hebel fertigte ein Gutachten an, in dem er für das neue Lehrwerk mehrere Kriterien aufstellte: Es sollte einen klaren und einfachen Satzbau und eine spannende Erzählweise der biblischen Berichte aufweisen und dabei das Alter der jugendlichen Leser - zwischen zehn und vierzehn Jahren - berücksichtigen. Schließlich erhielt Hebel selbst den Auftrag, ein solches Buch zu verfassen. In fünfjähriger Arbeit entstanden die Biblischen Geschichten, die 1824 veröffentlicht wurden und bis 1855 Lehrbuch waren. Zu Hebels Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Goethe, der sich selbst einmal an einem Gedicht in alemannischer Mundart versucht hatte, lobte insbesondere die "Allemannischen Gedichte": Hebel habe, so Goethe, "auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert". Goethe wehrte sich auch gegen Rufe, Hebels Gedichte zu übersetzen: "Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!" Weitere Bewunderer Hebels waren die Brüder Grimm. Mit Jacob Grimm kam es 1814 auch zu einem Treffen in Karlsruhe. Besonders an Hebels Werk hervorgehoben wird die Verbindung von Volkstümlichem mit tieferen Aussagen und Gedanken. So lobte beispielsweise August Vilmar, Hebels Vergänglichkeit gebe dem volksmäßigen Vordergrund einen Hintergrund, den man bei anderen volkstümlichen Idyllendichtern vergeblich suche. Vilmar hob ferner Hebels Naturbeschreibungen der Wiese und das Gedicht Sonntagsfrühe hervor, insbesondere aber die Geschichten des Schatzklästleins: "Die Erzählungen [ ] sind an Laune, an tiefem und wahrem Gefühl, an Lebhaftigkeit der Darstellung vollkommen unübertrefflich und wiegen ein ganzes Fuder Romane auf". Auch spätere Autoren brachten Hebel hohe Wertschätzung entgegen. Charakteristisch hierfür ist auch ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, dass Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." Theodor W. Adorno rühmte Johann Peter Hebels Aufsatz Die Juden als eines "der schönsten Prosastücke zur Verteidigung der Juden, das deutsch geschrieben wurde", und Elias Canetti beschrieb in "Die gerettete Zunge, Geschichte einer Jugend" welchen Stellenwert für ihn Hebels Schatzkästlein hatte: "Kein Buch habe ich geschrieben, das ich nicht heimlich an seiner Sprache maß, und jedes schrieb ich zuerst in der Kurzschrift nieder, deren Kenntnis ich ihm allein schulde." Marcel Reich-Ranicki schrieb: "Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache." und nahm das Schatzkästlein in seinen Kanon Deutscher Literatur auf. Ebenfalls Teil des Kanons ist Die Rose, eines der wenigen hochdeutschen Gedichte Hebels. Das Schatzkästlein wurde außerdem in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Patrick Roth verfasste mit seinem Essay Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac (1995) eine weitere Hommage an Hebel: Der Text erzählt von der Selbstfindung des jungen Roth als deutscher Schriftsteller in Amerika und beginnt mit einer Autofahrt durch Los Angeles und der auf Band gelesenen Lieblingsgeschichte Roths: "'Unverhofftes Wiedersehen'. Von Hebel so erzählt, daß man glauben lernt, alles Geliebt-Verlorene eines Tages doch noch wiederzusehen." Zu Hebels Ehren wurde 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet. Der Preis wird vom Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre an Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler vergeben, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Verleihungsort des mit 10.000 Euro dotierten Preises ist Hausen im Wiesental, wo jedes Jahr am 10. Mai das Hebelfest stattfindet. Die Gemeinde Hausen verleiht obendrein jedes Jahr die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette an Persönlichkeiten aus der Oberrheinregion. 1926 wurde das Lörracher Pädagogium, Hebels einstige Wirkungsstätte, in Hebel-Gymnasium umbenannt. Auch in Pforzheim und in Schwetzingen sind die dortigen Gymnasien nach ihm benannt. Mehrere Grundschulen - überwiegend in Südbaden, aber auch in Essen und in Berlin - sowie viele Straßen im deutschen Sprachraum tragen seinen Namen. Hebel-Denkmäler befinden sich unter anderem im Karlsruher Schlosspark, im Hebelpark Lörrach, in Basel und Hausen. Seinem Leben und Werk widmen sich unter anderem der Hebelbund Lörrach, der Hebelbund Müllheim und die Basler Hebelstiftung.
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