Stirb Werde
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Tiessen, Heinz: 2. Symphonie op. 17 "Stirb und Werde!" Symphony No. 2 op.17 "Stirb und Werde!"
S. 90, Heinz Tiessen April 1887 - gest. Berlin, 20. November 1971) II. Symphonie f-moll op. 17 "Stirb und Werde!" in einem Satz (1911/12, revidiert vor 1922) Vorwort Heinz Tiessen war eine jener Musikerpersönlichkeiten, deren Vergessenwerden als großes Versagen des deutschen Kulturlebens und als immenser Verlust für die internationale Musikwelt gelten muß. In den zwanziger Jahren, insbesondere zu Beginn in seiner expressionistischen "zweiten Schaffensphase", bewegte er sich auf der Höhe seiner Schaffenskraft und galt als einer der führenden fortschrittlichen Komponisten in Berlin und Deutschland. Er vertrat die Ideale einer "Neuen Klassizität" und wandte sich in den nun folgenden Jahren im Zuge der 'Neuen Sachlichkeit' mit den dramatischen Kantaten Ein Frühlings-Mysterium op. 36 und Aufmarsch op. 40 bewußt an ein breiteres Publikum, doch mit der nationalsozialistischen Machtübernahme verschwand er, als Dirigent sozialistischer Chorvereinigungen eine negative Symbolfigur, in der Versenkung, wo er als legendärer Kompositionsprofessor fortwirkte. Nach dem Kriege war nicht nur seine schöpferische Kraft schwächer geworden; fast niemand interessierte sich mehr für den freigeistig expressionistischen Elan der zwanziger Jahre, als Tiessen in Berlin für die großen Regisseure wie Jürgen Fehling, Max Reinhardt, Ludwig Berger, Paul Legband, Victor Barnowsky oder Erich Engel Schauspielmusiken schrieb und in der Orchester- und Kammermusik komprimierte Werke von immenser Spannkraft, Originalität, Entdeckungsfreude und dichter Formung. Die entscheidenden Einflüsse für Heinz Tiessen kamen von Richard Strauss (besonders Salome) und Arnold Schönberg, wobei Tiessen niemals den Schritt in ein abstraktes, sogenannt "atonales" Ordnungssystem tat: "Zur Atonalität (grundsätzlichen harmonischen Beziehungslosigkeit) blieb ich trotz klanglicher Annäherungen im Gegensatz; auch die entlegensten Zusammenklänge und ihre Verkettungen schienen mir aus der kadenzierenden Logik als graduelle Erweiterung entwickelbar zu bleiben und gruppierbar um eine Tonika: Ausbalancierung von Spannung und Entspannung ist mir Urgesetz und zeitlos gültig im Wandel der Erscheinungsformen, wie eng oder weit die Spannungsskala eines Stiles oder eines Komponisten auch beschaffen sei." (Heinz Tiessen in 'Selbstzeugnis des Künstlers', Beitrag für Musica). Aus diesem Denken und Erleben ist die Lehrtätigkeit Tiessens zu begreifen. Sein erster Schüler wurde 1915 der in Riga geborene Eduard Erdmann (1896-1958), der sich schnell zu einem der ganz großen deutschen Pianisten und Vorkämpfer der neuen Musik entwickelte und als Komponist von u. a. vier Symphonien in sehr persönlicher Weise Wesentliches schuf. In den dreißiger Jahren kam Sergiu Celibidache (1912-1996) zu Tiessen, der sein wichtigster Lehrmeister in musikalischen Dingen wurde und auch dann noch entscheidenden Einfluß auf Celibidache ausübte, als dieser ab 1945 als Dirigent der Berliner Philharmoniker eine kometenhafte Karriere machte. Celibidaches 'musikalische Phänomenologie' ist ohne die von Heinz Tiessen ausgehenden Anregungen so nicht zu denken. Unter den weiteren Schülern Tiessens seien Wolfgang Steffen, Josef Tal, Klaus Sonnenburg, Rolf Kuhnert und der Finne Erik Bergman genannt. Über seinen Werdegang nach Ablegung der Reifeprüfung am Humanistischen Gymnasium im ostpreußischen Allenstein erzählt Tiessen: "Ende Oktober 1905 übersiedelte ich nach Berlin und ließ mich gemäß dem Wunsche meines Vaters bei der juristischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität inskribieren. Zugleich meldete ich mich am Sternschen Konservatorium an, das gegenüber der damals ultrakonservativen Hochschule als besonders fortgeschritten empfohlen war. [Tiessen studierte dort Komposition bei Philipp Rüfer, Theorie bei Wilhelm Klatte und Dirigieren bei Arno Kleffel. Unter seinen Mitschülern waren Edwin Fischer und Otto Klemperer.] [ ] Aus der juristischen Fakultät ließ ich mich nach dem ersten Semester in die philosophische überschreiben. [ ] Gelegentlich hörte ich auch musikalische und literarische Vorlesungen, regelmäßig und fasziniert aber nur den Philosophen Georg Simmel, ob der nun über Grundprobleme, über Logik oder - für mich am reizvollsten - über Kunstphilosophie sprach. Als ich von seiner Berufung als Ordinarius nach Straßburg gehört hatte, besuchte ich ihn im März 1914 und erklärte ihm meine Absicht, ihm dorthin zu folgen und bei ihm zu promovieren. Aus diesem Plan wurde jedoch nichts. Das Gehörserlebnis meiner Symphonie 'Stirb und Werde!' im Mai wurde mir zum zwingenden kompositorischen Impuls; im Juli kamen die zum Kriege führenden politischen Aufregungen, im August meine Lungenentzündung [ ]" (Heinz Tiessen: 'Schaffen und Wirken' in Wege eines Komponisten, Berlin 1962). Als Tiessen vom 14. Juni bis zum 17. Oktober 1912 seine Zweite Symphonie op. 17 f-moll in einem Satz, mit dem Goethe-Motto Stirb und Werde!, komponierte, hatte er bereits zwei Orchesterwerke komponiert. Das erste dieser Jugendwerke - Eine Ibsenfeier op. 7, Tondichtung für großes Orchester, vollendet am 25. März 1909 - wurde genau fünf Tage nach Beginn der Komposition von Stirb und Werde! uraufgeführt, als Tiessen zugleich noch mit der Fertigstellung seiner Ersten Symphonie beschäftigt war: am 19. Juni 1911 in Berlin unter Paul Scheinpflug. Die zweisätzige Erste Symphonie C-Dur op. 15 mit dem Rilke-Leitspruch Das ist mein Streit entstand zwischen dem 17. Oktober 1910 und dem 3. August 1911 und ist "Richard Strauss gewidmet als Zeichen der Verehrung und des Dankes". Wiederum war es Paul Scheinpflug, der sie am 7. Februar 1913 mit dem Stadtorchester Königsberg aus der Taufe hob. Tiessen fährt fort (in 'Schaffen und Wirken', s. o.): "Meine ersten sechzehn Opuszahlen [ ] überspringe ich. Als "erste Schaffensperiode" gelten mir die Jahre 1911-1917, in denen außer Liedern drei größere Werke entstanden: die SYMPHONIE STIRB UND WERDE! op. 17 (1911/12), die NATUR-TRILOGIE für Klavier op. 18 (1913) und das AMSEL-SEPTETT op. 20 (1914/15) - Werke, die heute unproblematisch, melodisch, harmonisch und keineswegs kakophonisch wirken, während sie vor vierzig Jahren der konservativen Fachwelt, die der Musik von Reger und Strauss meist nur mit Mühe folgte, als "Neutönermusik" erschienen. Trotz mancher linearen Freizügigkeiten und Schritten ins Atonale zeigen sie unverkennbar die Tonsprache von Richard Strauss als stilistische Ausgangsstellung - habe ich doch aus seinen Werken vom DON JUAN bis zur ARIADNE und aus seinen weisen und bescheidenen Worten am meisten gelernt. [ ] Zu meiner eigentlichen Visitenkarte vor der weiteren Musikwelt wurde die SYMPHONIE STIRB UND WERDE! - meine zweite - auf dem Essener Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musik-Vereins [ADMV] am 22. Mai 1914 unter Hermann Abendroth. Den Erfolg der Uraufführung konnte ich mir nicht besser wünschen; es hieß: "kühnes, reiches Werk, Persönlichkeit, Fülle der heute immer seltener werdenden Erfindung, einer der stichhaltigsten Neutöner." Daß die zweite Hälfte gestrafft werden müsse, entsprach genau meinem eigenen Eindruck. [ ] In ungünstiger Kriegszeit, 1916, wagte Carl Maria Artz als erster die Aufführung des Werkes in Berlin. Aber erst nach dem Weltkriege, in den zwanziger Jahren, konnte die Zeit für die Symphonie kommen. Vor allem war es Hermann Scherchen, der sie mit seiner hinreißenden Wiedergabe zu großen Erfolgen führte, sie auch für sein Engagementsdebut bei der Frankfurter Museumsgesellschaft (9. April 1922) neben Beethovens Pastorale aufs Programm setzte." Heinz Tiessen widmete seine Zweite Symphonie seinem Theorielehrer Wilhelm Klatte. Paul Schwers hatte in seiner Besprechung der Uraufführung (in der Allgemeinen Deutschen Musikzeitung vom 29. Mai 1914) bei allem Lob Tiessens Weitschweifigkeit gerügt: "Vier - fünfmal glaubt man, es sei zu Ende und immer wieder setzt er von neuem an. Könnte sich Tiessen zu wesentlichen Kürzungen und zu einer übersichtlichen Gliederung der einzelnen Teile entschließen, so würde sein Werk nicht nur re...
