Tod Kommt Nur Einmal
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Breitbach, Joseph,
Joseph Breitbach (1903-1980), Schriftsteller, Journalist und Mäzen. 1 ms. Brief und 2 eh. Bildpostkarten mit eigenh. U, 3 Visitkarten mit mehreren eh. Zeilen und 1 Telegramm. Paris und München, 1974 bis 1978. Zusammen 8½ Seiten auf 9 Bll. 4°, (qu.-)8° und qu.-12°. Mit 5 ms. adr. Kuverts. - Beiliegend eine gedr. Todesanzeige (2 Seiten auf Doppelblatt, gr.-8°; mit Kuvert), ein ms. Brief mit eh. U. von Wolfgang Mettmann (München, 6. September 1981, 1 Seite, 4°) sowie die Kopie eines ms. Briefes von Breitbach an ein "liebes Fräulein Angela" (Hamburg, 27. März 1977, ¾ S., 4°). - An den Feuilletonisten, Essayisten, Biographen und Schriftsteller Rolf Michaelis (geb. 1933) von der "Zeit": "[...] Ich bin froh wenn das Jahr zu Ende geht, es war kein gutes für mich. 4 Monate Krankenhaus und Tod einer meiner Schwestern und eines Schwagers und immer noch kränkelnd. Das Alter! [...]" (Bildpostkarte v. [23. Dezember 1976]). - "[...] Sie haben sich sicher sehr gewundert, nicht einmal eine Empfangsbestätigung [für die "wunderbaren Conti-Schokoladetafeln"] erhalten zu haben, aber es immer abenteuerlich drei Dinge, selbst in den kleinsten Päckchen nach Frankreich zu schicken: alles was mit Fotoapparaten zusammenhängt, in Leder gebundene Bücher und Eßwaren. In Leder gebundene Bücher genießen das besondere Mißtrauen der Zöllner, weil sie unter dem Leder Heroin oder ähnliches vermuten. Und bei Eßwaren, und übrigens auch Medikamenten, spielen ähnliche Verdachtsmomente eine Rolle. Dass wir in Frankreich viel weniger Freiheit haben, als Ihr in Deutschland, werden Sie, ich wette, nicht wahrhaben wollen, dennoch ist es so. Mettmann und mir kommt Deutschland jedesmal, wenn wir hinkommen, wie ein Paradies an Freizügigkeit vor, und die deutschen Beamten noch nicht ein viertel so autoritär wie unsere. Ihr wüsst [!] überhaupt nicht wie gut Ihr es habt in der Bundesrepublik. Und was soll das erst werden, wenn die marxistische Linke uns regiert, dann wird alles noch viel autoritärer werden als es schon ohnedies ist [... folgt eine ausführliche und lobende Darstellung von Alain Peyrefittes "Le Mal Francais"] Ich sehe für Frankreich nichts gutes voraus, ob die Linke oder die Nicht-Linke (eine Rechte gibt es überhaupt nicht in Frankreich, das erzählen nur die Kommunisten, denn 85% aller Franzosen sind Lohnabhängige, die man nicht mit Rechten verwechseln kann) gewinnt, die verbrecherische Linke hat derartige Erwartungen auf paradiesische Zustände geweckt, dass dem Volk, also den 85% der Bevölkerung nur bittere Enttäuschungen bevorstehen können. Oder dass die enttäuschten Linkswähler den Aufstand proben werden, ein Unglück so groß wie das andere. Der Marxismus ist heute in meinen Augen das größte Unglück, das in die Welt gebracht worden ist. Wie ich mich[,] dieses denkend, oft über die Zeit' ärgere, über ihre immer wieder vorkommenden Rückfälle ins Utopische und ins Manichäische, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Ich bin angewidert von meinen linken Kollegen, die die doch