Gide, Andre: Stirb und werde. Deutsch von Ferdinand Hardekopf. Dtv Deutscher Taschenbuch 2.Aufl. 1985 München ISBN: 3423103884
294S. 8°
Taschenbuch Der Einband etwas nachgedunkelt und dezent leseknickig, kleiner Aufkleber auf Titelblatt, ansonsten guter Zustand. Stirb und werde (frz.: Si le grain ne meurt) ist die Autobiographie des französischen Schriftstellers und Intellektuellen Andre Gide. Das rund 400 Seiten umfassende Werk erschien erstmals 1926, 1929 auch in deutscher Übersetzung von Ferdinand Hardekopf bei der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart. Gide beschreibt in Stirb und werde die Zeit von seiner frühesten Kindheit bis zu seiner Verlobung mit seiner Cousine Madeleine Rondeaux im Jahr 1895. Er reflektiert über die strenge, puritanische Erziehung durch seine protestantische Mutter, sein schulisches Versagen, seine kulturelle Bildung, seine Verehrung für Madeleine und schließlich die Entdeckung seiner Homosexualität. Die Zeit seiner Ehe mit Madeleine verarbeitet Gide in seinem ebenfalls autobiographischen Werk Et nunc manet in te, geschrieben nach Madeleines Tod 1938 und erschienen 1951. Darin erkennt er, dass sein Plan, seine Homosexualität durch die Heirat zu bekämpfen, gescheitert ist. In Stirb und werde spricht Gide die folgenden Themen an: Erster Teil Kapitel I: Frühe Kindheit in Paris Entwicklung der "schlechten Gewohnheiten" (er masturbiert mit dem Sohn des Hausmeisters) Einsamkeit als Einzelkind ohne Spielkameraden Familie der Mutter (Rondeaux) in Rouen Kapitel II: Familie des Vaters (Gide) in Uzes Religion (Protestantismus) und Spiritualität Homosexualität des Dienstmädchens Schulischer Misserfolg Kapitel III: Das Grundstück der Familie Rondeaux in La Roque (Normandie) Freude am Angeln Karneval und Maskenball Pensionat und erste gewonnene Rauferei Tod des Vaters Kapitel IV: Die Cousinen in Rouen Umzug nach Montpellier Wichtigkeit, Partei zu ergreifen, auch in Fragen der Religion Beginn der (teilweise vorgetäuschten) Krankheiten Kapitel V: Ehebruch der Tante Entdeckung: "Ich bin nicht so wie die anderen" Beobachtung des Wachstums einer Gladiole Heimliche Verehrung der Cousine Emmanuele (in Wirklichkeit Madeleine) Kapitel VI: Einrichtung des Salons der Wohnung Kulturelle und musikalische Bildung: Klavierstunden, Verachtung für das Theater, Entdeckung der Literatur Freundschaft mit Lionel in La Roque Entdeckung der Armut Kapitel VII: Gefühl, "auserwählt" zu sein Diskussionen über die Kindererziehung Entdeckung der Unzucht Freude am Lesen Kapitel VIII: Liebe zu Emmanuele Religiöse Initiation und Glaubenskrise Rückkehr an die Ecole alsacienne, dann ans Lycee Henri-IV Freundschaft mit Pierre Louys Erste Schreibversuche Kapitel IX: Außereheliche Beziehung und uneheliches Kind des Cousins Albert Malerei (Albert) und Klavier (Andre Gide) Zufällige Begegnung mit Gauguin Beginn der Schriftstellerei Kapitel X: Kunst und Musik als Beeinflusser der Literatur Besuch Literarischer Salons, unter anderem bei Stephane Mallarme Zeitgenössische literarische Strömungen Ende der düsteren Kindheit Problematik der Wahrhaftigkeit der Memoiren Zweiter Teil Kapitel I: Erste Reise nach Algerien Entdeckung seiner Homosexualität Trennung von Liebe und Lust Krankheit (Verdacht auf Tuberkulose) Päderastie Exotismus Kapitel II: Begegnung mit Oscar Wilde Homosexualität: endgültiges Eingeständnis in Algier Ende der Freundschaft mit Pierre Louys Wiederentdeckung der Religion angesichts der dekadenten westlichen Welt Tod der Mutter → Gefühl der Freiheit Verlobung