mit Absicht gesäte Saat verleugnen, während sie nach dem Kriege in den fünfundvierziger bis fünfziger Jahren die unter Weimar nicht linksgewesenen Autoren verantwortlich für Hitler gemacht haben. Sie sehen, lieber Michaelis, ich bin so gut wie untragbar für die Zeit' geworden und werde, wenn die Stunde kommt, so sehr fern kann sie ja nicht sein, mit einem Groll gegen die Linke ins Grab gehen, der noch größer ist als der, den ich gegen die Nazis hatte [...]" (Br. v. 7. Februar 1978; auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf). - Seit 1929 als Schriftsteller und Geschäftsmann in Frankreich lebend, wurde Breitbach als gebürtiger Deutscher 1939 interniert und war hernach für die Fremdenlegion und den französischen Geheimdienst tätig. Nach dem deutschen Einmarsch in Paris beschlagnahmte die Gestapo im Jahr darauf seine Bibliothek und seine Manuskripte. Von 1948 bis 1951 publizierte Breitbach in der "Zeit" Beiträge über Kultur und Politik in Frankreich. 30 Jahre nach seinem ersten Roman "Die Wandlung der Susanne Dasseldorf" erschien 1962 sein zweiter, der "Bericht über Bruno", der vor allem in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg wurde. Der seit 1998 jährlich von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und der Stiftung Joseph Breitbach in Vaduz an deutschsprachige Schriftsteller verli
Joseph Breitbach (1903-1980), Schriftsteller, Journalist und Mäzen. 1 ms. Brief und 2 eh. Bildpostkarten mit eigenh. U, 3 Visitkarten mit mehreren eh. Zeilen und 1 Telegramm. Paris und München, 1974 bis 1978. Zusammen 8½ Seiten auf 9 Bll. 4°, (qu.-)8° und qu.-12°. Mit 5 ms. adr. Kuverts. - Beiliegend eine gedr. Todesanzeige (2 Seiten auf Doppelblatt, gr.-8°; mit Kuvert), ein ms. Brief mit eh. U. von Wolfgang Mettmann (München, 6. September 1981, 1 Seite, 4°) sowie die Kopie eines ms. Briefes von Breitbach an ein "liebes Fräulein Angela" (Hamburg, 27. März 1977, ¾ S., 4°). - An den Feuilletonisten, Essayisten, Biographen und Schriftsteller Rolf Michaelis (geb. 1933) von der "Zeit": "[...] Ich bin froh wenn das Jahr zu Ende geht, es war kein gutes für mich. 4 Monate Krankenhaus und Tod einer meiner Schwestern und eines Schwagers und immer noch kränkelnd. Das Alter! [...]" (Bildpostkarte v. [23. Dezember 1976]). - "[...] Sie haben sich sicher sehr gewundert, nicht einmal eine Empfangsbestätigung [für die "wunderbaren Conti-Schokoladetafeln"] erhalten zu haben, aber es immer abenteuerlich drei Dinge, selbst in den kleinsten Päckchen nach Frankreich zu schicken: alles was mit Fotoapparaten zusammenhängt, in Leder gebundene Bücher und Eßwaren. In Leder gebundene Bücher genießen das besondere Mißtrauen der Zöllner, weil sie unter dem Leder Heroin oder ähnliches vermuten. Und bei Eßwaren, und übrigens auch Medikamenten, spielen ähnliche Verdachtsmomente eine Rolle. Dass wir in Frankreich viel weniger Freiheit haben, als Ihr in Deutschland, werden Sie, ich wette, nicht wahrhaben wollen, dennoch ist es so. Mettmann und mir kommt Deutschland jedesmal, wenn wir hinkommen, wie ein Paradies an Freizügigkeit vor, und die deutschen Beamten noch