mit Emmanuele Der Titel Der von der Übersetzerin Johanna Borek vorgeschlagene, gebräuchliche deutschsprachige Titel Stirb und Werde, stammt aus dem Gedicht Selige Sehnsucht aus dem West-östlichen Divan von Goethe ("Und so lang du das nicht hast / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast / Auf der dunklen Erde.") Wie das Gedicht von Goethe ist der französische Originaltitel eine Anspielung auf einen Vers aus dem Johannesevangelium: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren. " (Elberfelder Bibel, Joh. 12,24-25). Der Unterschied zwischen der von Borek vorgeschlagenen Übersetzung und der ursprünglichen Bedeutung des Titels ist, dass dort, wo Boreks Titel und Goethes Formulierung dazu anspornen, der von Christus gepredigten und praktizierten Lebensweise zu folgen, auf Wollust zu verzichten (das Ersterben des Weizenkorns) und die Ewigkeit anzustreben (die Frucht, die das Weizenkorn durch seinen Tod hervorbringt), Gide selbst - in seinem Buch wie in seinem Titel - beschreibt, wie er diese Moral in seinem Leben nicht befolgt hat: er war ein Weizenkorn das nicht erstorben ist. Neben dieser, auf die Bibel verweisende, allgemeinen Bedeutung, hat der französische Titel auch einen mehr greifbareren, körperlichen Beigeschmack: Gide beschreibt häufig seine homosexuellen und autoerotischen Handlungen, wobei sein Samen, wofür das Weizenkorn eine Metapher ist, selbstverständlich keine menschliche Frucht hervorbringt. Andre Paul Guillaume Gide (* 22. November 1869 in Paris; 19. Februar 1951 ebd.) war ein französischer Schriftsteller und der siebte aus Frankreich stammende Nobelpreisträger (1947) für Literatur.
[SW: Französische Literatur | Autobiografien/ Tagebücher]
Tiessen, Heinz: Hamlet-Suite op. 30 für Orchester Hamlet Suite op.30 for orchestra,
S. 40, Heinz Tiessen (geb. Königsberg, 10. April 1887 - gest. Berlin, 20. November 1971) "Hamlet-Suite" op. 30 (1919/22) Drei Orchesterstücke aus der Musik zu Shakespeares "Hamlet" I Vorspiel. Stürmische Winternacht am Meere auf der einsamen Schloßterrasse p. 3 II Elegie. Ophelias Tod (Zwischenspiel nach dem IV. Akt) p. 22 III Totenmarsch (Schluß des V. Aktes) p. 25 Vorwort Heinz Tiessen hatte sich mit der Uraufführung seiner Zweiten Symphonie Op. 17 "Stirb und Werde!" am 22. Mai 1914 auf dem Tonkünstlerfest des ADMV (Allgemeiner Deutscher Musik-Verein) in Essen unter Hermann Abendroth als einer der führenden jungen Komponisten etabliert. Von den Neuerungen Richard Strauss' ausgehend fand er über impressionistische Einflüsse und die überwältigenden Eindrücke, die er von Werken Arnold Schönbergs empfing, zu einer expressionistischen Tonsprache in freitonaler, komplex dissonanter Linearität. 1918 wurde er als Komponist und Kapellmeister an der Berliner Volksbühne, schrieb aber (bis 1934 insgesamt 30 Beiträge) Schauspielmusik auch für andere Bühnen, in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jürgen Fehling, Max Reinhardt oder Ludwig Berger. In der Zeitschrift Musica gab Tiessen in einem 'Selbstzeugnis des Künstlers' Auskunft: "Die Aufgabe, in der Schauspielmusik mit einem Minimum an Mitteln und Zeit ein Maximum an Ausdruck zu erreichen, ließ mich über die gewohnten Klangvorstellungen hinaus eine expressiv polyphone Schreibweise gewinnen. Zur Atonalität (grundsätzlichen harmonischen Beziehungslosigkeit) blieb ich trotz klanglicher Annäherungen im Gegensatz; auch die entlegensten Zusammenklänge und ihre Verkettungen schienen mir aus der kadenzierenden Logik als graduelle Erweiterung entwickelbar zu bleiben