nicht ein viertel so autoritär wie unsere. Ihr wüsst [!] überhaupt nicht wie gut Ihr es habt in der Bundesrepublik. Und was soll das erst werden, wenn die marxistische Linke uns regiert, dann wird alles noch viel autoritärer werden als es schon ohnedies ist [... folgt eine ausführliche und lobende Darstellung von Alain Peyrefittes "Le Mal Francais"] Ich sehe für Frankreich nichts gutes voraus, ob die Linke oder die Nicht-Linke (eine Rechte gibt es überhaupt nicht in Frankreich, das erzählen nur die Kommunisten, denn 85% aller Franzosen sind Lohnabhängige, die man nicht mit Rechten verwechseln kann) gewinnt, die verbrecherische Linke hat derartige Erwartungen auf paradiesische Zustände geweckt, dass dem Volk, also den 85% der Bevölkerung nur bittere Enttäuschungen bevorstehen können. Oder dass die enttäuschten Linkswähler den Aufstand proben werden, ein Unglück so groß wie das andere. Der Marxismus ist heute in meinen Augen das größte Unglück, das in die Welt gebracht worden ist. Wie ich mich[,] dieses denkend, oft über die Zeit' ärgere, über ihre immer wieder vorkommenden Rückfälle ins Utopische und ins Manichäische, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Ich bin angewidert von meinen linken Kollegen, die die doch mit Absicht gesäte Saat verleugnen, während sie nach dem Kriege in den fünfundvierziger bis fünfziger Jahren die unter Weimar nicht linksgewesenen Autoren verantwortlich für Hitler gemacht haben. Sie sehen, lieber Michaelis, ich bin so gut wie untragbar für die Zeit' geworden und werde, wenn die Stunde kommt, so sehr fern kann sie ja nicht sein, mit einem Groll gegen die Linke ins Grab gehen, der noch größer ist als der, den ich gegen die Nazis hatte [...]" (Br. v. 7. Februar 1978; auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf). - Seit 1929 als Schriftsteller und Geschäftsmann in Frankreich lebend, wurde Breitbach als gebürtiger Deutscher 1939 interniert und war hernach für die Fremdenlegion und den französischen Geheimdienst tätig. Nach dem deutschen Einmarsch in Paris beschlagnahmte die Gestapo im Jahr darauf seine Bibliothek und seine Manuskripte. Von 1948 bis 1951 publizierte Breitbach in der "Zeit" Beiträge über Kultur und Politik in Frankreich. 30 Jahre nach seinem ersten Roman "Die Wandlung der Susanne Dasseldorf" erschien 1962 sein zweiter, der "Bericht über Bruno", der vor allem in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg wurde. Der seit 1998 jährlich von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und der Stiftung Joseph Breitbach in Vaduz an deutschsprachige Schriftsteller verliehene Joseph Breitbach-Preis ist der mit 50.000 Euro am höchsten dotierte deutsche Literaturpreis. - Rolf Michaelis promovierte über "Die Struktur von Hölderlins Oden" und war hernach Redakteur des Feuilletons der "Stuttgarter Zeitung". Von 1964 leitete er das Literaturblatt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", bis er 1968 als deren Kulturkorrespondent nach Berlin wechselte. 1973 wurde er Leiter des Literaturteils der "ZEIT" und war dort von 1985 bis 1998 als Feuilleton-Redakteur tätig.
Der Spiegel, das Politmagazin: 27/1977, Scheidung,
Titel Neues Scheidungsrecht: Dreimal zahlen: Am 1. Juli tritt das neue Scheidungsrecht in Kraft, aber bis zum Jahresende wird kaum noch eine Ehe geschieden werden. Die neue Prozedur ist zeitraubend, das Gericht soll alles auf einmal entscheiden: Ehelösung, Unterhalt, Sorgerecht, Rentenausgleich. Anwälte befürchten einen vorübergehenden Stillstand der Rechtspflege . (S. 33) * Scheidungskosten: im Durchschnitt 7000 Mark (S. 44) 21 SPD: Wehners einsamer Kampf: Mit seiner offenen Attacke auf Willy Brandt hat Herbert Wehner die SPD wieder einmal ins Schlingern gebracht -- aus Sorge um die Regierungsfähigkeit der Sozialdemokraten. Brandt-Kritiker Wehner will verhindern, daß seine Partei bereits jetzt alle Chancen verspielt, die sozialliberale Koalition in Bonn auch über 1980 hinaus fortzuführen. * 23 BUNDESRAT - Irgendwann Schluß: Das Ja des CDU-Ministerpräsidenten Albrecht zum Spargesetz für das Gesundheitswesen nutzt vor allem Franz Josef Strauß: Der Bayer erhielt Auftrieb für seinen harten Kurs gegen die FDP. * 25 Staatsverdrossenheit: Schon in Ordnung : Von einer Staatsverdrossenheit unter den Bundesbürgern reden Bonner Politiker, als sei sie ein sicheres Faktum. Das Münchner Meinungsforschungsinstitut Infratest kommt in einer unveröffentlichten Umfrage zu einem anderen Ergebnis: Es gibt keine grundlegende Skepsis, die als Staatsverdrossenheit bezeichnet werden kann. * 29 BUNDESPRESSEAMT - Wie unter Adenauer: Der eigenen Profilierung wegen beschäftigen die sozialliberalen Minister eine Schar von Öffentlichkeitsarbeitern. Künftig soll Böllings Presseamt die gesamte Regierungs-PR machen. * 30 JUSTIZ - Richtung Rückschritt: Der Bundesrat will eine gerade sechs Jahre alte rechtsstaatliche Errungenschaft wieder drastisch beschneiden: die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen. * 31 EG - Zank um Torus: Seit anderthalb Jahren streiten sich die EG-Länder über den Standort des Forschungsreaktors Jet : Scheitert Europas ehrgeizigstes Energie-Programm? * 47 DDR-AUSREISSER - Große Freiheit: Westdeutsche Behörden streiten mit Ost-Berlin um minderjährige Flüchtlinge. DDR-Vorwurf: Rückkehrwillige Jugendliche werden widerrechtlich in der Bundesrepublik festgehalten. * 49 CARSTENS - Regelrecht Liebe: Bundestagspräsident Karl Carstens, als Fraktionsführer der Union ohne Fortüne, gewinnt in seiner Partei neues Renommee -- als Alternative zu Kohl. 62 Rot Front! Zack, zack! : Einblick in das nach außen abgeschottete Innenleben einer Universität und das oft groteske Treiben politischer Gruppen vermitteln vier Politologie-Studenten vom West-Berliner Otto-Suhr-Institut, die sich nur mit Vornamen vorstellen: Andreas, Micki, Thomas und Ute. In den Seminaren fühlen sie sich anfangs schrecklich allein und unsicher , in der Polit-Arbeit wehrlos und nicht sogleich zum alles entscheidenden Sprung auf die Seite der unentwegt kämpfenden Arbeiterklasse bereit . Die Autoren veröffentlichen ihren Beitrag in der neuen Ausgabe des Kursbuch , das, zehn Jahre danach, hauptsächlich der Außerparlamentarischen Opposition gewidmet ist. * 75 Ein Freund im BMI (eventuell ,Ohm, ) ... * 78 RUNDFUNK - Am Bettelstab: Ein Defizit von 100 Millionen Mark erwartet der NDR. Kürzungen im Programm und die Einführung des Werbefunks sollen helfen. * 79 PRESSE - Nur aufwärts: Nach alter Herrenart befehligt ein Verlagschef das Bremer Pressemonopol. Nun überzog er und provozierte den längsten