und gruppierbar um eine Tonika: Ausbalancierung von Spannung und Entspannung ist mir Urgesetz und zeitlos gültig im Wandel der Erscheinungsformen, wie eng oder weit die Spannungsskala eines Stiles oder eines Komponisten auch beschaffen sei. Juni 1921 verließ ich die Volksbühne, da die fortdauernde Kleinarbeit einem Schaffen größeren Maßstabes im Wege stand. Die wichtigeren Einfälle meiner Schauspielmusik verwertete ich als Entwürfe für musikalische Formen im Rahmen von vier neuen Werken: Op. 29 "Totentanz-Suite" für Violine und kleines Orchester ; Op. 30 "Hamlet-Suite" ; Op. 32 Streichquintett ; Op. 33 "Vorspiel zu einem Revolutionsdrama" für Orchester nach der Musik zu "Masse Mensch"; dieses (von Emil Bohnke 1927 uraufgeführte) Werk widmete ich Hermann Scherchen, welcher das die Partitur krönende Lied "Brüder, zur Sonne" aus Russland nach Deutschland gebracht hatte und meiner Symphonie "Stirb und Werde!" ein Interpret von höchster Eindringlichkeit geworden war." Die "Hamlet-Suite" basiert auf Tiessens zwischen 2. August und 19. Dezember 1919 komponierter Schauspielmusik zu Shakespeares "Hamlet" für die Inszenierung Max Reinhardt im Berliner Großen Schauspielhaus,. Bei der Premiere am 17. Januar 1920 hatte Klaus Pringsheim (1883-1973, Schwager von Thomas Mann und mehrfach Subdirigent für die Kuhglocken unter Mahlers Leitung in dessen 6. Symphonie) die musikalische Leitung. Als separates Konzertstück erklang das Intermezzo nach dem IV. Akt "Ophelias Tod" erstmals am 28. Februar 1920 in der Berliner Singakademie unter Hermann Scherchen. Am 4. Dezember 1922 vollendete Heinz Tiessen die gegenüber der Bühnenmusik erweiterte und für den Konzertvortrag eingerichtete "Hamlet-Suite" und versah sie mit der Widmung "für Elisabeth" (seine erste Frau, geb. Crawack). In einer Werkeinführung (veröffentlicht in: Für Heinz Tiessen, Band 13 der Schriftenreihe der Akademie der Künste, Berlin 1979) resümierte Tiessen: "Die erste Konzert-Aufführung der kompletten "Hamlet-Suite" op. 30 fand in Kassel am 8. Juni 1923 durch Robert Laugs auf dem Tonkünstlerfest des ADMV statt und wurde weitgehend als stärkster Eindruck des Abends bezeichnet Peter Raabe hat es noch 1923 in Aachen aufgeführt; 1924 folgten in Berlin zwei Aufführungen unter Jascha Horenstein, in Dortmund eine unter Wilhelm Sieben. Den größten Rahmen gewährte am 19. März 1928 die Leipziger Alberthalle im Märzkonzert der Lichtschen Chöre, als Horenstein drei Werke von mir dirigierte: außer der "Hamlet-Suite" das "Vorspiel zu einem Revolutionsdrama" op. 33 und als Uraufführung die (nach 1945 in "Visionen" umbenannte) "Totentanz-Suite" op. 29 [mit Therese Petzko-Schubert als Violin-Solistin]. Erst drei Jahrzehnte später, am 7. Oktober 1957, erlebte ich zum 1. Mal (unter Sergiu Celibidache) die "Hamlet-Suite" mit den heulenden Menschenstimmen, die man im Meersturm zu hören glaubt [der Chor ist für Konzert-aufführungen aus praktischen Gründen ad libitum vorgeschrieben]. (Das Werk "kam an".) Die mit ungleich bescheideneren Mitteln auskommende Elegie "Ophelias Tod" war weit leichter zu realisieren. Stefan Frenkel hatte sie frühzeitig für Violine und Klavier bearbeitet, unlängst habe ich sie, angeregt von Emil Seiler, als 'Musik für Viola mit Orgel' op. 59 eingerichtet, und in der Gruppe 'Fünf Lieder nach verschiedenen Dichtern' meiner Zwanzig ausgewählten Lieder ist der den Gesang umgebende instrumentale Teil freier ausgestaltet. Über Satz I und III der "Hamlet-Suite" ist noch zu sagen: Im 'Vorspiel' tobt der nächtliche Meersturm, in dem man aufheulende Stimmen zu hören glaubt. Es schält sich das Hamlet-Thema heraus, dem verzerrte Klänge von des Königs Zechgelage folgen; darauf jäh emporfahrend das Hamlet-Thema, als spräche es Worte des ersten Monologs: "O God, O God! How weary, stale, flat and unprofitable / Seam to me all the uses of this world! / Fye on't ! an fye! 