Zeitungsstreik westdeutscher Journalisten und Drucker. * 91 Agentenjagd auf den Leopard : Hinters Licht geführt und in die Falle gelockt wurden Ost-Agenten und Waffenhändler von westdeutschen Geheimdienstlern. Bei dem Coup ging es um den Motor des Super-Panzers Leopard 2 , der für 850 000 Mark über die Grenze in die Schweiz und dann in die CSSR gebracht werden sollte. Die Aktion wurde gebremst -- aber sie stärkte die Vermutung, daß die geheime Wunderwaffe längst in Libyen für Interessenten zur Verfügung steht. * 97 TIERSCHUTZ - Da brutzelts: Unterhält der Münchner Tierschutzverein ein Hunde-KZ und ein Katzen-Krematorium ? Ein verbandsinternes Weißbuch prangert die Praktiken im größten Tierheim Europas an. * Wirtschaft 55 OSTHANDEL - Starke Etage: Einige Dutzend Spezialhändler machen sich um das Ostgeschäft verdient. Denn die Kommunisten bestehen häufiger auf Tauschhandel. * 60 AEG - Gravierender Einbruch: Die Sanierung des angeschlagenen Elektro-Konzerns AEG kommt nicht voran. In den wichtigsten Geschäftssparten mußte die Firma Rückschläge hinnehmen. * 80 AFFÄREN - Letztes Gefecht: Die von Landesbanken kontrollierte Bremer Treuhand setzte mit groben Management-Fehlern etliche Millionen in den algerischen Sand. Nun müssen auch die Fonds-Kunden der Bremer um ihr Geld bangen. * 106 ÖLPREISE - Neuer Kampf: Der vor einem halben Jahr aufgebrochene Riß im Ölkartell Opec ist gekittet: Auch die Saudis schlagen jetzt stärker auf. * 116 US-AUTOMARKT - Durchbruch in Kentucky: Wenige Wochen nachdem US-Präsident Carter sein Energie-Sparprogramm verkündete, zogen Amerikas Autokäufer mit: Die Importe aus Japan und Europa erreichten den Rekordanteil von 21 Prozent. * 118 ... und zahlen keinen einzigen Cent : Im internationalen Flugzeughandel diktiert die Kundschaft das Geschäft. Selbst die Großen der Flugzeugindustrie wie Boeing und McDonnell Dauglas lassen sich zuweilen auf verblüffende Zahlungsbedingungen ein. Europäische Konzerne, aber auch Lockheed, bieten Konditionen, die Schenkungen verdächtig ähnlich sehen. 100 Breschnew in Paris: Gegengewicht zu Carter: Zum ersten Staatsbesuch in seiner Funktion als Staatsoberhaupt kam Breschnew nach Paris. In der Menschenrechtsfrage setzte sich Giscard gegenüber den Sowjets durch, mußte aber innenpolitisch eine Schlappe einstecken: Breschnew beehrte Giscards Hauptrivalen, Bürgermeister Chirac, mit einem Besuch im Pariser Rathaus. * 102 LEFEBVRE - Hoch lebe Marcellus: Die Priesterweihen, die Ketzer-Bischof Lefebvre im Schweizer Econe vornehmen will, könnten zum Schisma führen. Wird Lefebvre zum Gegenpapst ausgerufen? * 103 DSCHIBUTI - Spiele am Zaun: Frankreich will seine bisherige Kolonie den Somalis überlassen -- wenn die mit den Sowjets brechen. * 104 SCHWEIZ - Schulter an Schulter: Zu 18 Jahren Gefängnis verurteilte ein Militärgericht den Brigadier Jeanmaire: Er hatte den Miliz-Mythos der Schweiz durchlöchert. * 107 BRASILIEN - Volk abschaffen: Aus Studenten, Arbeitern, Unternehmern und Militärs bildet sich eine neue Opposition. 145 Schmarotzer am Leib der Gesellschaft : Erstmals suchte ein früherer ZK-Sekretär einer Kommunistischen Partei des Ostblocks im Westen politisches Asyl: Zdenek Mlynar, 47, einer der engsten Dubcek-Mitarbeiter und Chefideologe der Prager Reform-Kommunisten. Nach der Sowjet-Intervention in Prag übte Mlynar Selbstkritik und stieg noch zum Vollmitglied des Parteipräsidiums auf, wurde dann aber auf sowjetischen Druck aus dem ZK und der Partei ausgeschlossen. Er arbeitete fortan in der Käfer-Abteilung des Prager Nationalmuseums und verfaßte 1975 ein 300 Seiten starkes Dokument, das die Unterdrückung der Reformpolitik brandmarkte (SPIEGEL 25/1975). Nachdem die Behörden dem Unterzeichner der Charta 77 die Ausreise nach Österreich gestatteten, verfaßte er für den SPIEGEL diesen Artikel: * 158 Die neue Weise vom Tod des Jedermann: Vier von sieben Sterbenden sind in den letzten Stunden allein, umgeben nur noch von inhumaner Technik. Die Gesellschaft verdrängt das Thema Tod -- die Ärzte sehen in ihm ihre Niederlage. Doch nun haben Mediziner begonnen, auch die letzten Phasen des Lebens zu erkunden, und plädieren für einen menschenwürdigeren Tod. * Sport 148 Tod im Endspurt: Lebensgefährliche Drängelei auf Deutschlands Galopprennbahnen: Zu viele Pferdes zu enge Geläufe verursachen Unfälle. Beim Derby sollen 30 Pferde starten, 24 haben nur Platz. ordentliches Exemplar, Einband und Buchblock mit kleinen Lesespuren, Buchblock altersgemäß gebräunt, Gesamtzustand: gut ***Bei einer Bestellung bis 16 Uhr geben wir Ihr Buch noch am selben Tag in die Post***
Snellman, Anja: Zeit der Haut. Roman. Aus dem Finnischen von Angela Plöger, Goldmann Wilhelm Gmbh Erste Aufl. 2001 München ISBN: 3442750474
221 S.S. 8°
Pappe Geprägter Pappband mit Schutzumschlag. Sehr guter Zustand. "Zeit der Haut", geschrieben von Finnlands ungewöhnlichster und auflagenstärkster Autorin, war ein riesiger Publikumserfolg in Skandinavien. Der Roman erhielt einige bedeutende Auszeichnungen, unter anderem vom Finnischen Buchhändlerverband und der Finnischen Bibliotheksgesellschaft, und liegt mittlerweile in der siebten Auflage vor. Vor allem beim weiblichen Publikum rannte "Zeit der Haut" offene Türen ein, handelt es sich doch um ein Frauenbuch par excellence. Was den immensen Erfolg des Textes letztlich ausmacht, ist wohl, dass Anja Snellmans persönliche, emotionale und direkte Erzählweise hier besonders gut zum Tragen kommt - auf diese Weise ist ihr ein besonders ergreifender Roman gelungen, der überdies eine breite Identifikationsfläche für seine Leserinnen bietet. "Zeit der Haut" ist ein Buch über den Tod der Mutter. Darüber hinaus ist es aber auch ein Buch über das Leben der Mutter, über die Geschichte der Familie, und es ist ein intimes Porträt der Erzählerin selbst. Denn während die Mutter zum Pflegefall wird und monatelang dem Tod in kleinen Schritten entgegengeht, schenkt die Erzählerin nacheinander zwei Töchtern das Leben. Der langsame Verfall der Älteren steht in krassem Widerspruch zur überbordenden Fruchtbarkeit der Jüngeren. Schon bald ist die Familie gezwungen, die Mutter in ein Heim zu geben - die Pflege in den eigenen Wänden hat ihre natürliche Grenze erreicht, nun geht sie auf der geriatrischen Station eines Krankenhauses auf andere Weise weiter. Anja Snellman schildert nicht nur ihre täglichen Besuche am Krankenbett, sondern gibt Stück für Stück ein Bild der mal drückenden, mal fast heiteren Klinikatmosphäre wieder. Tag für Tag treffen sich dort Frauen mittleren Alters, um ihre Angehörigen im allerletzten Lebensabschnitt zu begleiten. Die Frauen entwickeln so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl, sie bilden ein Grüppchen, das eine Erfahrung teilt und dabei auch einen spezifischen Humor entwickelt. Nicht nur das Tragische und Traurige ist hier zu Hause, sondern auch das Komische und Leichte, was den Abschied irgendwie erträglicher macht. Ein Abschied, der auf