'tis an unweeded garden / That grows to seed; things rank and gross in nature / Possess it merely." Stille. Zart entfaltet sich in der Oboe die Weise des letzten Ophelia-Liedes "And will he not come again?", leise begleitet vom Hamlet-Thema der Violen, geht unter in neuem Anschwellen des Sturmes, die Klänge des Zechgelages steigern sich zum Gipfel: Mitternacht dröhnt in 12 Tamtamschlägen, grundiert vom Hamlet-Thema. Dann völliges Abklingen. - Der 'Totenmarsch' erscheint als Huldigung des Fortinbras für Hamlet: "For he was likely, had he been put on / to have prov'd most royally : and for his passage / the soldiers' music and the rite of war / speak loudly for him." Die szenisch gebotene Kürze des Totenmarsches machte erforderlich, ihm für die Konzertfassung einen Vorbereitungsteil voranzustellen." Das Konzert, das anläßlich Heinz Tiessens 70. Geburtstag am 7. Oktober 1957 vom Radio-Sinfonie-Orchester Berlin unter Tiessens erfolgreichstem Schüler Sergiu Celibidache gegeben wurde, wurde vom SFB (Sender Freies Berlin) mitgeschnitten. Außer der "Hamlet-Suite" handelt es sich um die 2. Symphonie "Stirb und Werde!" und die Celibidache gewidmete "Salambo-Suite" op. 34a (eine komprimierte Fassung des Tanzdramas "Salambo"). Diese Mitschnitte sind, auch dank der intensiven Zusammenarbeit von Komponist und Dirigent, als im besten Sinne authentische Aufführungen anzusehen. Dem Dirigenten Israel Yinon gebührt das Verdienst, mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin die erste Plattenauf-nahme von Orchesterwerken Tiessens gemacht zu haben, die 2000 veröffentlicht wurde (Koch-Schwann CD 3-1490-2) und u. a. die "Hamlet-Suite" (ohne Meeresstimmen-Chor) enthält. Es ist zu hoffen, daß viele weitere Konzertaufführungen und Aufnahmen dieses ebenso gehalt- wie wirkungsvollen Werkes folgen werden. Aufführungsmaterial ist vom Originalverlag Ries & Erler, Berlin (www.rieserler.de) zu beziehen. Nachdruck eines Exemplars der Musikbibliothek der Münchner Stadtbibliothek, mit freundlicher Genehmigung des Verlags Ries & Erler, Berlin, 2002. top of page Heinz Tiessen (born Königsberg, 10 April 1887 - died Berlin, 20 November 1971) Hamlet Suite, Op. 30 (1919-20) Three Orchestral Pieces from the Music to Shakespeare's Hamlet I Prelude. Stormy Winter Night by the Sea on an Isolated Castle Terrace p. 3 II Elegy. Death of Ophelia (Interlude after Act IV) p. 22 III Funeral March (End of Act V) p. ...
DIEDERICHS, Eugen (Verlag): Stirb und Werde. Ein Arbeitsbericht über 30jährige Verlagstätigkeit auf religiösem Gebiete (1899-1929). Mit Anhang: Philosophische Bücher. Jena: Eugen Diederichs, Pfingsten 1929. 82 S., mit Abbildungen. Grafisch gestalteter OPappband in schwarz, weiß und gold (Max Thalmann).
Außentitel: "Stirb und Werde! 30 Jahre religiöser Verlagsarbeit." Mit Verlagsbeilage. Inhalt: Eugen Diederichs: Zur Einführung; Erneuerung des Protestantismus durch den Glauben; Ursprung des Christentums; Die deutsche Mystik; Laientum im Katholizismus; Die Weltreligionen; Protestantische Laienbewegung; Zur kosmischen Religion; Anhang: Philosophie. - Gutes Exemplar ohne Stempel oder Namenszüge. (RM17e)
[SW: Buchwesen, Verlagswesen, Verlagskatalog, Verlag]