ungewohnte Weise zu einem Anfang wird. Denn nach dem Tod der Mutter macht die Tochter eine überraschende Entdeckung: Beim Durchsehen von Dokumenten stößt sie auf ein Formular, aus dem eindeutig hervorgeht, dass die Mutter vor der Erzählerin und ihrer Schwester bereits ein uneheliches Kind zur Welt brachte und später zur Adoption freigab. Die Erzählerin beginnt zu recherchieren und taucht ein in eine ihr unbekannte Welt. Sie erfährt vom Leben und vom frühen Tod der unbekannten älteren Schwester. Und sie muss vieles gerade rücken, was sie für selbstverständlich gehalten hat: Die Mutter wird als junge Frau entdeckt. Offensichtlich hat es mehr als den cholerischen Ehemann gegeben - einen "zärtlichen Liebhaber", von dem die Mutter selbst auf dem Sterbebett noch träumte. Offensichtlich war die Mutter auch einmal leichtsinnig und frivol, von Hoffnungen auf eine verheißungsvolle Zukunft erfüllt. Ganz neue Berührungspunkte ergeben sich auf einmal zwischen Mutter und Tochter, bis in die Sexualität hinein. Schließlich führen die Spurensuche und das Erinnern an einen Punkt, an dem die Erzählerin von sich sagen kann, sie habe "gelernt, ihre Mutter zu lieben". "Zeit der Haut" erzählt von den Tabus zweier Generationen, von erlaubter und verbotener Sexualität, von Freude und Scham, Erfolg und Befreiung. Es ist ein Buch über den Niedergang einer Familie, über die Bitterkeit zwischen Eltern und Kindern, aber auch über Rachegefühle und spätes Verzeihen, befreite Sinnlichkeit und die Abkehr von falscher Moral. Es ist ein ungewohnt eindringliches Plädoyer für das lustvolle Leben und eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die in ihrer Direktheit bei vielen Leserinnen so manche Saite zum Schwingen bringen wird.
[SW: Finnische Literatur | Roman]
Schlegel, Johann Adolf, Dichter und Geistlicher (1721-1793). Eigenh. Brief (Fragment) mit U. ("Johann Adolf Schlegel") Hannover, 23. I. 1772.
Schlußteil eines Schreibens an einen namentlich nicht genannten "Geheimdekammerrath" mit der Bitte um "Fürsprache und Empfehlung" für einen Magister Crusius, der u. a. auf der Thomasschule "zugleich mit dem itzigen Professor Morus, und noch einem dritten eine Probelection auf das Conrectorat gehalten [habe]; wo aber diese Stelle keinem davon zu Theile geworden, weil man einen Collegen von der Nicolsschule in dieselbe versetzet" hätte. "Auch beim Cantorate der Fürstenschule Grimma ist er mit einem andern zu Probe aufgestellet worden, der, weil er in der Musik für stärker gehalten worden, diese Stelle bekommen hat [...] Ueberdieß weiß ich auch, wie viel das Urtheil unsers sel. Gellerts, der noch dazumal an mich schrieb, daß er meine ältern Söhne für glücklich schätzen würde, wenn sie seines [d. i. Crusius'] Unterrichts genießen könnten, bei Ihnen gelte [...] Auf den sel. Gellert noch einmal zu kommen; sollte es nicht gut seyn, wenn auf den Fall, daß der Druck einer Auswahl aus dem luciusschen Briefwechsel noch beliebet würde, noch irgendein andrer interessanter Briefwechsel des sel. Gellerts mit einem oder etlichen von seinen andern Freunden hinzukäme, der mehrere und wichtigere Briefe des sel. Gellerts enthielte, und also das einigermaßen erstattete, was dem erstern, der wenige nur von ihm wird in sich fassen können, abginge? Der mit dem sel. Rabner wird vermuthlich den rabnerischen Briefen schon eingerücket seyn. Freylich wohl gehört bey denen, die noch im Leben sind, die Einwilligung des andern Theiles dazu Aber eine Art von Beleidigung möchte es scheinen, wenn man die Einwilligung sich zuvor erwirkte, und hernach Bedenken fände, Gebrauch davon zu machen. Es müßte also wohl vorläufig im Allgemeinen eine Prüfung und auch vielleicht eine Wahl bey dergleichen Correspondenz vorangehen; die man zur leichtern Erlangung der Einwilligung zugleich ihm vorlegen könnte. Wären nicht Sie, mein theuerster Herr Geheimdekammerrath, mit wichtigen Geschäfften überhäuft, so wird jeder mit mir wünschen, daß diese Beurtheilung von Ihnen selbst geschehen möchte [...]". - Des weiteren über einen seiner Brüder, der sich "in seiner Einsiedeley ziemlich wohl [befinde]; noch immer zufriedner, als viele andre sich da befinden würden. Sein nothdürftiges Auskommen hat er zwar; aber doch ists eine wahre Einsiedeley. An dem Orte selbst hat er keinen Umgang, als seinen Amtmann, und der besitzet mehr Fähigkeit, mit der unvernünftigen Creatur zu conversiren, als daß er zu einem vernünftigen Umgange nur leidlich seyn sollte". - Gegen Ende kommt Schlegel noch auf seinen ältesten Sohn zu sprechen: "Ich nehme mir die Freyheit, hier ein paar Versuche von meinem ältesten Sohne bey zu schließen. - - Wie? Nichts, als ein paar Gelegenheitsgedichte? Und die noch dazu von einem siebenzehnjährigen Jünglinge? Komisch genug! Doch da Sie selbst Vater sind, stelle ich mir vor, daß Sie die Schwachheit eines Vaters darinnen werden übersehen können". - Beschlossen wird der Brief in der Hoffnung, der Angesprochene würde doch noch einmal dazu kommen, "das schöne Project einer empfindsamen Reise nach Pyrmont auszuführen. Sie würden an meinem Hause die Lage einer Einsiedeley finden; obgleich freylich nicht die Stille und Einsamkeit derselben; denn bevölkert ist es genug. Meine liebe Frau steht itzt in der Erwartung, in ein paar Monaten zum zehntenmale Mutter zu werden; und bis auf den ältesten, den die Blattern hinweggeraffet, habe ich sie durch Güte der Vorsehung noch alle beysammen". Nicht ganz anderthalb Monate darauf sollte Johann Adolf Schlegels Sohn Friedrich zur Welt kommen. - Christian Fürchtegott Gellert hatte Schlegel, der bis zu Gellerts Tod als engster Freund sein Leben und Schaffen begleiten sollte, im Jahre 1743 kennengelernt; Gellerts Briefwechsel mit Christiane Caroline Lucius hatte im Oktober 1760 begonnen und sollte bis zu seinem Tod Anfang Dezember 1769 fortdauern; mit dem Schriftsteller und Publizisten Gottlieb Wilhelm Rabener (1714-71) - den Gellert schon von seiner Schulzeit in St. Afra in Meißen her kannte und der auch Mitte der 40er Jahre neben Gellert und Schlegel ein Mitarbeiter der Wochenschrift "Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und des Witzes" (kurz: "Bremer Beyträge", so nach ihrem fingierten Erscheinungsort benannt) gewesen war - unterhielt Gellert gleichfalls regen Schriftverkehr. Schlegels hier aufgeworfene Frage nach einer "Prüfung und auch vielleicht eine Wahl bey dergleichen Correspondenz" gewinnt im Kontext zusätzlich dadurch an Bedeutung, daß zu Beginn des Jahres 1761 Briefe von Gellert und Rabener ohne deren Einverständnis veröffentlicht worden waren, unter denen sich u. a. ein Brief Gellerts über ein Gespräch mit Friedrich II. und der sog. "Husarenbrief" an die Gräfin von Schönfeldt befunden hatten. - Mit kl. unbed. Randläsuren und zwei winzigen Löchlein; papierbedingt stärker gebräunt, im ganzen jedoch gut erhaltenes Blatt. - Beiliegend eine alte Antiquariatsbeschreibung.
2 SS. Folio.
[SW: Autographen: Literatur]




